Ärztemangel AOK

Auch in Zukunft gut versorgt

Do, 10.10.2019
ANZEIGE

Die AOK kümmert sich darum, dass Menschen auf dem Land auch weiterhin eine gute Gesundheitsversorgung erhalten. Dafür fördert sie zahlreiche Projekte, die bestehende und künftige Lücken beim Zugang zu Medizinern, Krankenhäusern und Pflegediensten füllen. Wie das gelingt, zeigen vier Beispiele.

Arztkontakt per Video

Poggensee in Schleswig-Holstein: 367 Einwohner nennen den Ort im idyllischen Kreis Herzogtum Lauenburg ihr Zuhause. Ein Arzt ist nicht dabei. Dafür leben 35 von ihnen im Seniorenhaus, wie das Pflegeheim in Poggensee genannt wird. Ist ein Heimbewohner krank, musste er bisher per Krankentransport zum Arzt gefahren oder ein Mediziner aus den umliegenden Dörfern zum Hausbesuch gebeten werden.

Doch mittlerweile hat in Poggensee die Digitalisierung Einzug gehalten – und mit ihr die Arztvisite per Videochat. Initiiert hat das die AOK NordWest. Zunächst wurde die „Elektronische Arztvisite in Pflegeheimen in Westfalen-Lippe und Schleswig- Holstein“ (elVi) in verschiedenen Regionen in Westfalen-Lippe getestet. Im Jahr 2017 hatte die AOK NordWest das Projekt auch in Schleswig-Holstein mit der dortigen Kassenärztlichen Vereinigung etabliert.

Dabei verbinden sich die teilnehmenden Ärzte mittels Tablet oder PC mit dem Seniorenhaus. Über Kamera und Mikrofon tauschen sich die Mediziner dann mit den Pflegekräften und Patienten aus. Bei der digitalen Visite können Ärzte beispielsweise chronische Wunden begutachten oder Therapien besprechen. Messgeräte können Werte wie Herzrhythmus, Körpertemperatur oder Blutzuckergehalt erfassen. Die Ergebnisse kann der Arzt sofort einsehen. Warte- und Wegezeiten sowie Fahrtkosten lassen sich so reduzieren. Stellt sich im Rahmen des Videochats der Bedarf für eine persönliche
Visite heraus, vereinbaren Arzt und Patient einen Termin in der Praxis. 2017 erhielt elVi als erster Videodienst in der Gesundheitsversorgung das Prüfsiegel des TÜVs.

Ein Netz für die Gesundheit

In Nordbayern ist der demografische Wandel schon Alltag geworden. Die Menschen werden immer älter, viele von ihnen auch kränker und unbeweglicher. Über die Hälfte der Hausärzte sind mindestens 65 Jahre alt und stehen kurz vor dem Ruhestand. Der Region droht Ärztemangel. Gegen den kann auch Julia Ernstberger als eNurse nichts ausrichten. Aber sie kann die Hausärzte durch Hausbesuche entlasten, wenn sie als eNurse über die Dörfer fährt.

Die digital vernetzte, nichtärztliche Praxisassistentin ist bei der Unternehmung Gesundheit Hochfranken (UGHO) angestellt. Dieses Arztnetz gibt es seit 2009, inzwischen umfasst es über 70 Haus- und Fachärzte in der Stadt und dem Landkreis Hof sowie in Teilen des Landkreises Wunsiedel.

In Kooperation mit der AOK Bayern organisiert UHGO die ambulante und wohnortnahe medizinische Versorgung. Über 15.000 Versicherte der AOK Bayern profitieren vom Vertrag zwischen dem Arztnetz und der Gesundheitskasse. Erfordert ein Anliegen ärztlichen Rat, so ruft Ernstberger den Arzt noch während des Besuchs dazu – telefonisch oder per Videoschalte. Möglich macht dies ihre moderne Ausstattung inklusive Notebook. Die eNurses bei UHGO sind unter anderem mit einem Zwölf-Kanal-EKG, einem Pulsometer und Wundwechselmaterial ausgestattet. Außerdem kümmern sie sich um Blutabnahme und Impfungen. Behandlungsverlauf und -ergebnisse überträgt die eNurse digital an den Hausarzt. Der kann sich dann ein Bild des Patienten machen und weitere Behandlungsschritte einleiten. Innerhalb von 48 Stunden ist eine Überweisung zum Facharzt möglich. Rund 80 Prozent der Ärzte, die an UHGO teilnehmen, sind elektronisch vernetzt. So lassen sich Behandlungsergebnisse schnell austauschen, Doppeluntersuchungen und -verordnungen werden vermieden. Das verringert die Bürokratie und schafft mehr Zeit für den einzelnen Patienten.

 

Alles an einem Ort

 

Im Osten von Sachsen, auf halbem Weg zwischen Bad Muskau und Görlitz, liegt die kleine Stadt Niesky – in einer Region, die von Abwanderung und Überalterung geprägt ist. Die medizinische Versorgung drohte in eine Abwärtsspirale zu geraten: Nachwuchs für die niedergelassenen Ärzte, die in Ruhestand gehen, war und ist kaum in Sicht. Die kleine Klinik im Ort, das Krankenhaus Emmaus Niesky, stand auf der Kippe. Doch es kam anders: Die Evangelisch-Lutherische Diakonissenanstalt Dresden übernahm die Klinik und brachte gemeinsam mit der AOK PLUS das lokale Gesundheitszentrum Niesky auf den Weg. Das Krankenhaus mit Chirurgie und Innerer Medizin blieb als Kernstück erhalten. Zum lokalen Campus gehört jetzt aber auch ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit fünf Facharztsitzen, je einem für Chirurgie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie drei für Allgemeinmedizin.

Hinzu kommt ein Informationszentrum, das Patienten und Angehörige – auch über den Krankenhausaufenthalt hinaus – berät und schult. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen hat zudem eine Bereitschaftspraxis eingerichtet. Sie arbeitet eng mit der Notaufnahme des Krankenhauses zusammen und ersetzt die für Patienten lästige Rotation des Bereitschaftsdienstes. Die Mediziner im MVZ sind angestellt. Dieses Modell trägt dem Wunsch vieler junger Ärzte Rechnung, nicht gleich selbstständig zu arbeiten. Sie sind von der Abrechnungsbürokratie entlastet und haben ein sicheres Einkommen. Ärzte mit Kindern können auch in Teilzeit arbeiten. Die Diakonissenanstalt und die AOK PLUS haben Anreize für die sektorenübergreifende Versorgung entwickelt. Stationärer und ambulanter Sektor sind inzwischen gut verzahnt. So zeigt das Beispiel Niesky, wie sich gute medizinische Versorgung auch fernab der Ballungszentren organisieren lässt.

 

Der Mensch im Mittelpunkt


Rosemarie Messerschmidt hat einen Termin in der Gemeinschaftspraxis Großmann in Schwäbisch-Hall. Die Rentnerin kommt zu einer Kontrolle im Rahmen des Versorgungsangebots PraCMan, das seit 2014 Bestandteil der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) der AOK Baden-Württemberg ist. PraCMan steht für „Praxisbasiertes Case Management in der Hausarztpraxis“. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität chronisch kranker Menschen durch eine patientenzentrierte engmaschige Betreuung. Vermeidbare Krankenhausaufenthalte sollen reduziert werden. PraCMan richtet sich an Patienten mit mindestens einer der folgenden Indikationen: Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus Typ 2 und die Lungenerkrankung COPD. Über 18.900 Versicherte der AOK Baden-Württemberg werden dabei von über 700 Hausärzten der HZV betreut. Dreh- und Angelpunkt bei PraCMan ist die „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“ (VERAH). Sie übernimmt wichtige Aufgaben und entlastet damit die Ärzte.

In der Praxis Großmann hat sich die Medizinische Fachangestellte Elisabeth Penz zur VERAH qualifiziert. In ihr hat Rosemarie Messerschmidt, die an Diabetes und Herzinsuffizienz leidet, eine feste Ansprechpartnerin, mit der sie alles bereden kann. Zu Beginn führt Elisabeth Penz mit allen PraCMan-Versicherten ein ausführliches Gespräch zur Bestandsaufnahme. Dazu benutzt sie eine Dokumentationssoftware, die relevante Krankheitsdaten wie Allergien, Medikation oder Sturzrisiko strukturiert erfasst. Auf dieser Datenbasis trifft Ärztin Evelyn Großmann dann gemeinsam mit dem Patienten eine individuelle gesundheitliche Zielvereinbarung.

Das Case Management sieht dabei ein regelmäßiges Monitoring vor, bei dem die VERAH den aktuellen Gesundheitsstatus erfragt und im System erfasst. So lassen sich drohende Verschlechterungen rechtzeitig erkennen und behandeln. Versorgungskonzepte wie PRaCMan, die chronisch kranke Menschen gezielt im Alltag unterstützen, werden inZukunft eine immer größere Rolle spielen.

Weitere Gastbeiträge

Neuester Inhalt

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNE.HEUTE anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)