Die "Fast Walking Lane" ist besonders unter jüngeren Leuten sehr beliebt. ©Argos

Fußgänger auf der Überholspur

Der moderne Mensch hat keine Zeit mehr fürs Flanieren - er braucht eine Überholspur auf dem Gehweg. Die bekommt er jetzt in Liverpool und die ganze Welt wartet gespannt auf Nachahmer.

Eine extra Spur für schnelle Fußgänger - das gibt es tatsächlich schon. Wenn auch noch nicht in Deutschland. KOMMUNAL mit einem interessanten Beispiel aus Liverpool. In den sozialen Medien laufen schon Aufrufe an andere Kommunen weltweit dem Beispiel zu folgen.

Fußgänger - vertieft in ihre Handys

Ein Blick auf die Einkaufsstraßen der Welt – Menschen jeden Alters laufen in Gruppen oder alleine von Geschäft zu Geschäft, treffen Bekannte, tweeten ihre neu erworbenen Schätze. Dass bei einer so divergenten Gruppe Interessenkonflikte entstehen, bleibt nicht aus. Die einen bleiben auf dem Gehweg stehen um sich zu unterhalten, die anderen laufen im Schneckentempo mit dem Blick aufs Smartphone gerichtet. Aber was ist mit den Highspeed-Einkäufern, die determiniert bestimmte Geschäfte anlaufen und auf dem Weg keine Zeit durch Langsamlatscher verlieren wollen?

Überholspur für Fußgänger soll in Liverpool Frust nehmen

An einer Lösung versuchte sich ein Einkaufszentrum in Liverpool. Die „Fast Walking Lane“ ist eine violett eingezeichnete Spur, die 100 Meter durch das Zentrum führt. Hier können die besonders Eiligen von Laden zu Laden rennen, ohne von sogenannten „Smombies“ (Smartphone-Zombies) aufgehalten zu werden. Das Kaufhaus führte die Spur ein, nachdem der Einzelhändler „Argos“ in einer Umfrage unter 1505 Briten herausfand, dass 47 Prozent genervt sind von langsamen Fußgängern, die sie ausbremsen. Auch ein Dreivierteljahr nach Einführung der Spur sind die Kunden noch immer begeistert.

Auf der
Auch im Internet kam die "Fast Walking Lane" als Pilotprojekt zu großer Aufmerksamkeit. Auf Twitter finden sich unter dem Hashtag #FastWalkingLane Aufrufe die Spur auch in anderen Städten einzuführen. "Langsamlatscher hinter sich lassen, eine ermutigende Bewegung für eine gesunde Stadt", tweetet Jeannie. Der Satireteil der "Jenapolis" hat im letzten Monat in einem Artikel gescherzt, in Weimar würden als erstes Familien, Paare und Touristen nach Liverpooler Model von Joggern getrennt werden. Wegen des Denkmalschutzes stehe die bunte Gestaltung der Wege allerdings noch aus. Doch warum nicht auch mal ernst über eine Idee nachdenken, die scheinbar auf der ganzen Welt Anklang findet?

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