6. Juni 2018 | Von: Rebecca Piron

Abfallentsorgung

Kommunen ersticken im illegalen Müll

Jedes Jahr werden die Müllberge höher - illegal abgeladener Müll ist für Städte und Gemeinden ein unnötig hoher Kostenfaktor. Deshalb versuchen viele Städte mit Information, Anreizen oder auch Sanktionen gegen die Müllsünder vorzugehen.

 

Straßenränder, Büsche, Parks und Gräben – illegal abgeladener Müll verschmutzt überall im Land die Freiflächen in den Kommunen. Ob Sperrmüll, Haus- oder Gartenabfälle, ob mit Auto oder Transporter absichtlich in den öffentlichen Raum geschafft oder nach der Grillparty im Park einfach liegen gelassen. Müll im öffentlichen Raum ist ein teures Problem für fast jede Kommune. In Berlin fielen im letzten Jahr 32.072 Kubikmeter illegaler Müll an. In Leipzig kommen auf jeden Einwohner drei Kilogramm illegalen Abfalls. Die Stadt Köln hat im letzten Jahr 7,6 Millionen Euro für die Entsorgung von illegal abgeladenem Müll ausgegeben. Und in jedem Jahr steigen Müllberge und Entsorgungskosten. Während in Köln noch 2014 6.600 Meldungen von illegalem Müll bei der Stadt eingingen, waren es 2017 bereits 10.860 Meldungen.

 

Waste Watcher suchen Müllsünder

 

Deshalb versuchen einige Städte aktiv gegen die Müllsünder vorzugehen. In Lüdenscheid beispielsweise gibt es sogenannte „Waste Watcher“, also eine Art Müllfahnder. Sie laufen täglich durch die Stadt, gucken besonders nach nicht angemeldetem Sperrmüll und Hundehaufen und versuchen die Verursacher zu finden. Wenn sie Müllsünder entdecken, können sie sofort Verwarn- oder auch Bußgelder kassieren. In Hagen und Berlin sollen ebenfalls bald Waste Watcher eingesetzt werden. Während das Projekt in Hagen noch vom Stadtrat beschlossen werden muss, hängt in Berlin alles an der Umsetzung in den Bezirken.

 

Müll melden mit der Dreck-weg-App

 

In einigen Städten hat auch die „Dreck-weg-App“ Erfolge gebracht. Unter anderem wird sie in Dresden, Köln und Dortmund verwendet. Hier können Bürger mit Fotos und GPS-Tags auf illegal abgeladenen Müll, aber auch auf überfüllte öffentliche Müllbehälter aufmerksam machen. Die Stadt bemüht sich dann den Müll so bald wie möglich zu entsorgen. Das kann von den Bürgern in der App nachverfolgt werden. In Dresden wurden über die App schon im ersten Jahr 1.481 Fälle gemeldet. In Leipzig hat man sich kürzlich wegen der Kosten gegen die App entschieden. Das zusätzliche Personal und die nötigen Fahrzeugeinsätze seien zu teuer.

 

Mehr Information = weniger illegaler Müll?

 

Auch der nordrhein-westfälische Städte- und Gemeindebund hat sich zum Thema zu Wort gemeldet. Er sieht besonders zwei Punkte, die Städte und Gemeinden angehen sollten, um illegale Müllentsorgung zu verringern. Zum einen müssten die Müllbehälter im öffentlichen Raum größer und flächendeckender sein als es derzeit in vielen Kommunen der Fall ist. Zum anderen müsse besser kommuniziert werden wie und wo welche Art Müll entsorgt werden soll. Viele Bürger wüssten nicht wie man alte Möbel, Autoreifen oder auch Elektrogeräte entsorgt. In Duisburg hatte man deshalb im letzten Jahr eine große Informationskampagne gestartet. Um den Erfolg der Kampagne zu messen, ist es derzeit allerdings noch zu früh.

Einen anderen Ansatz verfolgte vor kurzem die Polizei der südholländischen Stadt Nieuwpoort. Einige Jugendliche hatten nachts draußen gefeiert und ihren Müll liegen gelassen. Um ihnen einen Denkzettel zu verpassen, brachten die Polizeibeamten den Müll am nächsten Tag bei ihnen zu Hause vorbei.