Einige Städte machen gute Erfahrungen mit Inkasso-Unternehmen


6. Februar 2018

Diskussion um Dienstleister

Inkasso-Firmen treiben Schulden für Städte ein

In Nordrhein-Westfalen beauftragen manche Städte Inkasso-Unternehmen damit, die Schulden der Bürger wieder reinzuholen. Doch macht das wirklich Sinn? Und welche Erfahrungen machen andere Städte mit dem Konzept?

 

Gewerbe- Grund und Hundesteuer oder Knöllchen – immer wieder verweigern Bürger die Zahlung an Kommunen. Diese müssen ihrem Geld teilweise hinterherlaufen. Nicht selten versuchen es die Städte dann mit Mahnungen, Vollstreckungen oder Pfändungen. Ob das was hilft? Nicht immer.

In Fällen der Zahlungsverweigerung treiben Inkasso-Unternehmen in NRW nun immer häufiger das Geld ein. Zwar dürfen die Inkasso-Firmen als „Dritte“ nur unter der Aufsicht und Anweisung der Vollstreckungsbehörde tätig werden und auch nicht wissen, um welche Art von Schulden es sich dabei handelt. Dennoch haben die Dienstleister nicht immer viel Aufwand mit dem Eintreiben der Forderungen, weil bei manchen Leuten das Wort „Inkasso“ bereits Wunder bewirkt.

 

Sollten Inkasso-Firmen einspringen, wenn die Stadt keinen Erfolg hat?

 

Während manche Städte positive Erfahrungen mit Inkasso-Unternehmen machen, lohnt es sich für andere wiederum nicht wirklich.

In der Stadt Zülpich zum Beispiel spülen die Inkasso-Firmen jährlich 50.000 Euro in die Kasse, nachdem hier jahrelang versucht wurde, das Geld selbst einzutreiben. Heute aber kümmert sich eine Firma um die alten, aber nicht verjährten Forderungen.

In Kerpen jedoch versucht ein externer Dienstleister, die Leute über Telefonate und Anschreiben zum Zahlen zu motivieren. Reiner Hilger, Leiter der Stadtkasse erklärt, wieso die Firmen teilweise mehr Erfolg haben: „Bei manchen reicht das Wort Inkasso, um die alte Forderung zu begleichen.“ Auf diesem Weg, so Hilger, entstehe eine win-win Situation. Die Stadt bekomme jeden Monat Geld, ohne extra Personalkosten bezahlen zu müssen und dem Inkasso-Unternehmen winke eine Provision.

Und auch in der Stadt Essen hat die Zusammenarbeit mit einer Firma „erheblich zur Entlastung der Mitarbeiter der Vollstreckung beigetragen.“ Wie viel Geld mit einem Inkasso-Unternehmen hereingeholt wurde? Circa 55.000 Euro in einer Versuchsphase mit drei Firmen im Jahr. Zugegeben, das ist nicht die Welt. Dennoch gilt auch hier: „haben oder nicht haben.“

In Duisburg, Bochum und Oberhausen hingegen weht ein anderer Wind. Hier sind die Verantwortlichen nicht ganz so überzeugt von den Inkasso-Firmen. „Das lohnt sich nicht. Das bisschen Geld, was reinkäme, decke die Kosten nicht ab“, begründet Frank Schnelle, der Leiter des Amtes für Finanzsteuerung in Bochum seine Meinung. Hinzu kommt, dass es sich bei den Schuldnern nicht immer um Menschen handelt, die nicht zahlen wollen, sondern nicht zahlen können. Beispielsweise bei Empfängern von Sozialleistungen oder Geringverdiener, die häufig auch noch weitere Verbindlichkeiten gegenüber anderen Gläubigern haben.

 

Inkasso-Unternehmen widmen sich auch aussichtslosen Fällen

 

Inkasso-Unternehmen beschäftigen eigene Mitarbeiter, die teilweise verschiedene Sprachen sprechen und auch nach Feierabend Kontakt zu den Menschen aufnehmen können, wenn eine Verwaltung nicht mehr arbeitet. Dennoch bezweifeln manche Kommunen, dass sich der Einsatz eines Dienstleister wirklich lohnt.

Während der „Landesverband der Kommunalkassenverwalter“ Städte davor warnt, Inkasso-Dienstleister zu beauftragen, berichtet der Städte- und Gemeindebund NRW von positiven Erfahrungen. Weil viele Kommunen durch seriöse, externe Dienstleister an ihr Geld kommen, das sie sonst abschreiben müssten…