Tausche Bildung gegen Wohnen - ein Projekt in Marxloh


23. November 2016

Stadtentwicklung

Bildung gegen Wohnen – Bundesfreiwilligendienst in der Praxis!

Der Bundesfreiwilligendienst bietet zahlreiche Möglichkeiten für Kommunen, soziale Projekte zu unterstützen. KOMMUNAL stellt eine spannende Aktion vor: Das Projekt: „Tausche Bildung für Wohnen“

 

Die Idee hinter dem Projekt ist schnell erklärt: Studierende, Auszubildende, und Bundesfreiwilligendienstler dürfen kostenlos in einer Immobilie des Projektes wohnen. Im Gegenzug helfen die jungen Mitarbeiter Kindern im Viertel. Lena Bissels ist einer von derzeit sechs jungen Menschen, die als sogenannte Bildungspaten bis zu acht Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren betreuen und ihnen Nachhilfe in Deutsch, Mathe oder Englisch geben. Es gibt Hilfe bei den Hausaufgaben, nach dem Unterricht spielen die Kinder zusammen und an Wochenenden und in den Ferien organisieren die Helfer Ausflüge und Freizeitaktivitäten. Lena Bissels lebt in einer der beiden projekteigenen Wohngemeinschaften im Duisburger Stadtteil Marxloh. „Wir haben ein eigenes Zimmer, eine gemeinsame Küche und wir bekommen Taschengeld“, erklärt sie. KOMMUNAL hat die junge Frau für die jüngste Ausgabe der KOMMUNAL begleitet. Dort berichtet sie ausführlich über ihre Aufgaben, ihren Alltag und vor allem darüber, was sie bewegt hat, sich zu engagieren.

 

Der Gründungsgedanke von „Tausche Bildung gegen Wohnen“

 

In der aktuellen Ausgabe der KOMMUNAL sprach unsere Reporterin auch mit der Gründerin der Projekts, Christine Bleks. „Die Idee zu diesem Sozialunternehmen fußt auf den Erfahrungen eines Freundes. Seine Eltern stammen aus der Türkei und als Junge hatte er selbst so etwas wie eine inoffizielle Bildungspatin, die ihn mit ins Theater nahm und ihn über den Tellerrand seines eigenen Milieus schauen ließ“, erklärt sie uns. Doch wie finanziert sich ein solches Projekt ? Wie können andere Kommunen, die ähnliche Projektwünsche haben, diese realisieren?

 

Bildungsprojekt will wachsen und bietet anderen Kommunen Hilfe an

 

Um ein solches Projekt zu stemmen, bedarf es zunächst vieler Anträge und viel Hintergrundwissen über Finanzierungsmöglichkeiten. Grundsätzlich läuft das Projekt in Marxloh heute in erster Linie über die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder von Eltern, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld, Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Der erste Kontakt erfolgt zumeist durch Lehrer, die für eines ihrer Kinder Nachhilfe organisieren wollen. Christine Bleks füllt die entsprechenden Formulare aus und kontaktiert die Eltern, damit die hausinternen Papiere ausgefüllt werden können. Auf dem Papier decken die Leistungen aus diesem Gesetz die Kosten. „Aber das ist nur theoretisch so. Ohne Spendengelder und Sponsoring-Maßnahmen würden wir das Projekt nicht weiterführen können“, erklärt Christine Bleks. Das Taschengeld für ihre Bildungspaten etwa bekommt Christine Bleks teilweise vom Amt für zivilgesellschaftliches Engagement erstattet.

Lena Bisslels ist eine von sechs Bildungspaten in Marxloh

Lena Bisslels ist eine von sechs Bildungspaten in Marxloh

Künftig will Christine Bleks anderen Kommunen in Deutschland dabei helfen, Projekte wie dieses selbst auf den Weg zu bringen. An einem Handbuch arbeitet sie bereits.

 

Die Stadt ist voll des Lobes für das Projekt

 

Thomas Krützberg, Beigeordneter für Familie, Bildung und Kultur, sieht nur Vorteile für alle Beteiligten: „Das Projekt vereint Bildung und ,sinnvolle Beschäftigung‘ und schafft Vorbilder – das passt perfekt zu unseren Entwicklungszielen für die langfristige Stabilisierung des Stadtteils und kann in Städten mit ähnlichen Sozialstrukturen sicherlich genauso wirken.

Heiner Maschke, Geschäftsführer der beteiligten „EG DU – Entwicklungsgesellschaft Duisburg mbH“ kommt zu einem ähnlich guten Fazit: „Tausche Bildung für Wohnen generiert viele ,gute Nachrichten‘ – ein großer Imagegewinn für Stadtteile wie Marxloh, in

Lernpaten in Marxloh mit Kindern beim Matheunterricht

Lernpaten in Marxloh mit Kindern beim Matheunterricht

dem sonst so oft nur Negativschlagzeilen Aufmerksamkeit bekommen.

Kommunen, die Interesse haben, ein ähnliches Projekt aufzuziehen, können sich per Mail an bleks@tausche-bildung-fuer-wohnen.org wenden

 

Die komplette Reportage finden Sie in Ausgabe 12/2017 von KOMMUNAL. Sie haben noch kein Abo? HIER geht es zum kostenlosen Testabo!

 

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