Schulleiter Ambrosi macht mit seinen Kindern Knödel

Dahoam - Heimatkunde auf bayerisch

Mi, 27.09.2017

In Bayern hat ein Schulleiter das Wahlpflichtfach „Dahoam“ eingeführt. Das Fach soll bayerische Traditionen vermitteln – ohne spießig zu wirken. Obwohl es das Fach nur an dieser Schule gibt, könnte das Konzept auch auf andere Schulen übertragen werden und dort Jugendliche an die Region binden!

  In der Auflaufform brutzelt der Schweinebraten, während im Topf die Kartoffelknödel köcheln. „Das Fleisch ist in 5 Minuten fertig“, ruft Stefan Ambrosi den drei neugierigen Jungen zu. Der dunkelhaarige Mann mit der Brille ist der Leiter der Realschule am Tegernsee in Gmund, Bayern. Er steht mit seinen Schülern in der Küche.   In Ambrosis Unterrichtsfach "Dahoam" können die Kinder alles über Bayerische Traditionen lernen – Literatur, Musik, Bräuche oder auch wie man Schweinebraten zubereitet.  Dafür hat Ambrosi das Wahlfach „Dahoam“ ins Leben gerufen. Rund 15 Schüler aus den Klassen fünf bis neun nehmen freiwillig an Ambrosis Unterricht teil. Noten kriegen die Schüler für das Wahlpflichtfach nicht. „Wir beschäftigen uns mit bayerischen Standartautoren wie Ludwig Thoma, der ebenfalls am Tegernsee wohnte und die ‚Lausbubengeschichten‘ veröffentlichte, aber auch antisemitische und demokratiefeindliche Texte schrieb. Im Unterricht sprechen wir über die Werke, ordnen sie zeitlich ein und analysieren den Charakter der Autoren. Wir sprechen aber nicht nur über Literatur im Unterricht. Sondern spielen auch mal bayerische Kartenspiele oder unterhalten uns über den Dialekt“, erklärt der Schulleiter das Konzept. 

Wahlfach Dahoam - ein Fach für die Zukunft?

Mit dem Wahlfach „Dahoam“ könnte Schulleiter den Zahn der Zeit treffen. Denn viele Menschen sehnen sich nach einem verbindlichen Zugehörigkeitsgefühl, nach Gemeinschaft und Heimat. Das Vereinsleben blüht auf, Volksfeste sind gut besucht und in Bayern schießen Trachtenshops aus dem Boden. „Ich beobachte verstärkt, dass sich Schüler für ihre Heimat interessieren und über die Zukunft Gedanken machen. Sie fragen sich, wie sich ihr Zuhause in den nächsten zwanzig Jahren verändern wird, obwohl sie Heimat nicht unbedingt als Ort definieren, sondern vielmehr als Zusammenhalt, Sicherheit und Freundschaft verstehen.“   Ambrosis Idee findet in Gmund Anklang. Doch das Wahlpflichtfach könnte auch als Vorbild für andere Schulen, in weiteren Bundesländern dienen. Die Jugendlichen lernen im Wahlpflichtfach Charakteristika der Region kennen. Sie können besser nachvollziehen, wieso sich eine Region über die Jahre hinweg verändert hat, wieso sie sich in Zukunft verändern wird. Und je mehr die Einwohner über ihren Wohnort wissen, desto eher können sie ihn auch als Heimat bezeichnen.   

Mehr zum Thema

Weitere Gastbeiträge

Neuester Inhalt

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNE.HEUTE anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)