Tickets ziehen nimmt nicht nur Zeit in Anspruch, sondern ist für manche auch schlichtweg zu teuer


12. Juli 2017

Klimaschutz

ÖPNV – kommt jetzt das Bürgerticket in Potsdam?

In Potsdam, Tübingen, Erfurt und Leipzig wird über das Bürgerticket diskutiert. Demnach soll jeder Bürger zwischen 15 bis 30 Euro für Bus und Bahn zahlen und kann dann ohne weitere Kosten damit fahren. Doch was bringt das Ticket für alle?

 

80-100 Euro zahlen Erwachsene für das Monatsticket für den ÖPNV in vielen Städten. Da ein Auto meist nicht viel mehr kostet, steigen manche morgens lieber in den eigenen Wagen, um zur Arbeit zu kommen – ohne sich mit anderen Menschen in die Bahn zu quetschen, oder sich über Verspätungen zu ärgern. Klimaschonend ist das eigene Auto jedoch nicht.

Doch welche Anreize können Menschen dazu bewegen, das Auto stehen zu lassen und stattdessen mit Bus oder Bahn zur Arbeit zu fahren?

 

Das Bürgerticket in anderen Städten

 

Neben Tübingen, Erfurt und Leipzig hat auch Potsdam eine Idee, um den ÖPNV zu revolutionieren: Jeder Bürger soll einen Monatsbeitrag von 15 bis 30 Euro für Bus und Bahn zahlen, sodass alle den Nahverkehr nutzen können, ohne sich vorher ein Ticket kaufen zu müssen.

Die Idee dahinter: Bus und Bahn sollen mit dem Bürgerticket wieder attraktiv werden. Selbst Autofahrer sollen durch die verringerten Kosten einen Anreiz bekommen, auf Bus und Bahn umzusteigen. Das Bürgerticket ist dabei nur ein Verbesserungsvorschlag von rund 150 anderen im sogenannten „Masterplan“ für mehr Klimaschutz in Potsdam.

Denn die Stadt will bis 2050 seine Treibhausgasemissionen um 95 Prozent senken.

Da Potsdams Nahverkehr jedoch sehr eng mit dem von Berlin und der Umgebung verzahnt ist, könnte das Bürgerticket wahrscheinlich nur gemeinsam mit der Hauptstadt umgesetzt werden.

Die Idee, das Bürgerticket umzusetzen ist und bleibt bislang aber nur eine Idee, die – wie fast immer – auf viele Befürwörter und Gegner trifft:

Auf der einen Seite könnte wirklich ein Anreiz für Autofahrer geschaffen werden, auf Bahn und Bus umzusteigen. Zusätzlich würden Geringverdiener dadurch weiter entlastet werden, sodass sie mehr Geld für andere Dinge ausgeben könnten und damit die Wirtschaft weiter fördern.

Dafür könnten aber in den sogenannten Rush Hours die Bahnen und Busse so voll werden, dass es zu Engpässen bei den Fahrzeugen kommen würde, sodass Investitionen in Infrastruktur und Personal dringend notwendig wären. Gegner bemängeln zudem, dass durch das „günstige“ Ticket Investitionen ausbleiben müssen oder so der ÖPNV auf Verschleiss gefahren und langfristig noch unattraktiver wird.

Weil alle Bürger für das Bürgerticket zahlen sollen, bleiben auch Autofahrer nicht davor verschont, in die Tasche zu greifen – und das obwohl sie den ÖPNV gar nicht benutzen. Befürwörter allerdings halten dem entgegen, dass auch sie davon profitieren würden, wenn der Verkehr flüssiger läuft, weil weniger Autos auf den Straßen fahren…