Konzerte bringen Jugendlichen Spaß, kosten aber viel Geld


9. August 2017

Wenn die Kassen leer sind

Kommunen können Freizeitangebote fördern

Raus aus der Stadt – rein ins Freizeitvergnügen auf dem Land. Das Landleben ist in, die Menschen erwarten jedoch auch einiges. Nur häufig können sich ländliche Kommunen attraktive Angebote kaum noch leisten. Das muss nicht sein – KOMMUNAL auf den Spuren des Freizeitbooms und wie Städte und Gemeinden davon profitieren.

 

Konzert, Kino, oder Festival – viele Menschen zieht es in die Großstadt, weil die Freizeitangebote dort unendlich erscheinen. Denn die richtige Freizeitgestaltung kann glücklich und zufrieden machen. Es verwundert daher nicht, dass viele Städte und Gemeinden die Freizeitangebote in ihrer Region fördern wollen. Und dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. 

Zum einen können Kommunen private Investoren für Projekte begeistern. Dafür können sie aktiv auf die Unternehmen zugehen oder sogar Kooperationen anbieten. „Denkbar sind  Public Private Partnership-Projekte, um zusätzliche Freizeitattraktionen für Einheimische und  Touristen zu schaffen.“, erklärt Schönborn von der IHK. 

 

Hartnäckig muss man sein!

 

Bis es bei Hans-Jörg Henle, dem Oberbürgermeister von Leutkirch im Allgäu überhaupt erst zu einer Zusammenarbeit kam, musste sich der Oberbürgermeister jedoch richtig anstrengen: „Als ich erfahren habe, dass Center Parcs eine neue Ferienanlage bauen will und dafür auf der Suche nach einem neuen Grundstück ist, kontaktierte ich das Management – und zwar mehrmals“, berichtet er. Der Oberbürgermeister wollte den Ferienanlager-Betreiber für seine Kommune gewinnen. Doch bis das Unternehmen endlich einen Gutachter vorbei schickte, verging viel Zeit. Doch Henle blieb hartnäckig. Und es klappte. Die Stadt überzeugte das Unternehmen mit einem alten Militärgrundstück, und punktete mit einer schnellen Verfahrensumsetzung. Wie bei Großprojekten üblich, waren es Kritiker, die der gesamten Planung einen Strich durch die Rechnung hätten machen können. Denn mehrere Naturschutzverbände hatten Bedenken, dass der Bau bedrohten Vogelarten schädige. Henles Team reagierte. Und setzte zwei unabhängige Gutachter ein, die die Bedenken überprüften und vom Tisch fegen konnten. „Damit wirklich alles reibungslos lief, musste sich unsere Arbeitsgruppe alle 14, spätestens 21 Tage zusammensetzen. Wir alle hatten eine 80 Stunden Woche – 40 für das Projekt und 40 für alles andere“, erklärt der Oberbürgermeister.  

 

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Die Freizeitangebote dürfen auch die Leutkrichener mitbenutzen

Die Spaßbäder von Center Parcs können die Leuthkirchener vergünstigt mitbenutzen

 

Freizeitangebote können teuer werden

 

In der baden-württembergischen Stadt Schwenningen setzt man neben Erholung auf Erlebnis und hat dafür ein eigenes Projekt ins Leben gerufen: die Lange Schwenninger Kulturnacht. In dieser werden mehrere Bühnen eröffnet, die Musik, Tanz, Theater und Kabarett zeigen.

Und obwohl viele Vereine, Gruppen, Schulen und Musikbands unentgeltlich auf der Bühne spielen, kostet die Kulturnacht viel Geld: Zwei professionelle Bühnen-Acts werden eingekauft, die zur Eröffnung und um Mitternacht mehr Menschen an die Bühnen locken sollen. Zusätzlich wird das Personal im Amt für Kultur, 45 Sicherheitskräfte, das Rote Kreuz, die Feuerwehr und die Polizei, die dafür eigene Funkstrecken aufbauen muss, bezahlt.

Die Ausgaben belaufen sich auf rund 140.000 Euro. Angesichts der erhöhten Terrorgefahr achten viele Städte bei solchen Veranstaltungen auf hohe Sicherheitsvorkehrungen. Doch diese kosten Veranstalter viel Geld. Geld, dass über erhöhte Eintrittspreise wieder eingenommen werden müsste. In Schwenningen sind die Eintrittspreise jedoch moderat: „Der Eintritt kostet 8 bis 10 Euro pro Person. Weitere Unterstützung erhalten wir von den Sponsoren, die die Kulturnacht mitfinanzieren. Damit belaufen sich die Einnahmen auf circa 110.000 Euro. Unterm Strich kostet das Fest Schwenningen also insgesamt 30.000 Euro“, rechnet Andreas Dobmeier, der Kulturamtsleiter vor. Obwohl viele Vereine auf die Einnahmen aus der Schwenninger Kulturnacht angewiesen sind, soll nun jedoch darüber entschieden werden, ob die Kulturnacht nur noch alle zwei Jahre stattfindet. Die Kosten seien zu hoch, heißt es. „Es wäre traurig, die Kulturnacht nur noch alle zwei Jahre zu veranstalten. Denn das Fest vermittelt ein einmaliges Gemeinschaftsgefühl. Es gibt Essen, Musik und Kunst aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Damit spiegelt es eine diverse Gesellschaft wider, die durch einen hohen Migranten-Anteil in Schwenningen entstanden ist“, bedauert Dobmeier. Doch Schwenningen bleibt kein Einzelfall. Vielen Kommunen bleibt nur wenig finanzieller Spielraum, wenn es um Kultur-und Freizeitgestaltung geht.  

Christopher Krull von der Schwarzwald Tourismus GmbH, der bereits mehrere Kommunen zu dem Thema beraten hat, weiß, dass es auch aber nicht nur am Geld liegt.Häufig sind es Gründe, wie die falsche Vermarktung, die Projekte so unrentabel machen. Wenn zum Beispiel Vereine vor Ort Feste veranstalten, sind auch externe Gäste eingeladen. Es kommen jedoch meistens nur die Mitglieder. “Verirrt sich dann doch einmal ein externer Gast dorthin, fühlt er sich natürlich unwohl, weil er das einzige Nicht-Mitglied ist“, weiß er. 

Auf die richtige Kommunikation setzt auch Schönborn: „Heute ist jedem bewusst, dass die Arbeit nicht getan ist, wenn man Plakate aufhängt. Social Media erfreut sich zwar immer größerer Beliebtheit, aber die Potentiale werden noch nicht richtig ausgeschöpft.“ Dafür müsse man in thematisch relevante Facebook-Gruppen gehen und die Mitglieder aktiv auf die Veranstaltung hinweisen. So könnte man die Zielgruppe erreichen, die sich wirklich interessiert und die sogar dazu bereit wäre, für die Veranstaltung anzureisen, weiß Schönborn aus der Erfahrung zu berichten.

Dieser Artikel erscheint auch in der nächsten Ausgabe von KOMMUNAL, die Sie hier bestellen können!