Das autonome E-Auto muss so schnell wie möglich auf die Straße, meint Franz-Reinhard Habbel.


3. August 2017 | Von: Franz-Reinhard Habbel

Mobilität der Zukunft

Dieselgate darf E-Auto nicht behindern

Die Dieseldebatte ist gut und wichtig, aber darüber darf das größere Mobilitätsziel nicht vergessen werden. Die Arbeit am autonomen Elektroauto der Zukunft muss auf Hochtouren laufen, meint Franz-Reinhard Habbel.

 

Die Deutschen lieben die Gegenwart. Das zeigt sich wieder bei der Diskussion um Dieselfahrzeuge. Der Dieselmotor stößt Schadstoffe aus, die die Gesundheit der Menschen gefährden. Die Automobilindustrie hat getäuscht und getrickst, all das ist nicht akzeptabel und muss Folgen haben. Bei der Dieselgate-Debatte dürfen wir aber nicht stehen bleiben. Schon längst ist es Zeit umzusteuern, was die Mobilität insgesamt betrifft. Vielleicht ist es schon zu spät. Der Antriebsmotor, der Stolz deutscher Ingenieurskunst, verliert an Bedeutung. Das Auto der Zukunft ist eher ein „iPhone auf Rädern“. Das fahrerlose E-Auto ist die große Vision. Hier geht es nicht um Eisen, Stahl und Kunststoff, sondern um Daten und künstliche Intelligenz.

 

Deutsche Industrie hinkt bei Anwendungen fürs E-Auto hinterher

 

Bei der künstlichen Intelligenz haben die Deutschen international betrachtet zwar viel zu bieten, leider aber nicht im Bereich der Anwendungen. Während in den deutschen Mittelklassewagen Sitzpositionen individuell gespeichert und per Knopfdruck abgerufen werden können, ist Tesla mit dem E-Auto schon viel weiter. Das Navigationsgerät lässt es zu, das Auto ständig mit der Cloud zu verbinden und jedem Fahrer seine individuelle Fahrkonfiguration online zur Verfügung zu stellen, die zum Beispiel das generelle Fahrverhalten auswertet. Handelt es sich eher um einen sportlichen Typ oder fährt er defensiv? Benutzt er in der Regel die gleichen Fahrtstrecken oder fährt er ständig kreuz und quer durch das womöglich hügelige Stadtgebiet? Mit diesen Daten wird unter anderem der Batterieverbrauch gesteuert, Stromtankstellen reserviert und die Interaktion mit anderen Verkehrsträgern wie ÖPNV und Bahn aber auch Parkplatzbetreibern sichergestellt. Auch hier geht die Entwicklung ständig weiter. So wird künftig dem Auto vorausfahrenden Radfahrern in den Helm ein Signal eingespielt: „Achtung, hinter Dir will ein Fahrzeug überholen.“

 

Wer besitzt die Daten für das E-Auto?

 

Die neue Mobilität mit Elektrofahrzeugen wird von Daten getrieben. Die Politik muss für die Nutzung von Daten den rechtlichen Rahmen sicherstellen. Die deutsche Autoindustrie muss die Herausforderung viel beherzter annehmen. Wem gehören Daten, die im öffentlichen Raum entstehen? Dem Automobilhersteller, dem Fahrer, dem Navigationsunternehmen? Auf jeden Fall gehören sie Google! Für die Kommunen sind diese Daten existenziell notwendig, nur haben sie bisher keinen Zugriff darauf. Moderne Stadtsteuerung und Planung ist auf Daten aus dem öffentlichen Raum angewiesen. Daraus entstehen neue Dienstleistungen. Das E-Auto der Zukunft wird ständig mit der Infrastruktur kommunizieren. Ampeln werden dadurch gesteuert, Verkehrsprognosen errechnet, Verfügbarkeiten von Mobilität im umfassendsten Sinn sichergestellt. Nach der Gegenwart kommt bekanntlich die Zukunft. Auch wenn wir sie nicht kennen, müssen wir sie frühzeitig gestalten. Es geht um den Wirtschaftsstandort Deutschland.

 

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92 Prozent

der Kommunen mit weniger als 5000 Einwohnern wünschen sich mehr interkommunale Zusammenarbeit (Forsa-Umfrage für KOMMUNAL)

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