7. März 2018 | Von: Rebecca Piron

Bürgerbeteiligung

„Land mit Zukunft“ fördert Ehrenamtliche

Was wäre der ländliche Raum ohne das Ehrenamt? In unzähligen unbezahlten Stunden setzen sich die Bürger für eine höhere Lebensqualität in ihren Kommunen ein. In sechs hessischen Kommunen wurden vom Programm "Land mit Zukunft" über drei Jahre in ihrer ehrenamtlichen Arbeit unterstützt.

 

Sportvereine, Freiwillige Feuerwehr und Kirchenvereine sorgen mit ihren Ehrenamtlichen schon immer für Freizeitangebote und unterstützen die Kommunen in ihren Aufgaben. Seit der demografische Wandel die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum immer schwieriger macht, sind die Kommunen mehr denn je auf ihre Ehrenamtlichen angewiesen. Dementsprechend viel Wertschätzung sollten sie auch bekommen, meinen die Initiatoren des Programms „Land mit Zukunft“. Über drei Jahre unterstützten sie ehrenamtliche Projekte in sechs hessischen Kommunen.

Dazu ließen sie sich in Gesprächen mit Ehrenamtlichen erst einmal erklären, was ehrenamtliches Engagement animiert und hemmt. Die meisten Ehrenamtlichen geben an, dass das Engagement ihre Lebensqualität erhöht. Bei den meisten ist aber auch die Tradition ein wichtiger Faktor. Häufig sind die Familien schon seit Generationen in einem Verein. Oder aber die Ehrenamtlichen sind als Kinder Teil des Vereins geworden. Besonders im Falle von Sport- und Musikvereinen oder der Freiwilligen Feuerwehr. Es zeigt sich allerdings auch deutlich, dass der größte Teil des ehrenamtlichen Engagements an einigen wenigen hängt. Diese Schlüsselfiguren sind häufig in vielen Vereinen gleichzeitig engagiert. Sie sind entscheidend dafür, ob Probleme in der Kommune von den Bürgern wahrgenommen und angegangen werden.

Notsituationen führen neue Leute ins Ehrenamt

 

Auch auffällig ist, dass Menschen in bestimmten Lebensphasen besonders empfänglich dafür sind ehrenamtliche Arbeiten aufzunehmen. So zum Beispiel, wenn die eigenen Kinder das Haus verlassen oder wenn die Verrentung bevorsteht. Menschen, die in ihrer Familie zuvor nicht mit ehrenamtlicher Arbeit in Berührung gekommen sind, werden häufig durch akute Notsituationen zum Engagement motiviert. So haben sich viele Leute in den sechs hessischen Kommunen während der beginnenden Flüchtlingskrise erstmals ehrenamtlich eingebracht.

Insgesamt geht das ehrenamtliche Engagement in den Kommunen jedoch zurück. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr junge Menschen die Gemeinden nach der Schule verlassen. Zum anderen aber auch an der fehlenden Unterstützung. So werden den Ehrenamtlichen meist nicht einmal entstandene Kosten durch Fahrtstrecken ersetzt. Um wieder mehr Menschen für die Vereine zu interessieren, müssen die Ehrenamtlichen noch mehr Zeit investieren. Die Freiwillige Feuerwehr in Schlitz beispielsweise hat drei Jahre in Folge an der Gesamtschule am Ort Projektwochen durchgeführt. Durch den Einsatz hat die Kommune nun 20 neue Nachwuchsfeuerwehrleute. Immer stärker engagieren sich Vereine nicht nur für Freizeitangebote, sondern auch für die Daseinsvorsorge im Ort. So versuchen sie Versorgungsengpässe zu schließen, Senioren zu pflegen und die Mobilität zu verbessern. Hier benötigen sie Unterstützung von Seiten der Kommunen.

 

Ehrenamtliche Projekte Unterstützt durch „Land mit Zukunft“

 

Im Programm „Land mit Zukunft“ haben die Vereine zunächst einmal Unterstützung von der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ und der Herbert Quandt Stiftung bekommen. Jede Kommune konnte bis zu 60.000 Euro bekommen. Die Projekte der Vereine mussten jedoch jeweils zu 50 Prozent selbst finanziert werden.

In Bad Karlshofen wurden ein Jugendtreff mit Unterstand am See und Volleyballfeld und ein Kulturtreffpunkt realisiert. In Homburg wurde ein Bürgerbus eingeführt und Sontra rief ein Wander-Event ins Leben. In allen Kommunen hat sich durch das Programm ein stärkerer Zusammenhalt zwischen den Vereinen gebildet. In Bad Karlshofen hat sich dieser Zusammenhalt in einem Bürgerverein manifestiert, in Sontra hat man eine Plattform namens „SontrAktiVereint“ geschaffen. In allen Kommunen mussten die Ehrenamtlichen jedoch auch mit der Hilfe des Programms ihre Grenzen erkennen. In Bad Karlshofen hätte man beispielsweise gerne das seit Jahren ungenutzte Schwimmbad saniert. Bei Projekten dieser Größe enden die Möglichkeiten der Ehrenamtlichen. Hier können sie nur in einer Zusammenarbeit mit der Kommune helfen.