Blick auf die Innenstadt von Mussomeli in Sizilien - viele Häuser in der Innenstadt sind verlassen
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Blick auf die Innenstadt von Mussomeli in Sizilien - viele Häuser in der Innenstadt sind verlassen

Innenstadt: Kommune verkauft Häuser für einen Euro

Der Hintergrund dieser Meldung könnte genauso gut in Deutschland stattfinden. Eine 10.000 Einwohner Kommune kämpft mit Leerstand in der Innenstadt. Junge Einwohner ziehen weg, der Stadtkern verödet, der demografische Wandel tut sein Übriges. Der Leerstand führt dann zu weiterer Abwanderung. Doch wie die Stadt Mussomeli in Italien das Problem angeht, dürfte dann doch weltweit einmalig sein.

Zugegeben: Die Innenstadt von Mussomeli in Sizilien ist nicht gerade einladend. Und das trotz wunderbarer Landschaft mit Hügeln, gleich fünf historischen Kirchengebäuden, einem Schloss aus dem 14. Jahrhundert oder als Sehenswürdigkeit etwa die Ruine eines griechisch-sikanischen Dorfs. Kurzum: Mussomeli atmet Geschichte - schon 1500 vor Christus, also in vorhellenischer Zeit, war das Dorf von Sikanern bewohnt. Archäologische Zeugnisse finden sich an jeder Ecke. 

Und doch: Mussomeli droht selbst zur Geschichte zu werden. Jedes Jahr sinkt die Einwohnerzahl um mehrere Hundert Menschen, aktuell sind es noch 10.200, eine Frage der Zeit, bis die Marke von 10.000 unterschritten wird. Das wäre noch nicht so schlimm, würde es nicht ausgerechnet die Innenstadt von Mussolemi besonders hart treffen. In der historischen Fußgängerzone und ihren Nebenstraßen stehen inzwischen mehr als 500 Wohnungen leer. Vor allem junge Menschen auf der Suche nach Arbeit sind einfach weggezogen, haben die Wohnungen hinterlassen. Die Stadt greift nun mit einem bisher einmaligen Angebot durch.

 

So sollen Menschen in die Innenstadt gelockt werden 

 

Neue Einwohner sind also dringend gesucht. Und so bietet die Stadt nun die leerstehenden Wohnungen für jeweils einen Euro zum Kauf an. Das hat der Stadtrat so beschlossen. Die erste Immobilienanzeige ist seit dieser Woche online geschaltet. Dort heißt es: "Kaufen Sie ihren Traum für nur einen Euro in einer fabelhaften Stadt des sizilianischen Hinterlandes, nur wenige Kilometer von den bezaubernden Stränden und historischen Tempeln Agrigents entfernt". 

Sie fragen nach dem Haken an der Sache? Ja, logisch. Der Stadtrat erhofft sich vor allem, dass die Wohnungen nicht nur neue Besitzer finden, sondern auch, dass sie modernisiert werden. Denn die meisten Wohnungen sind in einem sehr schlechten Zustand, die Fassade oft heruntergekommen. So gibt es also Auflagen für den Kauf. Und die sehen so aus: Direkt nach dem Kauf muss der neue Besitzer einen Pfand von 5000 Euro hinterlegen. Von nun an hat der Besitzer 3 Jahre Zeit, um die Renovierung des Gebäudes abzuschließen. Passiert das nicht, fallen die 5000 Euro an die Stadtkasse. 

 

So hoch sind die wahren Kosten für neue Besitzer 

 

Wer also sein Gebäude sanieren will, muss einiges an Geld mitbringen. Die Stadt spricht auf der Homepage von 100 Euro je Quadratmeter, die realistisch im SChnitt investiert werden müssen, allein um die Fassade herzustellen. Wer auch innen komplett sanieren möchte - das ist rechtlich nicht nötig, aber häufig in der Realität dann doch nötig - sollte mit mindestens 500-700 Euro je Quadratmeter rechnen, so die Rechenbeispiele der Stadtverwaltung. Eine Hundert Quadratmeter-Wohnung würde dann also bei Komplettsanierung immer noch günstig sein - 50.000 bis 70.000 Euro muss der neue Besitzer aber dann schon rechnen. Immer noch günstig. Dafür liegt die Stadt aber auch nicht sonderlich verkehrsgünstig. Bis nach Palermo sind es 95 Kilometer, bis zum Flughafen 150 Kilometer. 

 

So versuchen andere, ihre Innenstadt neu zu beleben 

 

In Sizilien ist der Versuch, mit günstigen Verkäufen neue Bewohner anzulocken, ohnehin nicht ganz neu. Ein ähnliches Modell gab es schon in Sambuca .- dort übrigens mit sehr großem Erfolg. Dort wurden die Häuser an den meistbietenden versteigert. Die Stadt kassierte hohe Summen, die nun in die Infrastruktur der Stadt fließen sollen. 

Und auch in Deutschland gibt es ja immer wieder Versuche, ganze Dörfer zu verkaufen. Über die Probleme des Ortsteils Alwine hatten wir ja bereits im vergangenen Jahr berichtet. Das Dorf wurde für 140.000 Euro versteigert, der Investor sprang dann aber wieder ab. Es kam zu einer neuen Versteigerung. Die ganze Geschichte lesen Sie HIER: 

 

Aktuell gibt es auch einen Versuch in Gera. Dort steht aktuell eine Justizvollzugsanstalt zum Verkauf. 

Bei Twitter hat Christian Erhardt über den Verkauf berichtet - JETZT FOLGEN HIER KLICKEN!
Bei Twitter hat Christian Erhardt über den Verkauf berichtet - JETZT FOLGEN HIER KLICKEN! 

 

Das große Gebäude kostet 298.000 Euro - plus ein Nachnutzungskonzept, das mit eingereicht werden muss. 

 

 

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