Die Lösung für den Ärztemangel?

Viel zu wenige Ärzte in der Verbandsgemeinde und alle kurz vor dem Renteneintritt - damit wollte sich Katzenelnbogen nicht abfinden. Stattdessen nahm sie ihr Schicksal selbst in die Hand: die Verbandsgemeinde als Träger eines Gesundheitszentrums. Wie das geht, zeigt ein bislang einmaliger Versuch, der Früchte trägt.

 

Das Problem kennen viele Kommunen: Die Verbandsgemeinde Katzenelnbogen hat 10.000 Einwohner und erstreckt sich über 100 Quadratkilometer. Doch gab es auf der Fläche kaum noch Ärzte. Zwei der verbliebenen drei Hausärzte waren kurz vor der Rente. Der Versuch, Nachfolger für die Praxen zu finden, blieb erfolglos. Doch irgendwie musste die ärztliche Versorgung der Bürger sichergestellt werden. Deshalb entschied sich die Verbandsgemeinde aktiv zu werden: Im Rat entstand die Idee eine Arztpraxis unter Trägerschaft der Verbandsgemeinde zu gründen. Die Idee fruchtete und inzwischen ist aus der einen Arztpraxis das Gesundheitszentrum Katzenelnbogen geworden. In anderen Regionen Deutschlands, in denen der Ärztemangel um sich greift, wird das Katzenelnbogener Modell nun gespannt beobachtet. Die Ideengeber und Macher aus dem Rhein-Lahn-Kreis stellten das Konzept bereits in Bayern und in Norddeutschland vor. Doch der Weg zum Katzenelnbogener Modell war nicht leicht.

 

Einzigartiges Modell gegen Ärztemangel

 

Denn der Fall einer Kommune als Träger einer Arztpraxis war in Rheinland-Pfalz gänzlich neu und vieles musste erst erarbeitet werden. Erst seit August 2015 ist es überhaupt möglich, dass eine Kommune die alleinige Trägerschaft für ein medizinisches Versorgungszentrum übernimmt. Denn da trat das Versorgungsstärkungsgesetz in Kraft. Und auch die Rechtsform machte Probleme. Die zunächst favorisierte GmbH stand schlussendlich außer Frage, denn hier hätte die Kommune eine unbegrenzte selbstschuldnerische Bürgschaft garantieren müssen. Deshalb entschied man sich dafür eine Anstalt des öffentlichen Rechts zu gründen.

 

Ist der Ärztemangel damit gebannt?

 

Beim Gesundheitszentrum Katzenelnbogen sind die Ärzte genauso angestellt wie die Arzthelfer und das Reinigungspersonal. Sie tragen damit kein Risiko wie bei einer eigenen Praxis. Dabei sind die Gehälter der Ärzte deutlich höher als die von Fachärzten, die an Kliniken arbeiten. Die meisten der insgesamt 21 Angestellten am Gesundheitszentrum Katzenelnbogen arbeiten in Teilzeit - auch die Ärzte. Die Sicherheit und Flexibilität hat bei vielen jungen Ärzten Interesse geweckt. Schnell waren die ersten Bewerbungen eingegangen. Denn eine bessere Work-Life-Balance wünschen sich viele jüngere Mediziner. Das Zentrum hat im Quartal etwa 3.500 Patienten. Bisher schreibt es jedoch noch fünfstellig rote Zahlen. An den Ausgaben müsse deshalb noch gearbeitet werden. Der Kommune geht es jedoch auch nicht darum Gewinn mit dem Zentrum zu machen, sondern die medizinische Versorgung sicher zu stellen. Und das tut es derzeit so vorbildlich, dass ganz Deutschland auf die kleine Verbandsgemeinde schaut.

 

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