Wie werden sich die Friedhöfe in Zukunft verändern?
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Friedhöfe: Zukunftskonzept für die grüne Lunge der Stadt

Urnenbestattungen, anonyme Beerdigungen und Bestattungswälder verändern den Friedhof. Der Platz wird zu viel, die Mittel zu wenig. Doch Verantwortliche möchten die Friedhöfe als Teil der grünen Lunge der Stadt retten. An einem Zukunftskonzept arbeiten derzeit Kölner Verantwortliche und Bürger zusammen.

Umgerechnet 700 Fußballfelder machen die Fläche der Kölner Friedhöfe aus. Alleine 55 unter kommunaler Trägerschaft werden in der Stadt betrieben. Einige wie der Melatenfriedhof sind Touristenattraktion, Geschichtslektion und Ort der Trauer in einem. Alle gemeinsam sind sie Teil der grünen Lunge der Stadt. In der Größe, in der sie derzeit vorhanden sind, werden sie jedoch schon heute nicht mehr benötigt - zumindest nicht als reines Gräberfeld. 70 Prozent der Beerdigungen in Köln sind mittlerweile Urnenbestattungen, Tendenz steigend. Und so sieht auch der Trend für ganz Deutschland aus. Urnengräber benötigen deutlich weniger Platz als Sarggräber. Dazu kommen anonyme Gräberfelder und Urnenwände, die noch platzsparender sind. Die Zahl der Menschen, die sich im Wald oder auf hoher See beerdigen lassen, ist zwar noch niedrig, steigt jedoch ebenfalls. So kommt es auf dem Friedhof zu einem Problem mit Leerstand. Denn die freien Flächen muss der Friedhofsbetreiber selbst pflegen. Und das mit den geringeren Einnahmen, die Urnengräber im Gegensatz zu Sarggräbern bedeuten.

Friedhofskultur gemeinsam gestalten

Trotzdem halten die Kölner ihre 480 Hektar Friedhof für schützenswert und haben ein Expertengremium eingesetzt, dass die Friedhofskultur systematisch neu denken soll. Anfang des Jahres begann das Gremium mit Befragungen von Bürgern, deren Angehörige auf Kölner Friedhöfen liegen und führten Begehungen mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen durch - Bürger, die in der Nachbarschaft eines Friedhofs wohnen, Kinder und Jugendliche, Kulturschaffende, Vertreter ökologische ausgerichteter Organisationen, Senioren und Freizeitsportler. Sie sollten ihre Ideen für die Zukunft des Friedhofs mit den Experten teilen. Von Anfang Juni bis Anfang Juli wurde zudem eine Online-Befragung durchgeführt bei der sich jeder Kölner Bürger beteiligen konnte. Ende Juni tauschten Experten und Interessierte auf der sogenannten Friedhofswoche noch einmal ihre Vorstellungen aus.

Was sollen Friedhöfe in Zukunft leisten?

Dieser Dialogprozess, der über das ganze Jahr hin geführt wurde, wurde nun vom Expertengremium ausgewertet. Was die Kölner klar bewahren möchten: Die Friedhöfe als Oasen der Ruhe und der Natur. Doch die meisten Befragten wünschen sich auch eine vielfältigere Nutzung der Friedhöfe. So solle die Trauerhalle außerhalb der Bestattungszeiten auch für Trauerseminare, Vorträge, Ausstellungen, Lesungen oder auch Aufführungen genutzt werden können. Die brach liegenden Grünflächen möchten viele aus ökologischen Gesichtspunkten zum Rückzugsort für heimische Tierarten, besonders Insekten, umgestalten. Dazu sollen sie als Wildblumenwiesen mit Nistpflanzen, Totholz und Reisighaufen umgestaltet werden. Andere Bürger wünschen sich Riech-, Tast- und Klanggärten, Installationen und Skulpturen oder auch Landartprojekte. "Toll würde ich es finden, wenn man die freien Flächen dazu nutzen würde, Gemeinschaftsgärten anzulegen. Ganz im Urban-Gardening-Stil", sagt da etwa jemand in der Online-Befragung. Auch der Wunsch nach der Möglichkeit ruhige Aktivitäten wie Yoga, Tai Chi oder Qi Gong auszuüben, wurde häufig geäußert. Hier ergab sich jedoch ein Spannungsfeld mit anderen Bürgern, die sportliche Aktivitäten auf Friedhöfen für pietätlos halten. Ähnliche gespalten sind die Kölner etwa über diesen Vorschlag aus der Online-Umfrage: "Es sollte einen Spielplatz oder einen anderen Bewegungsort für Kinder von Besuchern geben."

Aus den gesammelten Ideen wird nun ein "Zukunftskonzept Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025" erstellt, das dem Ausschuss Umwelt und Grün als Guideline für den weiteren Umgang mit den Friedhöfen dienen soll. Dafür müsse dann im Zweifel auf die Friedhofssatzung durch den Rat der Stadt Köln verändert werden.
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