20. April 2018 | Von: Florian Kohl

Gastkommentar

Breitband: Langsames Internet bremst Kommunen aus

Es gibt zahlreiche Gründe dafür, auf dem Land zu wohnen. Auf dem Land ticken die Uhren oft ein wenig anders, gemütlicher möchte man sagen. Problematisch wird es mit der Gemütlichkeit allerdings bei der Internetanbindung. Dabei ist High-Speed Voraussetzung für Zukunftsperspektiven, so der Internetunternehmer Florian Kohl im KOMMUNAL-Gastbeitrag.

 

Der Film-Stream ruckelt langsam vor sich hin. Bis sich die Webseite der Tageszeitung aufgebaut hat, sind die Schlagzeilen bereits von gestern. Und der Download des neusten Katzenvideos von Tante Erna auf Whatsapp wird zum zeitaufwändigen Mammutprojekt. Viele Bewohner in ländlichen Gemeinden können über solche Vorfälle nicht lächeln. Sie sind aufgrund einer quälend langsamen Internetverbindung bitterer Alltag. An der nötigen Technik, um die Kommunen ans High-Speed-Netz anzuschließen, scheitert es nicht. Das ist auch kaum verwunderlich, vergegenwärtigt man sich die Innovationen der letzten Jahre: Rechner, die in den 90er noch als Supercomputer gegolten hätten, besitzen heute die Größe eines Mikrochips. Die Versorgung mit High-Speed-Internet ist in Anbetracht dessen kein Hexenwerk mehr.

 

Das Land braucht funkbasierte Lösungen für Breitband

 

Es gibt mehrere Varianten den Zugang zum Breitbandnetz zu gewährleisten, das einen Datenaustausch mit hoher Geschwindigkeit ermöglicht. Man unterscheidet zwischen kabelbasierten Methoden und funkbasierten Methoden. Unter die erste Kategorie fällt beispielsweise das weit verbreitete DSL. Die einzelnen Haushalte werden mit Kabeln an einen Hauptverteiler angeschlossen. Das ermöglicht eine relativ stabile Verbindung. Pech hat allerdings jeder, der zu weit vom Verteiler entfernt wohnt. Mit zunehmender Entfernung sinkt die Internetgeschwindigkeit rapide ab, sodass die maximale Übertragungsrate in weite Ferne rückt. Die Installation von funkbasierten Möglichkeiten dagegen, darunter der aktuelle Mobilfunkstandard LTE, ist in der Regel schneller und mit weniger Aufwand verbunden als die Kabellösungen. Da diese allerdings über ein Satellitensignal funktionieren, schwankt die Verbindungsstärke abhängig von der momentanen Wetterlage. Bei starkem Schneefall oder Regen kann die Verbindung kurzzeitig auch gänzlich ausbleiben.

Für die Anwohner der Kommunen bringt der Breitbandanschluss eine Reihe von Vorteilen mit sich, egal ob bei Kommunikation, Information oder Unterhaltung. Das Internet ist in unser tägliches Leben derart verflochten, dass man ihm kaum mehr aus dem Weg gehen kann. In naher Zukunft wird sich die Digitalisierung in jeden Lebensbereich ausweiten, man denke etwa an Smart Homes oder selbst fahrende Autos. „Was hat das mit unserer Gemeinde zu tun?“, mag sich der ein oder andere fragen. Ganz einfach: High-Speed-Internet ist viel mehr als ruckelfreie Videos. Es geht um den Aufbau eines attraktiven Standortes mit Zukunftsperspektive, sowohl für Bewohner als auch für die Wirtschaft. Für Unternehmen ist eine unzureichende Internetanbindung ein K.O-Kriterium. Das gilt nicht nur für aufstrebende Technik- und Internet-Start-Ups. Buchhaltung, Datenaustausch, Server – fast jede Firma ist in irgendeiner Form auf das Netz angewiesen. Breitband sollte man nicht länger als „Nice-to-have“ ansehen, sondern vielmehr als Grundvoraussetzung für eine funktionierende Infrastruktur, ähnlich wie Straßen oder Elektrizität. Gemeinden ohne diesen Service schirmen sich gewissermaßen vor Neuankömmlingen ab.

Wenn sich keine Unternehmen ansiedeln, hat das weit reichende Folgen für die Kommunen. Neue Arbeitsplätze bleiben somit aus. Von einem wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort kann man keinesfalls sprechen. In Kombination mit den Unannehmlichkeiten im Privatleben der Bewohner kann sogar Landflucht die Folge sein. Die Notwendigkeit des schnellen Internets ist also nicht von der Hand zu weisen. Das Problem liegt wie so oft an der Finanzierung. Hier stehen Gemeinden und Versorger vor einem Dilemma. Ein Kilometer Glasfaserkabel inklusive Bauarbeiten kostet bis zu 70.000 Euro. Zwar stehen in der Regel Fördergelder vom Bund zur Verfügung, diese decken jedoch nur einen Teil der Ausgaben ab. Bis 2025 sollen alle Haushalte in Deutschland Internetanschlüsse mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Mbit versorgt sein. Ob sich das bewahrheitet bleibt abzuwarten, schließlich sollte dieses Ziel ursprünglich bereits 2014 erreicht werden.

Ohne Breitbandförderung geht auf dem Land nichts

 

Bei einer Zusammenarbeit mit einem Internetanbieter muss sich die Gemeinde an den Kosten beteiligen und unter anderem Leerrohre stellen. Gerade für Kommunen mit wenigen Einwohnern sind die Ausgaben oft astronomisch hoch. Um neue Unternehmen und Anwohner zu gewinnen, wäre der Ausbau dennoch genau für diese Gemeinden von Vorteil. Für die Anbieter dagegen ist die Investition in Flächen mit geringer Besiedlungsdichte finanziell kaum profitabel. Übrigens: Um auf internationaler Ebene konkurrenzfähig zu bleiben, muss sich die Regierung deutlich mehr als 50 Mbit auf die Fahnen schreiben. Nach einer Statistik des State of the Internet Reports der Firma Akamai belegt Deutschland momentan Platz 25 im Geschwindigkeits-Ranking. Das ist drei Plätze schlechter als im vorigen Jahr. An der Spitze liegen Südkorea, Norwegen und Schweden. Dort surfen die Einwohner fast doppelt so schnell wie bei uns.

Fazit: Gemeinden sollten prüfen, welche Möglichkeiten Ihnen mit Fördergeldern oder Kooperationen zur Verfügung stehen und wie viel in Eigenregie zu bewerkstelligen ist. Die schnellen Datenverbindungen sind schon heute unentbehrliche Lebensadern der modernen Gesellschaft und damit auch für eine attraktive Kommune.