Die Kosten für die Restmüllentsorgung fallen von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich aus - doch dafür gibt es Gründe
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Die Kosten für die Restmüllentsorgung fallen von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich aus - doch dafür gibt es Gründe

Müllentsorgung: Hier ist es am teuersten

Der Bund der Steuerzahler rechnet jedes Jahr im Sommer am Beispiel der 396 Kommunen in Nordrhein-Westfalen vor, wie unterschiedlich die Müllgebühren sind. Ein Blick auf die "teuersten" zeigt, dass es dafür sehr unterschiedliche Gründe gibt - ein Vergleich lässt zudem Schlüsse darauf zu, wie sich Müllvermeidung sinnvoll steuern lässt.

Die Müllentsorgung in der Großstadt Münster ist so teuer, wie nirgends sonst in NRW. Sagt zumindest die Statistik des Bundes der Deutschen Steuerzahler. Verglichen wurden dafür 396 Städte in NRW. Das Rechenmodell: Was kostet es, eine 120 Tonnen Restmülltonne alle 2 Wochen abholen zu lassen. Im Schnitt sind es in NRW rund 260 Euro. Münster schlägt hier aber mit 560 Euro zu Buche. Kein Großstadtphänomen - denn vergleichbar große Städte wie Aachen, Bonn oder Bielefeld nehmen Gebühren zwischen 170 und 380 Euro. Und auch in Sachen Fläche sind die Städte durchaus vergleichbar. Es fallen also keine weiteren Wege an, auch ist Münster nicht besonders verwinkelt. Es muss also andere Gründe geben.

Denn auf der Liste der teuersten Gebühren bei der Müllentsorgung folgt schon bald eine Kleinstadt. Alpen am Niederrhein hat gerade mal 12.000 Einwohner und ist nur unwesentlich günstiger als Münster. Immerhin hat Alpen vier Ortsteile und ist somit ländlich geprägt, ganz anders also als Münster. Rund 480 Euro kostet hier die "Muster-Mülltonne", das ist in NRW Platz 3 hinter Münster und der Kleinstadt Selm im Münsterland, direkt am Rande des Ruhrgebiets (Kreis Unna). Hier zahlt der Muster-Haushalt für die Müllentsorgung nahezu exakt 500 Euro im Jahr. 

 

Das sagen Münster und Alpen zu den Kosten der Müllentsorgung

 

Münster leistet sich gleich elf Recyclinghöfe. Zum Vergleich: In Düsseldorf sind es drei. Hauptgrund aber ist, dass es in Münster Biotonnen gibt, die wöchentlich abgeholt werden. Und diese werden rein finanztechnisch miteinander verbunden, sprich die Biotonne wird über die Restmülltonne subventioniert. Das ist haushälterisch und rechtlich möglich und erlaubt, hat vor allem ökologische Gründe, die die Politik so gesteuert hat. 

Zudem wird in Münster der Hausmüll mechanisch-biologisch vorbehandelt. Nebenan im Kreis Steinfurt etwa erledigt das eine Müllverbrennungsanlage. Die Kosten liegen hier nur bei rund 160 Euro im Jahr für den "Musterhaushalt". 

Und auch in Alpen ist man alljährlich knartschig ob der Berechnung des Bundes der Steuerzahler. Die Verwaltung spricht von einer alljährlichen "hartnäckigen Fehleinschätzung". Die Müllgebühren würden künstlich hochgerechnet. Denn in Alpen gibt es keine Müllentsorgung einer 120 Liter Tonne. Zugrunde gelegt werde eine Müllmenge von 40 Litern pro Person, heißt es in der Verwaltung. Ein vier Personen Haushalt könne sein Volumen aber auch um 40 Liter - also um 10 Liter pro Person reduzieren, also weniger Müll produzieren. Davon würden die allermeisten Haushalte Gebrauch machen. So brauche ein 4 Personen Haushalt dann keine 160 Liter Tonne, sondern 120 Liter. Damit lägen die Gebühren real bei rund 360 Euro im Jahr. Dazu komme, dass in Alpen in der Müllgebühr die Kosten für Abfallfraktionen wie Sperrmüll und Grünschnitt schon enthalten sind. Viele andere Kommunen würden dafür extra kassieren.

 

Wie Kommunen die Müllentsorgung ökologisch steuern können 

 

Außerhalb von NRW gibt es bereits eine Reihe spannender Modelle, die Kosten und vor allem die Mengen an Restmüll zu reduzieren. In Brandenburg etwa gibt es Landkreise, die in die Restmülltonne einen Chip eingebaut haben. Neben einer Grundgebühr pro Haushalt bzw. pro im Haushalt lebender Person muss dann pro Abholung der Tonne gezahlt werden. Also immer nur dann, wenn der Bürger die Mülltonne auch wirklich an die Straße stellt. Sonst fährt der Müllwagen einfach weiter und nimmt die Tonne nicht mit. Ein Modell, das vor allem in ländlichen Regionen mit vielen Einfamilienhäusern funktioniert. 

 

Noch einen Schritt weiter ist Saarbrücken gegangen. Dort wird der Müll seit einigen Jahren gewogen.
Seit Einführung der Müllverwiegung am 1. Januar 2011 sind in der Landeshauptstadt Saarbrücken die Restmüllmengen um 27 Prozent gesunken. 2010 sind rund 39.400 Tonnen Hausabfall aus den Saarbrücker Mülltonnen in der Verbrennungsanlage Velsen gelandet. Im Jahr 2014 sind dort nur noch rund 28.500 Tonnen verbrannt worden.

 

 

 

 

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