13. April 2018 | Von: Prof. Manfred Güllner

Forsa Aktuell

Sicherheitsgefühl: So können Kommunen es steigern

Sicherheit ist und bleibt eines der wichtigsten Themen der Deutschen. Dabei ist es vor allem die gefühlte Sicherheit vor Ort, die den Menschen ein gutes Gefühl gibt. Kommunen können einiges tun, um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken, so Forsa-Chef Manfred Güllner.

 

Der Begriff „Sicherheit“ beinhaltet an sich eine ganze Reihe inhaltlicher Komponenten: Von der inneren Sicherheit und dem Schutz vor Kriminalität im Alltag über die äußere Sicherheit und die Sicherung des Friedens bis zur ökonomischen und sozialen Sicherheit. Doch wie eine aktuelle forsa-Studie im Auftrag der Stiftung „Lebendige Stadt“ gezeigt hat, verbinden die meisten Bürger mit dem Begriff „Sicherheit“ überwiegend die verschiedensten Aspekte der inneren Sicherheit – so den Schutz vor körperlicher Gewalt, die Sicherheit in den eigenen vier Wänden, die Sichtbarkeit der Ordnungshüter oder das Gefühl, sich ohne Angst vor drohenden Gefahren frei bewegen zu können.

 

Sicherheitsgefühl hängt an der inneren Sicherheit

 

Wenn – worüber in der letzten Ausgabe von KOMMUNAL ausführlich berichtet wurde – die Bürger danach gefragt werden, wie zufrieden sie mit der „Sicherheit“ in ihrer Stadt beziehungsweise Gemeinde sind, denken sie also genau an diese Aspekte der inneren Sicherheit. Wie berichtet ist zwar eine Mehrheit der Bundesbürger mit der Sicherheit in ihrem Wohnort weitgehend zufrieden, doch eine beachtliche Minderheit von knapp einem Drittel ist nicht zufrieden. Dabei zeigen sich bei dieser Einschätzung zum Sicherheitsgefühl deutliche regionale Unterschiede sowie Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen der Bevölkerung. So sind in den neuen Ländern, aber auch im größten Flächenland der Republik – Nordrhein-Westfalen – dreimal so viele Bürger mit der Sicherheit vor Ort nicht zufrieden wie im Freistaat Bayern. Die älteren, über 60 Jahre alten Bürger sind deutlich weniger zufrieden als die jüngeren Bürger. Unter den Erwerbstätigen sind vor allem die Arbeiter weniger zufrieden als die anderen Berufsgruppen. Und zwischen den Anhängern der einzelnen Parteien zeigen sich zum Teil extreme Unterschiede: So ist nur eine kleine Minderheit von 7 Prozent der CSU-Anhänger mit der Sicherheit vor Ort nicht zufrieden, jedoch über die Hälfte der AfD-Anhänger.

 

Das Sicherheitsgefühl vieler Menschen sinkt - auch Kommunen können helfen, dass sich das wieder ändert

Das Sicherheitsgefühl vieler Menschen sinkt – auch Kommunen können helfen, dass sich das wieder ändert

Auch viele derjenigen, die mit der Sicherheit vor Ort an sich zufrieden sind, haben das Gefühl, dass die Sicherheit in ihrer Stadt oder Gemeinde in den letzten Jahren nicht mehr in dem Maße gewährleistet ist wie noch einige Jahre zuvor. Dieses Gefühl ist in überdurchschnittlichem Maße in Nordrhein-Westfalen sowie in den Städten mit 100.000 bis 500.000 Einwohnern verbreitet. Eine beachtliche Zahl der Bürger – fast jeder Zweite –  meint entsprechend auch, dass in der eigenen Gemeinde oder Stadt nicht genug getan wird, damit sich die Menschen sicher fühlen können. Das meinen wiederum deutlich mehr Bürger im Osten des Landes sowie an Rhein und Ruhr als in Bayern. Und in den urbanen Metropolen fanden dies 60 Prozent der dort Wohnenden, während das im ländlichen Raum nur jeder Vierte für notwendig erachten. Erwartet wurde von denen, die mehr Aktivitäten zur Förderung der Sicherheit in ihrer Gemeinde für notwendig erachten, vor allem eine Erhöhung der Präsenz der Polizei. Die von Vertretern am rechten Rand des Parteienspektrums geschürte Angst vor einer Gefährdung der inneren Sicherheit durch zu viele Zuwanderer („Umvolkung“) wird hingegen nur von einer Minderheit der „normalen“ Bürger geteilt.

 

Brauchen wir mehr Polizisten für mehr Sicherheitsgefühl ?

 

Der Wunsch nach mehr Polizeibeamten beziehungsweise einer höheren Präsenz der Polizei rührt auch daher, dass über zwei Drittel aller Bundesbürger den Eindruck haben, in ihrer Stadt gäbe es zu wenig Polizisten. Selbst in Bayern glaubt dies die Hälfte der Bürger – im Osten des Landes sowie in Nordrhein-Westfalen glauben dies aber drei Viertel. Die von manchen diskutierte Idee der Einführung einer zusätzlichen „Stadtpolizei“ wird vor diesem Hintergrund von mehr als der Hälfte aller Bundesbürger für durchaus sinnvoll erachtet. Zur Erhöhung der Sicherheit vor Ort können aber nach Meinung der Bürger auch andere, in der Politik meist kontrovers diskutierte Maßnahmen beitragen. Dazu zählt die Überwachung öffentlicher Räume durch Videokameras, die fast 90 Prozent aller Bundesbürger für richtig halten. Eine aktuelle forsa-Studie in Berlin bestätigt, dass auch in der deutschen Hauptstadt trotz der Bedenken von Teilen des rot-rot-grünen Senats und der Widerstände der Datenschützer die große Mehrheit der Berliner die Videoüberwachung für richtig hält. Selbst von den Anhängern der Grünen in Berlin befürworten das mehr als zwei Drittel.

 

Sicherheitsgefühl durch mehr Videoüberwachung?

 

Allerdings wird das Sicherheitsgefühl der Bürger nach Meinung der Berliner eher durch mehr Polizeipräsenz als durch mehr Videoüberwachung gestärkt: Durch mehr Polizeipräsenz erwarten 62 Prozent, durch mehr Videoüberwachung 41 Prozent der Berliner, dass man sich sicherer fühlt. Die innerhalb des Berliner Senats ebenfalls sehr kontrovers diskutierte Frage, ob die derzeit an einem Bahnhof ausprobierte automatische Gesichtserkennung auch an weiteren Orten und Plätzen zum Einsatz kommen soll, um das Sicherheitsgefühl zu stärken, befürwortet ebenfalls eine Mehrheit der Berliner.

 

 

 

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39 Kilometer

legt der Durchschnittsdeutsche am Tag zurück. Davon 2/3 mit Auto oder Motorrad. Bus und Bahn machen weniger als 3 Prozent der Strecken aus. (Quelle: stat. Bundesamt)