Weit und breit kein Ende der Müllkippe in Sicht?


16. Mai 2018

Kampf gegen Müllsünder

Wenn der Müll mal wieder illegal entsorgt wird…


Wenn Bürger ihren Müll illegal entsorgen, entstehen den Kommunen hohe Kosten. Doch was können Städte gegen die zunehmende Vermüllung tun? Lohnt es sich für sie, einen Müll-Detektiv einzusetzen oder gibt es wirksamere Konzepte? KOMMUNAL klärt auf.

 

Alte Schränke, Sessel oder Matratzen – in vielen Kommunen entsorgen die Bürger ihren Müll am Straßenrand. Auch Elektrogeräte, Energiesparlampen und Chemikalien werden achtlos weggeworfen, unkontrolliert verbrannt und setzen dadurch Schadstoffe frei, die wir einatmen. Das schadet nicht nur unserer Gesundheit, sondern auch der Umwelt. Das Problem holt uns über die Nahrungskette wieder ein, etwa wenn Plastik im See oder Meer landet, von den Fischen verschluckt wird und diese dann wieder auf unserem Teller landen. Damit sich der Müll weder an Seen noch an verlassenen Plätzen anhäuft, müssen Reinigungsfirmen anrücken und den Abfall fachgerecht entsorgen. Doch: Dieser Service kostet. Und das, obwohl rund die Hälfte des illegal entsorgten Mülls kostenlos entsorgt werden könnte! 

Einige Städte bringen deshalb an den betroffenen Plätzen Hinweisschilder an, auf denen sie den Müllsündern mit der Verhängung von Bußgeldern drohen. Abschrecken tun die Plakate häufig jedoch nicht.

 

Müll illegal entsorgen? Dagegen gehen Kommunen vor!

 

So kämpft die nordrheinwestfälische Stadt Hagen seit Jahren gegen wilde Müllkippen. Und hat bereits einige Konzepte ausprobiert. Doch die illegale Müllentsorgung hat sich seit 2012 (66,59 Tonnen) nicht reduziert, sondern bis 2017 (152, 93 Tonnen) sogar erhöht. Probiert hat es Hagen mit

  • einem Mängelmelder auf der Homepage der Stadt, mit dem die Bürger die Verwaltung über wilde Müllkippen informieren können.
  • Zusätzlich wurden mehrere Teams, bestehend aus einem Langzeitarbeitslosen und einem Flüchtling seit Oktober 2016 eingesetzt, die bestimmte Bereiche über die normale Straßenreinigung hinaus säubern.
  • Die Mülleimer in den Fußgängerzonen wurden erneuert, weil sie bei Großveranstaltungen bis zu fünfmal am Tag geleert wurden und am Ende des Tages trotzdem über quillten, sodass sich der Müll auf den Gehwegen verteilte. Anstatt 45 Liter fassen die sogenannten Unterflurpapierkörbe nun bis zu 1300 Liter.
  • Und Kinder und Jugendliche werden seit drei Jahren zu den Themen Abfallvermeidung, Recycling und achtloses Fallenlassen von Müll geschult.

 

Ein Mülldetektiv erzielte gute Ergebnisse!

 

Doch sehr gute Ergebnisse erzielte die Stadt vor allem mit einem Projekt: Dem Einsatz eines Müll-Detektivs. Er wurde im Frühling 2013 eingestellt, fotografierte Müllsünder, notierte Uhrzeit und Autokennzeichen und leitete die Ergebnisse seiner Recherchen an die Stadtverwaltung weiter. Und tatsächlich: „Die Müllberge haben sich damals erheblich verringert“, erinnert sich der ehemalige Bezirksbürgermeister Jochen Weber. Der Detektiv observierte die Standorte unregelmäßig, kam zu jeder Tages- und Nachtzeit und sorgte damit für viel Wirbel. Laut Medienberichten nahm die Verwaltung durch seine Arbeit rund 22.300 Euro ein. Doch der Erfolg hielt nicht lange an. Das Rechtsamt äußerte juristische Bedenken wegen der Kameraüberwachung. Der Müll-Detektiv wurde nach zwei Monaten entlassen. Die Vermüllung nahm wieder zu.

 

Auch gut: Die Müllsünder auf frischer Tat ertappen!

 

An die guten Ergebnisse will Hagen jedoch wieder anknüpfen und rückt den Müllsündern nun mit sogenannten Waste Watchern zu Leibe. Dafür werden 2er-Teams bestehend aus einem Mitarbeiter des Hagener Entsorgungsdienstleisters HEB und einem Mitarbeiter der Ordnungsbehörde auf die Straße geschickt. Im Gegensatz zu einem Müll-Detektiv dürfen sie die Müllsünder nicht nur beobachten, sondern auch direkt vor Ort ansprechen und ein Verwarngeld kassieren. Da die Stadt mehrere Standorte observieren lassen will, werden dieses Jahr auch mehrere Teams ausgebildet.

Mit der Entscheidung, die Problemorte zu observieren, ist Hagen jedoch nicht allein. Auch andere Städte wie Essen setzen darauf, die Verursacher auf frischer Tat zu ertappen. Der Einsatz der Truppen soll dabei eine abschreckende Wirkung haben und Wiederholungstäter ausmachen. Doch meist ist es mit dem Einsatz eines Detektivs oder Beobachter nicht getan. Denn um die illegale Müllentsorgung zu stoppen, setzen betroffene Städte nicht nur auf ein, sondern auf viele kleinere Projekte.

 

Der Müll wird meist dort illegal entsorgt, wo bereits schon Abfall steht!

 

So zeigt eine Dokumentation des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, dass Kommunen ziemlich unterschiedlich an das Problem herangehen: Einige weisen die Geschäftsleute darauf hin, im Umkreis ihres Lokals auf Sauberkeit zu achten. Andere organisieren Aufräumtage, an denen Freiwillige helfen können, den Müll aufzusammeln, um sich danach mit einem Imbiss und einer Tombola-Veranstaltung belohnen zu lassen. Und manche Kommunen lassen ihre Ratsmitglieder den Müll einsammeln, um den Bürgern damit ein gutes Vorbild abzugeben. In anderen Orten wiederum werden die Schulen als Paten für Spielplätze gewonnen, sodass sie sich um die Sauberkeit eines Spielplatzes kümmern. Doch egal, an welchen Ort man in Deutschland auch schaut, überall scheint fast eine Sache wichtiger zu sein als alles andere: Die schnellstmögliche Beseitigung des Mülls, sodass keine Müllhalde entsteht.

Denn die Erfahrung der meisten Städte zeigt, dass die Menschen dort, wo bereits Müll liegt, ihren eigenen schneller dazu stellen als an einen sauberen Ort.