Feuerwehr - Projekt (ÖPP) in Linz
Fotolia: Gorodenkoff

Feuerwehr - Ein beispielhaftes Kooperationsprojekt!

Do, 07.03.2019

Der Brandschutz ist eine der wichtigsten Aufgaben der Kommunen. Die Entwicklung der letzten Jahre stellt uns hier vor immer neue Herausforderungen. Öffentlich-Private Partnerschaften bieten einen Lösungsansatz, meint der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz.

Text: Hans Günter Fischer, Bürgermeister von Linz

Es ist nicht nur ein rheinland-pfälzisches Phänomen, dass mehr und mehr Löscheinheiten der Freiwilligen Feuerwehr geschlossen werden. Hintergrund ist nicht etwa ein Rückgang des Engagements. Unsere Freiwilligen Feuerwehren arbeiten hoch motiviert. Vielmehr ist es immer schwieriger geworden, Freistellungen der Arbeitnehmer für Tageseinsätze zu erhalten. Die Bedeutung einer schlagkräftigen Freiwilligen Feuerwehr wird oft erst da erkannt, wo es bereits zu Bränden gekommen ist. 

Feuerwehr und ÖPP in Linz
Hans-Günter Fischer seit 2007 Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz. Zuvor war er als Referent im Bundesumweltministerium tätig und führte anschließend als Hauptgeschäftsführer einen bundesweit aufgestellten Verband der mittelständischen Recyclingwirtschaft. 

 

Die Einsatzzahlen unserer Feuerwehr schnellen in die Höhe

 

Aber es wird täglich schwieriger, die Einsatzzahlen haben sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Wir müssen dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung Rechnung tragen, auch wenn gesellschaftliche Veränderungen sich erschwerend auf die Ausübung des Ehrenamtes „Feuerwehr“ auswirken. So wurden beispielsweise die Entfernungen zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zunehmend größer. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Einsatzstärke der Freiwilligen Feuerwehr tagsüber. 

 

Feuerwehr: Wir wollen keine Stellen abbauen!

 

Die Verbandsgemeinde Linz suchte eine  konzeptionelle Antwort auf den bundesweiten Trend, Feuerwehrstandorte zusammenzulegen oder zu schließen - und wir wurden fündig: Wir bauen nicht ab! Wir erweitern an der richtigen Stelle und mit einem klugen Konzept – übrigens ohne Fördergelder. Unser neuer Weg lautet: Eine intelligente Kooperation mit Unternehmen eingehen, in denen viele ehrenamtlich engagierte Feuerwehrleute beschäftigt sind. Einmalig in Rheinland-Pfalz – nach Einschätzung des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz vermutlich sogar bundesweit - einzigartig ist das Kooperationsprojekt der Verbandsgemeinde Linz mit zwei ortsansässigen Unternehmen Niedax und Birkenstock in Sachen Brandschutz. Die Verbandsgemeinde Linz kooperiert beim Brandschutz jetzt mit den beiden „Global Playern“. Im Rathaus der Verbandsgemeinde wurde im Januar der neue Löschzug 9 offiziell gegründet. Damit geben wir heute unsere konzeptionelle Antwort auf die gesellschaftlichen Veränderungen, die sich auch auf das Ehrenamt auswirken. 

 

Die Betriebsstätten der beiden Kooperationsunternehmen liegen räumlich nahe beieinander im Industriegebiet Strödt der Ortsgemeinde St. Katharinen. Dort ist jeweils eine größere Zahl von Beschäftigten auch Mitglieder Freiwilliger Feuerwehren - sowohl in der Verbandsgemeinde Linz als auch in anderen Verbandsgemeinden und Städten. Die für den Brandschutz verantwortliche Verbandsgemeinde Linz stellt Fahrzeuge und Ausrüstung zur Verfügung. Diese sind auf dem Gelände der beiden Betriebsstätten dauerhaft stationiert. So wird eine eigene Löscheinheit geschaffen, die im öffentlichen Bedarfsfall unmittelbar von dort ausrückt. Die Löscheinheit wird aus Mitarbeitern gebildet, die in ihren jeweiligen Wohnorten, die zum Teil auch außerhalb der Verbandsgemeinde liegen, einer Freiwilligen Feuerwehr angehören. Dadurch konnte eine 28 Mann starke Truppe gut ausgebildeter Einsatzkräfte gebildet werden, die auch die Schlagkraft der Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Linz stärkt. Das ist ein Novum. Der Kooperation vorangegangen waren viele konstruktive Gespräche der Verwaltung und der Feuerwehrführung mit den Geschäftsführern der beiden Unternehmen.  

 

Unser Feuerwehrprojekt ist ein "Leuchtturmprojekt"

 

Der Landesfeuerwehrverband bezeichnete diese Öffentlich-Private Kooperation als  „Leuchtturmprojekt“ und zeichnete die Unternehmen  als „Partner der Feuerwehr“ aus. 

 
Der Landesfeuerwehrverband bezeichnet diese Öffentlich-Private Kooperation als  „Leuchtturmprojekt“. 

 

Hans-Günter Fischer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Linz  

Es war in vielerlei Hinsicht Neuland, auf das wir uns begeben haben. Das ist immer ein spannender Prozess, denn es gab keine Schablonen dafür. Man entwickelte etwas ganz Neues. Die dadurch entstehenden Synergieeffekte schaffen eine „Win-Win-Situation“ für alle Beteiligten:   

 

  • Durch die Zusammensetzung aus Mitarbeitern der Unternehmen ist eine 28 Mann starke Löscheinheit gut ausgebildeter Einsatzkräfte entstanden.  

 

  • Die für den Brandschutz verantwortliche Verbandsgemeinde Linz  stellt die Ausrüstung und die Fahrzeuge zur Verfügung. Diese sind auf dem Gelände der beiden Betriebsstätten dauerhaft stationiert. 

 

  • Die Beschäftigten und ehrenamtlich tätigen Feuerwehrkameraden fungieren als professionelle Ersthelferkräfte. Sie ermöglichen dadurch im Einsatzfall auf dem Gelände der beiden Unternehmen eine enorme Verringerung der Eintreffzeit der Freiwilligen Feuerwehr.  

 

  • Die Freiwillige Feuerwehr der Verbandsgemeinde Linz wird durch die Unternehmensmitarbeiter aus anderen Städten und Gemeinden in ihrer Schlagkraft gestärkt. 

 

Diese Synergien im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der verantwortlichen Kommune und privaten Unternehmen könnten bei ähnlichen Rahmenbedingen vor allem im ländlichen Bereich Nachahmung finden. Anfragen hierzu erreichen uns mittlerweile aus der gesamten Bundesrepublik.

Mehr zum Thema

Weitere Gastbeiträge

Neuester Inhalt

Immer informiert bleiben!

Jetzt für KOMMUNE.HEUTE anmelden und die Neuigkeiten der kommunalen Welt kommen direkt in Ihr Postfach.
 Ja, ich habe die Datenschutzerklärung verstanden und akzeptiere sie.*

Ja, ich möchte im Newsletter persönlich angesprochen werden! (optional)