Paderborns Oberbürgermeister Michael Dreier


16. Mai 2018

Interview

Fahrverbot? Kommt nicht in Frage!

Die Deutsche Umwelthilfe will 28 Städte gerichtlich dazu zwingen, die EU-Grenzwerte für saubere Luft einzuhalten. Eine der betroffenen Städte ist Paderborn. Im KOMMUNAL-Interview erklärt Bürgermeister Michael Dreier, wie er Paderborns Luft sauberer machen will und warum Fahrverbote für ihn nicht in Frage kommen.

 

KOMMUNAL: Lieber Herr Dreier, in mehreren Städten werden Diesel-Fahrverbote diskutiert, weil sie die Stickoxidbelastung in den Städten reduzieren sollen. Käme ein Fahrverbot auch für Paderborn in Frage? 

 

Dreier: Fahrverbote sind für uns die allerletzte Option. Wir setzen bei der derzeitigen Fortschreibung des Luftreinhalteplanes, für den die Bezirksregierung Detmold zuständig ist, auf ein Bündes von Maßnahmen, mit denen ein Dieselfahrverbot möglichst verhindert werden soll. 

 

Aber andere Städte diskutieren die Fahrverbote ja auch. Warum kommt das für Sie erst als allerletztes Mittel in Frage? 

Das Auto spielt nach wie vor eine große Rolle. Täglich pendeln etwa 47.000 Menschen ein, um in Paderborn zu arbeiten. Viele von ihnen, zu denen im Übrigen auch einige der insgesamt 22.000 Studenten unserer Hochschulen gehören, sind dabei auf das Auto angewiesen. Wir wollen nicht, dass Pendler, Studierende, Besucher und Bürger benachteiligt werden oder Handwerker ihre Kunden in der Innenstadt nicht mehr beliefern können, weil sie Diesel fahren. 

 

Und statt auf Fahrverbote setzen Sie auf…? 

Ein Maßnahme-Paket. Dazu gehören neben der möglichen Einführung einer Umweltzone und der Optimierung der Ampelschaltungen vor allem der Ausbau und die Förderung des ÖPNV sowie alternativer Mobilität, wie Elektro-, Rad- und Fußgängerverkehr. Außerdem bündeln wir kurzfristige Maßnahmen der Digitalisierung des Verkehrs und der Vernetzung des ÖPNV, des Radverkehrs, der Elektrifizierung des Verkehrs sowie der City-Logistik, um die Luftqualität zu verbessern. Unser stadteigener Verkehrsbetrieb Pader-Sprinter hat gemeinsam mit einem Hersteller für Abgastechnologie einen Weg gefunden, Diesel-Busse nachzurüsten, die mit Euro IV/V-Norm unterwegs sind. Fahrzeughersteller hatten das bis vor kurzem noch für ausgeschlossen gehalten. Der Pader-Sprinter wird bis Ende des Jahres 30 Busse auf SCRT-System nachgerüstet haben und dann mit weiteren 13 Neufahrzeugen bei den NOx-Werten die Euro-Norm VI oder besser erreichen. 

Auf der rechten Seite -> lesen Sie, was  eine SCRT-Nachrüstung ist!

 

Was bringt das? 

Davor betrug der Stickoxid-Ausstoß pro Bus 700 Kilogramm. Jetzt, nach der Umrüstung sind es nur noch sieben Kilogramm. Durch den Umstieg auf die SCRT-Systeme werden wir mit den 30 Bussen den Stickoxidausstoß von 21.000 Kilogramm auf 210 Kilogramm verringern können. 

 

Paderborn setzt nicht auf ein Fahrverbot

Das Stadtbussystem in Paderborn: Der Padersprinter!

 

Und wie teuer war die Umrüstung? 

Pro Bus haben wir 20.000 Euro bezahlt. 

 

Andere Städte wie Hamburg setzen in Zukunft aus E-Busse. Wieso geht Paderborn einen anderen Weg? 

Ein E-Bus kostet mit über 700.000 Euro doppelt so viel wie ein Dieselbus. Hinzu kommen aber noch die Kosten für Ersatzbatterien, die Umrüstung von Betriebshöfen und Werkstätten der Ladeinfrastruktur sowie zusätzliches Personal. Außerdem müssten wir die E-Busse erst bestellen, was momentan mit einer langen Wartezeit verbunden ist. Mit der SCRT-Umrüstung aber konnten wir direkt beginnen. Sie war unser erster Schritt in Richtung Luftverbesserung. 

 

Sie sagten gerade: Erster Schritt? Folgen noch weitere? 

Auf jeden Fall. Wir wollen, dass mehr Menschen das eigene Auto stehen lassen und den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Das erreichen wir nur, wenn der ÖPNV attraktiver wird. Also haben wir bei den Bürgern nachgefragt und erfahren, dass sie sich eine Verdichtung der Fahrzeiten wünschen. Und daran arbeiten wir momentan. Zusätzlich setzen wir aber auch auf ein neues Bezahlmodell, bei dem die ÖPNV-Nutzer eine Chipkarte bekommen, die die zurückgelegten Fahrten automatisch zusammenzählt. So sollen die Routen flexibel nach Nutzung bezahlt werden.  

 

Und wie sieht es mit anderen Verkehrskonzepten aus? 

Nächstes Jahr nehmen wir 400.000 Euro in die Hand, um in Car-Sharing und E-Mobilität zu investieren. Damit wollen wir mehr Ladestationen für Fahrräder und Autos bauen. Außerdem wollen wir, das Fahrradfahren attraktiver machen, indem wir die Innenstadt noch besser anbinden. Wir werden der Arbeitsgemeinschaft fahrrad- und fußgängerfreundliche Stadt beitreten. Die dortigen Qualitätsstandards sehen wir als Verpflichtung an. 

 

Wollen Sie nicht auch eine Tiefgarage mit 400 Fahrrad-Stellplätzen bauen? 

Ja, circa 100 Meter vom Rathaus entfernt, wollen wir beim Neubau der Stadtverwaltung in die geplante Tiefgarage 400 Stellplätze für Fahrräder integrieren. Wir wollen damit nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch alle anderen Menschen aus der Umgebung dazu anspornen, aufs Rad umzusteigen. Wir möchten, dass unsere Verwaltungsmitarbeiter zum Vorbild werden.  

Ein weiteres Beispiel, Verkehr zu vermeiden, ist, dass unsere Mitarbeiter Homeoffice machen können. Damit erhoffen wir uns, Co2-Emissionen im eigenen Haus einzusparen und möchten auch andere Unternehmen dazu zu ermutigen, den Mitarbeitern Homeoffice anzubieten. Erstens passt es viel besser in die Lebensplanung der Menschen und zweitens verhindern wir damit, dass jeder morgens mit dem eigenen Auto zur Arbeit fährt. Wir glauben einfach, dass wir die Paderbornerinnen und Paderborn mit entsprechenden Angeboten überzeugen und nicht durch Verbote zu etwas zwingen müssen.  

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dreier!