Die Tafeln gibt es seit 25 Jahren - ursprünglich mit dem Ziel, Lebensmittel vor dem Müll zu retten!


13. April 2018 | Von: Benjamin Lassiwe

Reportage

Tafeln in Deutschland – gerechte Umverteilung?

Vor 25 Jahren wurde in Deutschland die erste Tafel nach amerikanischem Vorbild gegründet. Ursprünglich, um genießbare Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden, zu retten. Spätestens nach der Diskussion um die Ruhrgebietsstadt Essen, wo nur noch Bedürftige mit deutschem Pass in den Genuss von Weggeworfenem kommen sollen, steht die Logik der Tafeln jedoch in der Kritik.

 

Wenn in Frankenberg in Nordhessen die Türen der Tafel öffnen, ist der Warteraum schnell voll. Alleinstehende Rentner, Mütter aus Hartz-IV-Familien und Asylbewerber warten, bis ihr Name aufgerufen wird, und sie sich an den gespendeten Lebensmitteln bedienen können. Mehr als 750 Menschen kommen alle 14 Tage zu einer festgelegten Zeit zur Ausgabestelle, um einen Beutel mit Lebensmitteln abzuholen. So geschieht es auch an vielen anderen Orten in Deutschland: Seit 1993 die Berlinerin Sabine Werth zusammen mit der „Initiativgruppe Berliner Frauen e.V.“ die erste Tafel gründete, ist diese Bewegung in der Bundesrepublik enorm gewachsen: Heute gibt es deutschlandweit 937 Tafeln, bei denen sich mehr als 60.000 Menschen ehrenamtlich engagieren. 1,5 Millionen Nutzer werden dort mit Lebensmitteln versorgt. 

 

Jochen Brühl, Vorsitzender des Dachverbandes Tafeln Deutschland e.V.

Jochen Brühl, Vorsitzender des Dachverbandes Tafeln Deutschland e.V.

Tafeln sind Begegnungsorte

 

 

„Mittlerweile kommen die Tafeln an ihre Belastungsgrenzen“, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender des Dachverbandes Tafel Deutschland e.V. „Viele Menschen planen den Besuch bei der Tafel in ihr monatliches Budget ein – sie kommen sonst nicht über die Runden.“ Doch Tafeln seien heute nicht nur Orte, an denen Menschen preiswert an Lebensmittel kommen könnten. „Tafeln sind Begegnungsorte“, sagt Brühl. Hier treffe der Überfluss auf den Mangel – denn bei den Tafeln landeten bekanntlich nur die Lebensmittel, die der örtliche Supermarkt oder der heimische Bäcker nicht verkaufen können. Den Zukauf von Waren hat sich die Tafelbewegung in ihren insgesamt acht Tafelgrundsätzen selbst weitgehend verboten. Doch bei den Tafeln treffen sich auch Menschen, die sich sonst nicht treffen: Die in der Kirchgemeinde engagierte Studienrätin, die der von der Grundsicherung lebenden Rentnerin den Lebensmittelbeutel packt. Oder der Flüchtling, der ehrenamtlich bei der Tafel mithilft, und der deutschen Hartz-IV-Empfängerin die Waren übergibt. „Mittlerweile hat fast jede Stadt in Deutschland eine Tafel“, sagt Brühl.

 

++++ Lesen Sie auch: Brauchen Kommunen die Tafeln? Ein Kommentar unserer Redakteurin Rebecca Piron zum Thema ++++

 

Wohlfahrtsverbände waren bei Gründung der Tafeln sehr skeptisch

 

„Jede Tafel ist ein Seismograph für die soziale Situation in der Gemeinde“, sagt Jochen Brühl, Vorsitzender des Dachverbandes Tafel Deutschland e.V.. „Der Andrang bei der Tafel zeigt, wie es den Menschen im Ort wirklich geht.“ Deswegen sei der Bundesverband der Tafeln auch strikt dagegen, wenn Bürgermeister etwa den Wunsch äußerten, eine Tafel möge doch aus der Ortsmitte verschwinden, und eine Halle im Industriegebiet beziehen.

 

Warum die Verbände die Tafeln lange kritisch sahen, welche Wünsche die Initiatoren an die Kommunen haben, was die über 60.000 Ehrenamtlichen sagen, die sich für die Tafeln engagieren – die KOMMUNAL-Reportage „Tafeln in Deutschland“ finden Sie exklusiv in der aktuellen Printausgabe  der KOMMUNAL –

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