20. Mai 2015 | Von: Franz-Reinhard Habbel

Third Places

Arbeitsräume der Zukunft

Gehören das klassische Büro oder das Homeoffice bald der Vergangenheit an? Auch Kommunen sollten ihren Mitarbeitern neue Arbeitsräume eröffnen und Kreativität fördern.

Dritte Wege oder dritte Orte lösen immer eine besondere Faszination aus. Es ist nicht nur der dritte Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus – der eine oder andere erinnert sich noch an das Papier von Tony Blair zur neuen Sozialdemokratie in Europa. Auch dritte Orte der Arbeit tun sich auf. Es ist nicht das Büro, es ist auch nicht das Homeoffice, sondern etwas Neues, gelegen im öffentlichen Raum oder auch im Unternehmen selbst.

Es sind Orte der Begegnung, der Kommunikation und der Arbeit. Sie greifen den tiefgreifenden Wandel in der Lebens- und Arbeitswelt auf. Unterschiedliche Generationsbedürfnisse, der Kampf um die besten Köpfe, ein notwendiges Umsteuern bei Energie und Ressourcen sowie eine globale vernetzte, projektorientierte Wirtschaft mit fluiden Mitarbeiterzahlen erfordern nicht zuletzt neue Arbeitswelten. Ein Third Place kann ein Café, eine Lounge oder selbst der Zug sein.

Ein wichtiges Merkmal ist der Zugang zum Internet, möglichst schnell und frei ohne Vorgaben. Third Places erhöhen die Wahlmöglichkeiten in anderen Umgebungen zu arbeiten, die oftmals immer gleichen Räume zu verlassen, mit anderen Leuten zusammen zu kommen und ein kreatives Ambiente zu erleben. Wahlmöglichkeiten motivieren, sich entscheiden zu können heute hier und morgen dort zu arbeiten hat Auswirkungen auf die Identifikation mit der Arbeit, ja es erhöht für den einen oder anderen auch die Leidenschaft, arbeiten zu wollen. Es ist die Translokation die inspiriert, die Fahrzeiten zum Office reduzieren kann und einen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Translokation wird insbesondere durch die Digitalisierung vorangetrieben.

Bei einem Ortswechsel verändert sich ja nicht nur der Büroraum, sondern oftmals auch die Denkstruktur, denn Orte haben einen besonderen Einfluss auf Kreativität. „Stattbüro“, Dorfbüro und Eckbüro heißen die neuen Orte. Sie firmieren unter Third Places. In Berlin ist in diesen Tagen das weltweit erste „Stattbüro“ eröffnet worden. Dort können Arbeitsplätze und Räume in den verschiedensten Konstellationen auf Zeit – von einer Stunde bis mehrere Monate – genutzt werden. Third Places werden die Städte beleben. Sie geben der Stadt die notwendige Flexibilität.

Städte und Gemeinden sind gut beraten, solche Third Places als neue Arbeitsorte, die zu einem anderen Miteinander zwischen Firmen, Mitarbeitern und Bürger führen, zu fördern und zu unterstützen. So können zum Beispiel leerstehende Gebäude für bestimmte Zeiten verfügbar gemacht werden. Auch für die Wirtschaftsförderung sind Third Places eine interessante Entwicklung. Denn dort wo Kommunikation stattfindet, findet vielfach auch Wertschöpfung statt. Third Places ist mehr als Coworking. Es ist eine neue Art von Raumnutzung öffentlicher Orte und privater Einrichtungen.