Armin Laschet übergibt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis an Thorsten Krüger. ©Ralf Rühmeier/Deutscher Nachhaltigkeitspreis


11. Dezember 2017 | Von: Rebecca Piron

Umwelt

Thorsten Krüger über Nachhaltigkeit in der Kommune

Die Gemeinde Geestland gilt seit Jahren als Vorreiter auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Nun wurde sie für ihre Bemühungen belohnt - am Wochenende erhielt die Kommune den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Bürgermeister Thorsten Krüger erzählt im KOMMUNAL-Interview wie es zu der nachhaltigen Arbeit im Rathaus kam und was Kommunen tun können, um nachhaltiger zu handeln.

 

KOMMUNAL: Wie kommt es, dass Ihre Kommune beim Thema Nachhaltigkeit so weit ist?

Thorsten Krüger: Wir sind seit 2008 an dem Thema Nachhaltigkeit dran. Da hat noch keiner in Europa oder Deutschland über Nachhaltigkeit in den Kommunen gesprochen. Aber deshalb ist das in unserer Kommune auch ein gewachsener Prozess. Das hat sich Stück für Stück integriert. Deshalb ist das für uns Normalität. Im Rathaus denkt niemand, wir machen da jetzt mal was Besonderes, sondern das ist selbstverständlich. Und alle – Politik, Bürger, Institutionen – ziehen mit.

KOMMUNAL: Aber wie schafft man es, dass ein Thema wie Nachhaltigkeit immer mitgedacht wird?

Krüger: Nachhaltigkeit ist ein Thema, das sich bei uns durch das ganze Rathaus zieht. Wir haben den Deutschen Nachhaltigkeitskodex in unser Verwaltungshandeln integriert. Und das haben wir gemeinsam mit all unseren Führungskräften erarbeitet. Das heißt, wir haben es nicht von oben aufgegeben, sondern wir haben zwei Tage mit Dienstbesprechungen angesetzt und uns da gemeinsam die nötigen Kriterien erarbeitet. Die Ergebnisse schickten wir im Rathaus rum. Es gab eine einzige Nachfrage und dann waren alle zufrieden. Und so sind wir jetzt die erste Kommune, die sich an den Nachhaltigkeitskodex hält.

KOMMUNAL: Wie kam es dazu, dass das zu so einem wichtigen Thema in Geestland geworden ist?

Krüger: Im Grunde genommen haben wir angefangen uns mit diesen ganzen nachhaltigen Themen zu beschäftigen, weil die Stadt 2006 finanziell handlungsunfähig wurde. Wir hatten hohe Kassenkredite. Da haben wir überlegt, was wir machen können und das erste Projekt war damals LED-Straßenbeleuchtung, um Geld zu sparen. Und so hatten unsere Sparmaßnahmen meistens auch eine nachhaltige Komponente. Nachhaltigkeit hat bestimmt hier und da auch ihre Investitionskosten, aber auf Dauer zahlt sie sich aus.

KOMMUNAL: Was sind Ihre nächsten Projekte im Bereich Nachhaltigkeit?

Krüger: Wir arbeiten mit der Bertelsmann Stiftung, dem BDU und mit dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund an einer Checkliste. Die Checkliste soll möglichst einfach zeigen, wie man Nachhaltigkeit in Kommunen einführen kann. Sie soll ein Wegweiser sein für Kommunen, die anfangen wollen nachhaltig zu arbeiten. Im Januar werden wir die Checkliste in einem Pilotprojekt testen und im zweiten Quartal 2018 soll sie dann fertig sein. Darüber hinaus wollen wir eine Stelle für nachhaltige Entwicklung schaffen, die dann einige Sonderprojekte betreut. So wollen wir ab dem neuen Jahr mir Nachhaltigkeitsthemen in Schulen und Kindergärten gehen, um möglichst früh ein Bewusstsein zu schaffen. Außerdem wollen wir einen Verein namens „Pro Enkel“ gründen, der Nachhaltigkeit positiv vermittelt. Und 2018/19 führen wir eine nachhaltige Finanzplanung ein. Damit nicht nur der aktuelle Haushalt nachhaltig ist, sondern auch die Planung, die noch kommt.

KOMMUNAL: Arbeiten Sie mit anderen Kommunen zusammen, um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen?

Krüger: Wir gucken immer, ob es andere Kommunen gibt, die sich in die gleiche Richtung bewegen und versuchen Netzwerke aufzubauen. Es sind noch wenige, aber wir haben schon einige Partner mit denen das viel Spaß macht. Und wir bieten im Moment Trainee-Wochen an, wo Kommunen eine Woche lang unsere Nachhaltigkeitsprojekte begleiten können. Zunächst machen wir das mit zehn Kommunen und dann gucken wir mal, was die nachher daraus machen.

 

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legt der Durchschnittsdeutsche am Tag zurück. Davon 2/3 mit Auto oder Motorrad. Bus und Bahn machen weniger als 3 Prozent der Strecken aus. (Quelle: stat. Bundesamt)