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13. Januar 2016

Breitband

Die Infrastruktur der Zukunft aufbauen

Der Breitbandausbau stellt Kommunen und Landkreise vor große Herausforderungen. Für private Anbieter lohnt sich der Ausbau in einigen Regionen nicht. Durch Fördergelder können Kooperationen dennoch gelingen. Stefan Dallinger, Landrat im Rhein-Neckar-Kreis berichtet für KOMMUNAL, welchen Weg seine Region gegangen ist.

Die schnelle und problemlose Verbindung ins World Wide Web ist heute wesentlicher Bestandteil einer modernen Infrastruktur und für die zukünftige Entwicklung einer Region von entscheidender Bedeutung. Besonders im Rhein-Neckar-Kreis spielt die flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen eine zentrale Rolle, denn laut Softwareatlas 2013 des Fraunhofer-Institutes für System- und Innovationsforschung ist er „Deutschlands bedeutendster Standort im Bereich Software- und IT-Dienstleistungen“. Rund jeder zehnte Arbeitsplatz (11,40%) ist hier im Wirtschaftszweig „Information und Kommunikation“ angesiedelt. Folglich sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur in ihren Unternehmen, sondern auch an ihren jeweiligen Wohnorten auf eine leistungsstarke Kommunikationsinfrastruktur angewiesen.

 

Um zeitnah eine technisch ausgereifte und zukunftsfähige Breitbandversorgung zu gewährleisten, hat der Rhein-Neckar-Kreis im Schulterschluss mit seinen 54 Städten und Gemeinden den Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar gegründet. Das Verbandsgebiet umfasst über 530.000 Einwohner.
Die Zielsetzung ist klar formuliert: schnelles Internet für alle! Jeder Bürger, jede Kommune, jedes Unternehmen und jeder Gewerbebetrieb im Rhein-Neckar-Kreis soll die Möglichkeit bekommen, das flächendeckende Glasfasernetz der Zukunft zu nutzen.

 

 

Im Zuge einer europaweiten Ausschreibung sprach sich die Verbandsversammlung des Zweckverbandes High-Speed-Netz Rhein-Neckar im Juni 2015 einstimmig für die NetCom BW als zukünftigen Netzbetreiber aus. Die NetCom BW GmbH wird also das Glasfasernetz im Rhein-Neckar-Kreis betreiben und den Endkunden die entsprechenden Produkte und Dienstleistungen wie Internet, Telefon oder TV anbieten. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen vertragsgemäß dazu verpflichtet, weiteren Anbietern den Zugang zu dem kommunalen Netz zu ermöglichen.

 

Nur knapp zwei Monate nach der Ausschreibung für die 22 Kilometer lange Pilotstrecke von Lobbach nach Eberbach im Oktober 2015 war der erste Teil des Kern-Backbones bereits realisiert, der erste Kunde ging am 16. Dezember 2015 ans Netz.

 

Der Breitbandausbau ist allerdings auch ein äußerst komplexes Thema und stellt vor allem kleinere Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Exakt an diesem Punkt setzt „der kollegiale Geist der interkommunalen Kooperation an“ und genau hier liegen auch die Herausforderungen.

 

 

Stichwort Wirtschaftlichkeit: Das überregional ausgerichtete Denken und Handeln des Zweckverbandes optimiert die Wirtschaftlichkeit des kostenintensiven Glasfaserausbaus und hilft, Kosten einzusparen. Beispielsweise durch das Mitverlegen von Leerrohren bei Straßenbauprojekten in unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen, durch frühzeitige Abstimmungen mit Bauunternehmen und Energieversorgern bei anstehenden Tiefbauarbeiten oder allgemein durch Absprachen bei regionalen Bauprojekten.

 

 

Stichwort Selbstbestimmung: Im Zuständigkeitsbereich des Zweckverbandes liegt die Bereitstellung von mindestens zwei Übergabepunkten pro Kommune. Durch das kreisweite Zuführungsnetz ist somit der Anschluss jedes Verbandsmitgliedes an das World Wide Web garantiert. Für den innerörtlichen Ausbau sind die Kommunen selbst verantwortlich. Jedes Verbandsmitglied entscheidet autark, wann und wie die Anschlussmaßnahmen innerhalb der eigenen Ortsgrenzen zu erfolgen haben.

 

Stichwort Fördergelder: Das Land Baden-Württemberg unterstützt in besonderem Maße die interkommunale Zusammenarbeit (Breitband-Offensive 4.0) und stellt für Kooperationsmodelle wie den Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar erhöhte Fördersätze in Aussicht. Zur komplexen Fördermittelthematik gehören allerdings auch lange Entscheidungswege und aufwendige Regularien. Der Zweckverband bündelt daher speziell in diesem Bereich vorhandenes Know-how und fachliche Kompetenzen.

 

 

Stichwort Refinanzierung:

Der Zusammenschluss der Städte und Gemeinden im Zweckverband steigert die Attraktivität des Netzes gleich in mehrfacher Hinsicht. Zukünftige Dark-Fiber-Anschlüsse bei den kreiseigenen Liegenschaften, Pachteinnahmen über den externen Netzbetreiber sowie die Eigenvermarktung von Backbonefasern sind einige Optionen, wie sich die stattlichen Investitionen zumindest teilweise refinanzieren lassen.

 

Landrat Stefan Dallinger ©Rhein-Neckar-Kreis

Landrat Stefan Dallinger
©Rhein-Neckar-Kreis

Zur Person:

Stefan Dallinger ist 53 Jahre alt, Verwaltungsjurist, CDU-Politiker und seit 5 Jahren Landrat im Rhein-Neckar-Kreis. Zuvor war er ab 1999 Bürgermeister der Stadt Schwetzingen und ab 2006 Verbandsdirektor des Verbandes Region Rhein-Neckar sowie Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Metropolregion Rhein-Neckar GmbH.

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7,7 Prozent

der Bürgermeister in kleineren Kommunen (unter 10.000 Einwohner) sind Frauen. In Städten zwischen 50 und 100.000 sind es immerhin 17,6 Prozent. (©Statista)

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