Der sationäre Einzelhandel muss gestärkt werden, damit die Nahversorgung gewährleistet bleibt. ©goodluz/123rf


16. Juni 2017 | Von: Rebecca Piron

Wirtschaft

Perspektiven für den Einzelhandel

Der Einzelhandel ist im Strukturwandel begriffen. Die Entwicklungen sind auch für die Kommunen entscheidend, denn es handelt sich um die Nahversorgung ihrer Bürger. Die Dialogplattform des Wirtschaftsministeriums, an der sich auch der DStGB beratend beteiligt hat, stellt nun systematische Lösungsansätze für die Probleme des stationären Einzelhandels vor.

Nach zweieinhalb Jahren und 16 Workshops ist es soweit: Die Dialogplattform des Wirtschaftsministeriums hat mit „Neue Perspektiven für den Einzelhandel“ Handlungsempfehlungen für den stationären Einzelhandel herausgegeben. Die Handlungsanweisungen betreffen Hersteller, Händler, Kommunen und die Gesetzgebung. „Der Abwärtsspirale der Zentrenentwicklung muss aktiv entgegengewirkt werden“, sagt auch DStGB-Präsident Roland Schäfer. „Kommunen und Handel müssen zusammenarbeiten, um die Zentren langfristig vital zu erhalten.“

Die Handlungsempfehlungen des Forums sind in fünf Kategorien unterteilt:

I. Einzelhandel und Digitalisierung

„Vor allem die digitalen Strategien des stationären Handels müssen ausgebaut werden“, sagt Schäfer. „So können beispielsweise lokale Online-Marktplätze des Handels helfen, dem Bedeutungsverlust von Innenstädten und Ortszentren wirksam entgegenzutreten.“ Damit das möglich ist, fordert das Forum zunächst einen schnellen flächendeckenden Breitbandausbau. Zudem müssen die Einzelhändler sowohl für interne als auch für kundenbezogene Prozesse Digitalisierungsstrategien erarbeiten. Das gilt für Warenwirtschaftssysteme genau wie für Online-Bestellservices. Das erhöhe sowohl die Kundenzufriedenheit als auch die Kundenbindung. Zudem könnten durch das digitale Sammeln von Kundendaten der Service verbessert werden.

II. Attraktivität der Städte steigern

Nur wenn die Innenstadt als solche interessant für die Kunden ist, werden sie sich dazu entscheiden in die Ladenlokale zu gehen, statt online einzukaufen. Auch dazu seien Online-Möglichkeiten zu nutzen. Denn wer seine Stadt online präsent hält und die Möglichkeit digitaler Vorabinformation bietet, bleibt bei den Kunden auch eine Alternative zum Online-Einkauf. Auch digitale Bestell- und Abholangebote gehören zu diesem Online-Service. So kann der stationäre Handel einen Teil des steigenden Online-Umsatzes auf sich umlenken. Das Forum rät überdies zu einem „digitalen Kümmerer“, der dafür sorgt, dass die Online-Maßnahmen aller Akteure zum Nutzen aller Beteiligten ineinandergreifen. Auch das Stadtmarketing und Quartiersmanagement sollte gestärkt werden. Gute Verkehrsanbindungen, Barrierefreiheit, Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit sind essentiell. Außerdem müsse drohender Leerstand frühzeitig erkannt und mit Umstrukturierungs- und Verdichtungsprozessen ausgeglichen werden. Auch solle die Stadt für die Infrastruktur sorgen, die Händlern ermöglicht ihren Kunden WLAN zu bieten.

III. Nahversorgung im ländlichen Raum

Landflucht, demografischer Wandel und erhöhte Mobilität sorgen für den Rückzug des Einzelhandels aus dem ländlichen Raum. Um für den Einzelhandel attraktiv zu bleiben, ist es wichtig, dass ländliche Kommunen ihre regionale Identität stärken. So kann man zum Beispiel die Bürger stärker in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Das Forum plädiert dafür, dass die Zielvorhaben der Länder für kommunale Bauleitplanung flexibilisiert wird, damit die Gemeinden mehr Entwicklungsspielräume haben. Darüber hinaus sollten Sanktionen eingeführt werden, wenn Bau- und Planungsrecht nicht eingehalten werden. Nebeneinanderliegende kleine Kommunen sollten kooperieren und gemeinsame Versorgungsknotenpunkte bilden.

IV. Beschäftigte gewinnen und weiterbilden

Beschäftigte sollten besonders über digitale Kanäle gesucht werden. Gewinnen kann der Einzelhandel sie durch flexible Arbeitszeitmodelle. Dafür müssten aber auch die Gesetze an neue Formen von Arbeitszeit- und Arbeitsplatzgestaltung angepasst werden. Im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung sei die Weiterbildung der Beschäftigten unerlässlich.

V. Fairer Wettbewerb

Damit der Wettbewerb zwischen Online- und Offline-Handel fair bleibt, appeliert das Forum an die Hersteller objektive Distributionskriterien für ihre Produkte zu definieren. Außerdem sollten Händler gegenüber Herstellern ihre Leistung für den Vertrieb hervorheben.

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92 Prozent

der Kommunen mit weniger als 5000 Einwohnern wünschen sich mehr interkommunale Zusammenarbeit (Forsa-Umfrage für KOMMUNAL)

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