Wie kann die Freiwillige Feuerwehr vor Ort auch in ein paar Jahren noch bestehen?


5. Juli 2017

Es wird nicht besser!

Nachwuchsprobleme bei der Feuerwehr

Vielerorts dasselbe Problem: die Freiwiliige Feuerwehr steht kurz vor dem Aus. ABER: Was können Städte und Gemeinden wirklich tun, um mehr Fachkräfte anzuwerben? KOMMUNAL gibt einen Kurzüberblick

 

 

Alarmierende Zahlen: 38 Prozent der Feuerwehren in der Region Unterfranken erreichen die Mindeststärke von 27 aktiven Feuerwehrleuten nicht mehr. Es herrscht ein chronischer Feuerwehrmangel. Und er lässt sich seit Jahren nicht aufhalten. Doch Unterfranken ist mit dem Nachwuchsproblem nicht allein. Auch andere Regionen haben nicht genug Feuerwehrleute. Auch sie leiden unter dem demografischen Wandel. Das Verheerende: Im Durchschnitt (zumindest in Bayern) wird alle zwei Minuten die Feuerwehr gerufen. Doch es sind nur die Städte, die mehr als 100.000 Einwohner haben, die eine Berufsfeuerwehr haben. In den kleineren Ortschaften hingegen muss die Freiwillige Feuerwehr einspringen. Das Problem: der Nachwuchs fehlt. Denn das Ehrenamt wird für die Jugend zunehmend unattraktiver.

In vielen Dörfern muss im Akutfall die Nachbarfeuerwehr anrücken, weil es im Ort selber keine Feuerwehr mehr gibt. Doch die Nachbarn kennen sich im Dorf nicht gut aus, wissen nicht, wo Gefahrenpotentiale lauern und ersetzen die Feuerwehr vor Ort nur bedingt.

 

Doch was kann man gegen die Nachwuchsprobleme bei der Feuerwehr tun?

 

  • Migranten bei der Feuerwehr einsetzen

In einigen Kommunen haben Migranten die Feuerwehrprüfung erfolgreich absolviert. Doch das ist noch nicht überall der Fall. Dabei werden mit dem Einsatz von Migranten bei der Feuerwehr zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die Integration wird einfacher, weil die Migranten eine sinnvolle Aufgabe und viel Verantwortung übernehmen. Und gleichzeitig wird der Fachkräftemangel bei der Feuerwehr abgebaut. Deshalb will der Landeswehrfeuerverband Bayern in den nächsten Monaten verstärkt die neue Zielgruppe anwerben. Einziges Problem: Es kann zu Sprachproblemen kommen…

 

  • Löschzwerge, Bambinis und Minigruppen

Bundesweit gibt es bereits viele Kinderfeuerwehren – dennoch müssen Schulen und Kindergärten das Thema stärker in der Schule aufgreifen. Denn sie können eine Schlüsselrolle dabei spielen, Kinder für die Arbeit als Feuerwehrmann zu begeistern. Außerdem können in Jugendfeuerwehrgruppen vermehrt Jugendwärter eingesetzt werden.

 

  • Frauen für die Feuerwehr anwerben

Die Feuerwehr hat ein Imageproblem. Sie steht bei vielen dafür, Arbeitsplatz für junge, kräftige Männer zu sein. Und genau das schreckt viele Frauen ab. Dabei können gerade sie mit anderen Stärken wie zum Beispiel Fingerspitzengefühl punkten. Doch Frauen fehlen nicht nur bei der Freiwilligen Feuerwehr. Auch dort, wo es eine Berufsfeuerwehr gibt, haben es bislang nur wenige Frauen aus der Laufbahngruppe 1 hinaus geschafft, sind also seltener in gehobeneren Positionen.

Gezielte Frauenförderpläne oder eine Frauenbeauftragte, die eine wichtige Stelle besetzt, könnten dem Trend Gegenwind bieten. Erst vor ein paar Tagen erklärte Ralf Dressel, der Kreisbrandrat aus dem Landkreis Haßberge in infranken.de, dass er gezielt Frauen fördern will: „Für die vakante und äußerst wichtige Stelle hoffe ich in den nächsten Monaten eine geeignete Frau präsentieren zu können.“

 

  • Auch ältere Menschen  einsetzen

Ein Gesetz gegen das Nachwuchsproblem bei der Feuerwehr: KOMMUNAL berichtete erst vor kurzem, vom neuen bayerischen Feuerwehrgesetz, das es ermöglicht, dass Freiwillige Feuerwehrleute nun auch zwei Jahre länger arbeiten dürfen, nämlich bis sie 65 Jahre alt sind.

 

  • Direkte Ansprache gegen Fachkräftemangel bei der Feuerwehr

Bürgern, Politikern, Feuerwehrleuten bleibt in Zukunft nichts anderes übrig, als Interessierte direkt anzusprechen. Knackig formulierte Werbungen können zwar aufrütteln, aber bei der Feuerwehr ist die Teamarbeit das, was vielen neben der hohen Verantwortung auch Spaß macht. Und wo könnte man Teamarbeit besser vermarkten, als im direkten Dialog?