Wie werden sich die Friedhöfe in Zukunft verändern?
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Friedhöfe: Zukunftskonzept für die grüne Lunge der Stadt

Urnenbestattungen, anonyme Beerdigungen und Bestattungswälder verändern den Friedhof. Der Platz, den die Friedhofsträger selbst pflegen müssen wächst. Was soll damit geschehen? Müssen die Friedhöfe verkleinert werden, kann man die Freiflächen anderweitig nutzen oder soll alles bleiben, wie es ist? In Köln läuft eine Grundsatzdiskussion mit viel Sprengkraft.

Umgerechnet 700 Fußballfelder machen die Fläche der Kölner Friedhöfe aus. Alleine 55 unter kommunaler Trägerschaft werden in der Stadt betrieben. Einige wie der Melatenfriedhof sind Touristenattraktion, Geschichtslektion und Ort der Trauer in einem. Alle gemeinsam sind sie Teil der grünen Lunge der Stadt. In der Größe, in der sie derzeit vorhanden sind, werden sie jedoch derzeit nicht gebraucht - betrachtet man die Wachstumsprognosen der Stadt, bleibt abzuwarten, ob sich dies noch einmal ändert. Über 65 Prozent der Beerdigungen in Köln sind mittlerweile Urnenbestattungen. Jedes Jahr steigt die Quote um ein bis zwei Prozent. Sieht man sich den Trend für ganz Deutschland an, steigt die Nachfrage für Urnenbestattungen weiter. Urnengräber benötigen deutlich weniger Platz als Sarggräber. Dazu kommen anonyme Gräberfelder und Urnenwände, die noch platzsparender sind. Die Zahl der Menschen, die sich im Wald oder auf hoher See beerdigen lassen, ist zwar noch niedrig, steigt jedoch ebenfalls. So kommt es auf dem Friedhof zu einem Problem mit Leerstand. Denn die freien Flächen muss der Friedhofsbetreiber selbst pflegen.

Friedhofskultur gemeinsam gestalten

Trotzdem halten die Kölner ihre 480 Hektar Friedhof für schützenswert. "Die Frage ist auch, ob wir diese Flächen nicht noch einmal brauchen werden, falls Köln so weiterwächst", gibt Jörg Deter, Abteilungsleiter Friedhöfe der Stadt Köln, zu bedenken. "Was wir heute an Flächen weggeben, werden wir nicht so leicht zurückbekommen." Ein Expertengremium soll nun die Friedhofskultur systematisch neu denken. Im Frühjahr begann das Gremium mit Befragungen von Bürgern, deren Angehörige auf Kölner Friedhöfen liegen und führten Begehungen mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen durch - Bürger, die in der Nachbarschaft eines Friedhofs wohnen, Kinder und Jugendliche, Kulturschaffende, Vertreter ökologische ausgerichteter Organisationen, Senioren und Freizeitsportler. Sie sollten ihre Ideen für die Zukunft des Friedhofs mit den Experten teilen. Von Anfang Juni bis Anfang Juli wurde zudem eine Online-Befragung durchgeführt bei der sich jeder Kölner Bürger beteiligen konnte. Etwa 400 Menschen nutzten die Möglichkeit, um ihre Ideen für die Zukunft der Friedhöfe mitzuteilen. Ende Juni tauschten Experten und Interessierte auf der sogenannten Friedhofswoche noch einmal ihre Vorstellungen aus.

Was sollen Friedhöfe in Zukunft leisten?

Einen Zwischenstand aus diesem Prozess gab das Expertengremium nun bekannt. Was die Kölner klar bewahren möchten: Die Friedhöfe als Oasen der Ruhe und der Natur. Doch einige Teilnehmer der Befragung wünschen sich auch eine vielfältigere Nutzung der Friedhöfe. So wurde die Idee geäußert die Trauerhalle außerhalb der Bestattungszeiten auch für Trauerseminare, Vorträge, Ausstellungen, Lesungen oder auch Aufführungen zu nutzen. Die brach liegenden Grünflächen möchten einige aus ökologischen Gesichtspunkten zum Rückzugsort für heimische Tierarten, besonders Insekten und Vögel, umgestalten. Dazu könnten sie als Wildblumenwiesen mit Nistpflanzen, Totholz und Reisighaufen umgestaltet werden. Andere Befragte wünschen sich Riech-, Tast- und Klanggärten, Installationen und Skulpturen oder auch Landartprojekte. "Toll würde ich es finden, wenn man die freien Flächen dazu nutzen würde, Gemeinschaftsgärten anzulegen. Ganz im Urban-Gardening-Stil", sagt da etwa jemand in der Online-Befragung. Auch der Wunsch nach der Möglichkeit ruhige Aktivitäten wie Yoga, Tai Chi oder Qi Gong auszuüben, wurde geäußert. Hier ergab sich jedoch ein Spannungsfeld mit anderen Bürgern, die sportliche Aktivitäten auf Friedhöfen für pietätlos halten. Ähnliche gespalten sind die Kölner etwa über diesen Vorschlag aus der Online-Umfrage: "Es sollte einen Spielplatz oder einen anderen Bewegungsort für Kinder von Besuchern geben."

Aus Sorge über diese Bürgerideen hat sich eine Interessengemeinschaft Kölner Bürger, die die Öffnung der Friedhöfe verhindern möchte, gebildet. "Die Stadt kann uns nicht einleuchtend erklären, warum diese Öffnung nötig sein sollte", sagt Wolf Bickel von der Interessengemeinschaft. "Zudem sind die Vorschläge unrealistisch, die freien Flächen liegen nämlich verteilt zwischen den Gräbern. Man würde hier über Leichen gehen, um sich zwischen Grabsteinen zum Yoga zu treffen." Die Friedhofsverwaltung hat sich in der Zwischenzeit mit dem Interessenverband getroffen, um einen offenen Meinungsaustausch zu führen. "Es handelt sich da um sehr engagierte Bürger, deren Bedenken wir sehr ernst nehmen", sagt Deter. "Natürlich gibt es einige Bürgerideen, die auch wir nicht für umsetzbar halten." Dass etwa ein Gräberfeld mit 1.000 Quadratmetern auf dem nur noch 20 Gräber existieren trotzdem aus Respekt vor den Toten nicht zum Yoga freigegeben werden kann, da sind sich die Interessengemeinschaft und die Stadt einig. Deter sagt jedoch auch, dass an diesen Orten sehr wohl etwa Wildblumenwiesen angelegt werden könnten. "Für die Nähere Planung warten wir aber erstmal den endgültigen Bericht des Expertengremiums ab und der wird erst für Ende September erwartet", erklärt der Abteilungsleiter.

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