So bleiben Städte attraktiv für Bürger und Einzelhandel. ©Bowie15/123rf


5. Mai 2017 | Von: Rebecca Piron

Studie

Sechs Tipps für florierenden Einzelhandel

Der stationäre Einzelhandel ist im Wandel begriffen. Der Online-Handel floriert und die Einkaufsmöglichkeiten in den Kommunen werden immer weniger. Was können Städte tun, um den Einzelhandel vor Ort zu halten? Eine neue Grundlagenstudie gibt Tipps.

 

Morgens die Kinder zur Schule bringen, tagsüber im Büro sitzen und abends ein wenig Zeit mit der Familie genießen können. Wo bleibt da die Zeit einkaufen zu gehen? Immer mehr Menschen greifen deshalb auf Online-Optionen wie Amazon, Zalando und Co. zurück. Der Handel verlagert sich in den virtuellen Raum. Dabei drohen die Innenstädte zu veröden. Eine Grundlagenstudie vom Bundesbauministerium, dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung und dem Handelsverband Deutschland zeigt die Möglichkeiten auf, die eigene Kommune für den Einzelhandel und die Kunden attraktiver zu gestalten.

Darauf zu warten, dass der Online-Handel nachlässt, ist keine Option. Nach wie vor ist er in einem Aufwärtstrend begriffen. Laut HDE machte er im Jahr 2015 ein Plus von 12 Prozent zum Vorjahr mit einem Gesamtumsatz von 41,7 Milliarden Euro. Den Einzelhandel aus den Städten verschwinden zu lassen ist derweil auch keine Lösung. Er erfüllt die Kernaufgabe der Versorgung mit verschiedensten Gütern. Außerdem leistet er einen Beitrag zu Erlebnis und Freizeit der Bürger, bietet einen Begegnungsort hält wichtige Arbeitgeber vor.

 

Um diesen Ort zu erhalten, gibt die Studie einige Tipps:

1. Verknüpfung von Online- und Offline-Handel

Laut Grundlagenstudie liegt die Zukunft des Handels in einer intelligenten Verknüpfung von Online- und Offline-Handel – dem sogennanten „Multichannel-Handel“. Dieser funktioniert in beiden Richtungen. Stationäre Geschäfte bereiten ihr Angebot online auf, doch auch originär digitale Geschäfte wie Amazon und Zalando beginnen Läden zu eröffnen. Für kleine stationäre Geschäfte lohne es sich derweil nicht einen eigenen Online-Auftritt einzurichten. Sie können hier auf bekannte Plattformen zurückgreifen. Einige Städte machen allerdings auch positive Erfahrungen mit von der Kommune eingerichteten Städteportalen.

2. Gefächertes und vollständiges Branchenprofil

Den „Erlebniseinkauf“ hält die Studie für zukunftssicher. Damit die Ausflüge in die Innenstadt auch die eigene und nicht eine Nachbarkommune treffen, sei es wichtig, dass eine Stadt ein breit gefächertes und vollständiges Branchenprofil vorhält.

3. Einzelhandel in der Innenstadt

Zudem solle der Handel in der Innenstadt gebündelt werden. Lange Wege zwischen Geschäften störten das Einkaufserlebnis. Hält man die Geschäfte an einem Ort, beeinträchtigt auch eine sich ausdünnende Geschäftelandschaft das Einkaufserlebnis weniger stark.

4. Städtemarketing

Auch ein gutes Städtemarketing helfe, Kunden in die eigene Innenstadt zu locken. So könnten städtische Aktivitäten mit dem Einzelhandel verknüpft werden. Zudem ist das Stadtmarketing generell dafür verantwortlich den Dialog zwischen privaten Akteuren (hier der Einzelhandel) und öffentlichen Akteuren aufrecht zu erhalten.

5. Erreichbarkeit

Ebenso ist eine gute Erreichbarkeit ein ausschlaggebender Grund für Kunden, eine Innenstadt zu besuchen. Die Innenstadt sollte gut mit öffentliche Verkehrsmittel erreichbar sein und ausreichend Parkplätze bereithalten.

6. Gestaltung des öffentlichen Raums

Die Gestaltung des öffentlichen Raums an sich solle nicht vernachlässigt werden. In einer schönen Innenstadt halten sich die Leute lieber auf. Der Versuch architektonisch interessante Gebäude in die Innenstadt zu bekommen, genügend Verweilmöglichkeiten einzurichten und städtisches Grün vorzuhalten sind die wichtigsten Tipps der Studie.

 

Best Practice-Beispiel Vilsbiburg

Die Studie nennt auch ein vorbildliches Beispiel: Das 11.000-Einwohnerstädtchen Vilsbiburg. In der bayerischen Kommune hält der Einzelhandel konstant ein qualifiziertes Angebot vor. Einige Maßnahmen des Förder- und Werbevereins Vilsbiburg haben dazu beigetragen. So gibt er eine Kundenkarte aus. Die Bonus-Chipkarte erinnert in ihrer Professionalität an die Payback-Karte. Sie wird in 30 Läden akzeptiert. Und den Punktestand kann der Karteninhaber jederzeit einfach online einsehen. Zudem gibt es Gutscheine, die in 20 Läden angenommen werden. Der Clou: Man kann die Gutscheine nicht nur im Laden und Online, sondern auch an einem Automaten ziehen, der jederzeit benutzbar ist. So können Kurzentschlossene jederzeit ein Last-Minute-Geschenk aus den Gutscheinen machen. Das Konzept scheint zu funktionieren. Denn jährlich werden mehr als 8.000 der Gutscheine verkauft. Das sind 1,5 Gutscheine pro Vilsbiburger Haushalt.

Darüber hinaus hält die Kommune auf dem zentralen Stadtplatz freies WLAN bereit. Und über Webcams in der Innenstadt können Bürger bequem von zu Hause überprüfen wie das aktuelle Wetter aussieht, wie es um die Parkplatzsituation steht und ob noch ein Plätzchen auf der Terrasse des Lieblingscafés frei ist.