Die Wasserpreise in Deutschland sind sehr günstig - 30 Cent pro Tag und Einwohner zahlt der Durchschnittsdeutsche


16. August 2016 | Von: Christian Erhardt-Maciejewski

Wasserpreise

Wasserpreise schwanken weiter

Die Preisunterschiede bei Trinkwasser sind in Deutschland enorm. Eine neue Studie des Bundeskartellamts zeigt, welche Einflüsse entscheidend sind für die Wasserpreise vor Ort.

 

Trinkwasser für einen Euro 40 je Kubikmeter – das ist Rekord in Deutschland. Zu finden in einer sonst nicht gerade als besonders günstig geltenden Stadt – Frankfurt am Main. Die hessische Metropole hat damit sogar noch günstigere Wasserpreise als Gelsenkirchen im Ruhrgebiet. Dort kostet der Kubikmeter Trinkwasser einen Euro 60.

 

Wasserpreise im Osten besonders hoch

 

Ganz anders sieht es in weiten Regionen Ostdeutschlands aus. Obwohl hier Grundstücke und Mieten und auch viele andere Lebenshaltungskosten günstiger sind als im Bundesdurchschnitt, kostet Trinkwasser hier bis zu zwei Euro 40 je Kubikmeter. Zu finden ist dieser Preis in Chemitz. Aber auch die anderen sechs größeren Städte in Ostdeutschland liegen laut der Studie, über die die Bild-Zeitung berichtet, im oberen Bereich der Wasserpreise. Das Kartellamt führt das auf die speziellen ostdeutschen Begebenheiten und die Besonderheiten der Nachwendezeit zurück (Altanschließer etc.).

 

Die Wasserpreise steigen teils, weil die Leitungen durch geringeren Verbrauch aus hygiensichen Gründen mit Frischwasser gespült werden müssen

Die Wasserpreise steigen teils, weil die Leitungen durch geringeren Verbrauch aus hygiensichen Gründen mit Frischwasser gespült werden müssen

Die höchsten Wasserpreise in Deutschland finden sich jedoch in Wuppertal – nur wenige Kilometer von Gelsenkirchen entfernt. Zwei Euro 60 zahlt der Bürger hier je Kubikmeter Trinkwasser. Im oberen Bereich liegen zudem Stuttgart und Wiesbaden, also die hessische Landeshauptstadt, nicht so weit entfernt vom Spitzenreiter Frankfurt am Main.

 

Was ist der Grund für die extreme Preisspanne?

 

Zum einen fällt laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft auf, dass Großversorger häufig niedrigere Stückkosten und somit niedrigere Preise haben. Hinzu kommt hier die Versorgungsdichte. Hinzu kommen Höhenunterschiede und die entsprechenden Pumpkosten und die Frage, wie leicht zugänglich das Wasser ist (Grundwasser oder Oberflächenwasser). Das Bundeskartellamt kritisiert aber auch, dass einzelne Wasseranbieter ihre Monopolstellung ausnutzen. Das Beispiel der Berliner Wasserbetriebe zeige das deutlich. Hier schritt das Kartellamt ein, die Wasserpreise sanken daraufhin um rund 18 Prozent. Auch die Stadtwerke Mainz mussten ihre Wasserpreise erheblich (um 15 Prozent) senken, Wuppertal zahlt seinen Kunden 15 Millionen Euro zurück. Laut Bild Zeitung kritisiert das Kartellamt jedoch, dass einzelne Wasserwerke trotzdem „tricksen“, indem sie etwa die Wasserentgelte in Wasserpreise und Wassergebühren teilen. Letztere werden nicht vom Bundeskartellamt geprüft.

 

Wasser sparen kann die Wasserpreise erhöhen

 

 

Auffällig ist, dass die Deutschen immer mehr Wasser einsparen. Anfang der 90er Jahre lag der Pro Kopf Wasserverbrauch bei täglich 144 Litern. Heute sind es nur noch gut 120 Liter. Dazu hat auch der technische Fortschritt beigetragen. Doch in einigen Stadtwerken hat der geringere Verbrauch zu höheren Stückkosten geführt, Wasser- und Abwasserleitungen sind nicht mehr ausgelastet. Teils müssen diese dann sogar mit Frischwasser gespült werden (hygienische Gründe) – das alles führt am Ende wieder zu steigenden Wasserpreisen.