Aktion: Saubere Schultoilette - in den wenigsten Schulen gelingt es..


23. Februar 2018 | Von: Christian Erhardt-Maciejewski

Diskussion

Schultoilette: Eine Idee macht Schule

Unser Beitrag vor knapp zwei Wochen unter der Überschrift "Schultoiletten: So werden Sie sauber" hat bei Ihnen enorme Reaktionen ausgelöst. Das Modell "Bezahlen für den Stuhlgang auch in Schulen" scheint im wahrsten Sinne des Wortes Schule zu machen.

 

KOMMUNAL hat am 12. Februar unter anderem über eine besondere Aktion an einer Gesamtschule im hessischen Kirchhain berichtet. Dort sitzt eine Schul-Klofrau, putzt die Toiletten, füllt die Seifenspender auf und legt Papierhandtücher ein. Der Service kostet die Schüler 10 Cent pro Toilettengang. Die Klofrau bekommt zusätzlich vom Landkreis ein Gehalt von 900,-Euro für ihren Teilzeitjob (24 Stunden/Woche). Viele Eltern sind begeistert von der Aktion, haben ihre Kinder doch endlich wieder eine saubere Toilette in der Schule. Es gab jedoch auch viel Kritik, die Schulleiter Matthias Bosse im KOMMUNAL Interview jedoch nicht nachvollziehen kann: „„Erstens tun 10 Cent niemandem weh. Und zweitens bieten wir den Schülern auch weiterhin kostenlose, unbetreute Toiletten an, auf die sie gehen können.“

 

Nach KOMMUNAL-Bericht über Schultoiletten: Weitere Schulen werden folgen

 

Der zuständige Landkreis jedenfalls ist wenige Wochen nach Einführung und nach der Berichterstattung begeistert und will nun das Bezahlsystem an drei weiteren Schulen im Landkreis einführen. Über unsere sozialen Medien haben sich auf den Bericht ebenfalls zahlreiche Leser gemeldet und von ihren Erfahrungen berichtet. Das Ergebnis ist erschreckend: Es reicht bis hin zu Grundschulen, in denen für den Toilettengang das Klopapier Blatt für Blatt abgezählt wird – ausgehändigt im Klassenzimmer, wenn eines der Kinder mal „muss“. In anderen Schulen gilt: Wer zur Toilette will, muss sich zunächst im Sekretariat anmelden und einen Schlüssel abholen.

Anderswo berichten Schüler und Eltern, dass ihre Schultoilette im wahrsten Sinne des Wortes ein „sehr stilles Örtchen“ ist – die Kinder verdrücken sich nämlich lieber den Gang zur Toilette, als den Gestank und Dreck in den Schultoiletten zu ertragen. Laut einer Umfrage meidet jedes zweite Schulkind in Deutschland den Gang zur Schultoilette, gut 12 Prozent gehen demnach grundsätzlich und unter keinen Umständen auf die Schultoilette.

 

 

Dieses Bild einer Schultoilette ist leider kein Einzelfall! ©Thanagon

Dieses Bild einer Schultoilette ist leider kein Einzelfall! ©Thanagon

An der Situation sind nicht nur Schulen und Kommunen Schuld

 

Zahlreiche Nutzer bestätigten aber auch unseren Bericht, dass es häufig die Kinder selbst sind, die für die dreckigen Schultoiletten verantwortlich sind. Genau aus diesem Grunde greifen ja zahlreiche Schulen nach Mitteln wie „Schlüssel im Sekretariat abholen“, damit nachvollziebar wird, wer wann die Toilette benutzt hat. Schulen tun daher gut daran, die Schüler mit einzubeziehen – etwa bei der Gestaltung der Toilette, mit Aufklärung und vielen kleinen Aktionen. In Köln etwa gibt es eine offizielle Reinigungsberaterin. Sie ist in Schulklassen unterwegs und bringt Kindern bei, wie man auf die Toilette geht. In der nächsten Ausgabe der KOMMUNAL (erscheint am 22. März 2018) begleiten wir die Dame bei Ihrer Arbeit und zeigen, was sie den Kindern konkret beibringt. (HIER GEHTS ZUM KOSTENFREIEN PROBEABO): 

In der kommenden Ausgabe berichten wir zudem über technische Gründe, warum etwa Fugen häufig dafür sorgen, dass die Schultoiletten übler riechen, als manche Bio-Tonne.

 

Frankfurter Eltern haben eine Petition zu Schultoiletten gestartet

 

Im Internet geht gerade ein Video, produziert von einer Frankfurter Eltern-Initiative steil. Es zeigt Schüler, die mit Atemmaske zur Toilette gehen.

 

 

Der Spot ist Teil einer Unterschriftenkampagne des Stadtelternbeirats. Mit großem Erfolg. 4000 Unterschriften wollten die Initiatoren der Petition ursprünglich sammeln – nach eigenen Angaben sind es inzwischen fast 6000. Die Forderung in der Petition: Ausreichend viele, saubere und sanierte Toiletten in den Schulen der Stadt. Die Stadtverwaltung hat bereits reagiert, will laut einem Zeitungsbericht eine Taskforce gründen. Die Runde aus Stadtelternbeirat, Schulamt und Verwaltung soll noch vor Ostern ihre Arbeit aufnehmen und zunächst die Ist-Situation analysieren. In Frankfurt gibt es mehr als 160 Schulen.