An solchen Mitfahrbänken können sich die Menschen für gemeinsame Fahrten verabreden
Foto von: Bürgermeister Henrik Wengert

Gefangen im Dorf! Ist die Mitfahrbank die Lösung?

Da, wo der Bus nur noch selten fährt, sollen nun auffällige Mitfahrbänke aushelfen. Durch die Bänke sollen sich mehr Menschen für eine Fahrt verabreden. Aber: Geht das Konzept auf? Sind Mitfahrbänke wirklich eine Alternative zum ÖPNV? Und welche Nachteile birgt die neue Art des Trampings? KOMMUNAL klärt auf.

 

Während die Jugendlichen in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg kein eigenes Auto brauchen, sind die Teenies auf dem Land längst aufgeschmissen. Denn während in Berlin die S-Bahn alle zwei Minuten kommt oder der Bus im 10 Minuten-Takt verkehrt, sieht es in vielen Dörfern und Kleinstädten ganz anders aus: Der Bus kommt vielleicht einmal in der Stunde. Außerdem orientieren sich die Abfahrtszeiten häufig gar nicht danach, wann die Kinder in die Schule gehen müssen. Ohne Auto? Sind viele Jugendliche in ihrem Dorf deshalb gefangen. Und auch für Senioren wird die schlechte ÖPNV-Verbindung zu einem immer größeren Problem. Zum Beispiel wenn sie in der Stadt einkaufen gehen wollen, aber nicht mehr fit genug sind, um mit dem Auto hinzufahren. Im baden-württembergischen Taisersdorf haben die Politiker die Problematik erkannt - und versuchen sie mit quietschbunten Mitfahrbänken zu lösen: Die Einwohner können sich auf die Mitfahrbank setzen und darauf warten, von einem Autofahrer mit in die umliegenden Gemeinden genommen zu werden. Über den Sitzen hängen Schilder, die anzeigen, wo es hingehen soll. Statt Berlin, München oder Barcelona sind es dann häufig näher gelegene Ziele wie etwa das Nachbardorf, das nächste Einkaufszentrum oder der Bahnhof.

Kopiert wurde die Mitfahrbank bereits in einem Dorf in der Sächsischen Schweiz. Hier stehen jetzt vier grüne Bänke – über denen ein Schild mit der Aufschrift „Mitfahrbank“ hängt. „Prinzipiell wird das gut angenommen, mehr in den Sommermonaten als im Winter“, erklärt Ortsvorsteher Thomas Käfer das Projekt.

 

Seniorinnen mussten vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Bei jungen Mädchen halten innerhalb weniger Minuten mehrere Autos an. 

 

Dennoch stößt die Mitfahrbank auch auf Kritik

Aber: Nicht überall kommt die Mitfahrbank gut an. So wurde im schleswig-holsteinischen Bünsdorf ebenfalls eine Mitfahrbank gebaut. Doch: „Die Eltern haben Bedenken und fahren ihre Kinder doch lieber selber", erklärt der Oberbürgermeister Jens Kühne. Zusätzlich beschweren sich immer wieder die älteren Nutzer: So mussten Seniorinnen vergeblich auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Bei zwei jungen Mädchen hingegen hielten ein paar Minuten später gleich mehrere Autos an. Hinzu kommt das Risiko, dass sich bei den Mitfahrbänken nicht nachvollziehen lässt, wer wen gefahren hat. Bei den Angeboten im Internet hingegen müssen Anbieter und Bieter jedoch persönliche Informationen hinterlegen, sodass nachvollziehbar ist, wer mit wem wohin gefahren ist. Angst davor, dass Fremde den Dienst missbrauchen oder das Angebot nicht gut ankommt, hat die Ortsvorstehende von Taisersdorf, Angelika Thiel allerdings nicht: „Da sich im Ort die Leute kennen und auch ansonsten wenig Anonymität bei uns auf dem Land vorherrscht, dürfte es leicht sein, mitgenommen zu werden beziehungsweise jemanden mitzunehmen.“

 

Eine Mitfahrbank kostet um die 3000 Euro. Mindestens ist sie Sitzgelegenheit oder zum sonnen mit einem Kaffee geeignet." 

 

"Damit die Dörfer nicht aussterben, muss man was für den ÖPNV tun!"

In der Augsburger Allgemeinen forderte eine Familie die Politik auf, sich für gute Verbindungen im Öffentlichen Personennahverkehr einzusetzen: „Wenn man nicht will, dass die Dörfer aussterben, muss man etwas am Nahverkehr tun“, erklärte der Vater der Zeitung. Doch könnte nicht gerade hier die Mitfahrbank greifen? Könnte sie nicht tatsächlich in Orten wie Schleswig-Holstein, Bayern oder Rheinland-Pfalz eingesetzt werden. Also dort, wo viele Dörfer vom Verkehrsnetz abgetrennt sind? Auch wenn einige Kommunen berichten, dass die Mitfahrbank nicht gut ankommt, gehen die Kommunen mit dem Bau kein finanzielles Risiko ein: Eine Mitfahrbank kostet um die 3000 Euro. Und selbst wenn eine Gemeinde die Bank nicht als Mitfahrgelegenheit nutzt, bleiben die Bänke immer noch Sitzgelegenheiten, auf denen sich die Einwohner sonnen oder einen Kaffee trinken können. Verschwendet? Wäre das Geld also nicht!

 

 

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