Einzelhandel
ReBoS
Das Konto der NetteCard können Kunden bequem online verwalten.

Online-Besuch in der City - So stärken Sie den Einzelhandel vor Ort!

Wie können sich Städte und Gemeinden einen florierenden Einzelhandel in der Innenstadt erhalten? Mit guten Ideen und modernen Lösungen wird es möglich, ist man sich in Nettetal sicher. Und setzt auf ein Punktesystem, das Online- und Offline-Handel verbindet.

Der Kampf zwischen großen Online-Handelskonzernen und dem inhabergeführten Fachgeschäft in der Fußgängerzone wird in jeder Kommune ausgefochten. Bis auf einige Großstädte, haben fast alle Städte und Gemeinden in Deutschland mit Leerständen in ihren Innenstädten zu kämpfen. Die Menschen erledigen ihre Einkäufe immer häufiger von der Couch aus im Internet. Die Ladenlokale werden in der Folge immer seltener besucht und müssen teils nach jahrzehntelangem Bestehen schließen. Die Stadtkerne veröden und die Attraktivität der Kommune sinkt. In vielen Städten und Gemeinden bemühen sich Stadtverwaltung und Stadtmarketing daher engagiert darum, den Trend aufzuhalten oder gar umzukehren. Eine Möglichkeit sind Bonussysteme – ähnlich des deutschlandweiten Payback-Systems – speziell für den Einzelhandel in der Kommune. Kunden sammeln beim Kauf in allen teilnehmenden Geschäften Punkte und können diese dann bei jedem beliebigen teilnehmenden Geschäft einlösen. Diese Systeme müssen jedoch modern und attraktiv umgesetzt werden, damit sie die Kunden auch wirklich in den stationären Einzelhandel locken.

So sieht die Lösung in Nettetal aus

Gelungen ist das unter anderem in der 42.000-Einwohner-Stadt Nettetal am Niederrhein. Hier nutzen etwa 9.000 Menschen ihre Bonuskarte, die NetteCard, regelmäßig. „Wir haben in Nettetal noch eine inhabergeführte Struktur im Einzelhandel, doch die ist auf dem Rückzug, während die Filialisten zunehmen“, sagt Sabine Monz, vom Stadtmarketing Nettetal. „Deshalb versuchen wir den Einzelhandel mit Projekten wie der NetteCard so gut es geht zu unterstützen.“

So stärkt NettePunkt den Einzelhandel in Nettetal.
Der Vorstand von NettePunkt bei der Einführung der NetteCard.

Der Clou an der NetteCard: Es handelt sich nicht einfach um eine Plastikkarte, die der Kunde beim Kauf in der Innenstadt über die Theke reicht und irgendwann über einen angesammelten Rabatt informiert wird. Einzelhändlern und Kunden stehen durch die NetteCard eine Online-Plattform, ein Newsletter und viele weitere Extras zur Verfügung. Angefangen hat alles mit der typischen Punktekarte. Die Werbegemeinschaft Nettetals, NettePunkt, kaufte bei einem ortsansässigen Unternehmen, Chipkarten für das Bonussystem an. Die Karte hatte sich schon etabliert, als das Unternehmen bekannt gab, das Chipkartensystem einzustellen. Eine neue Lösung musste her und die sollte eine Verbesserung zur vorherigen Praxis bedeuten. „Es ging uns darum mit dem neuen System moderner zu werden“, sagt Christoph Cremers, einer der beiden Vorstandsvorsitzenden von NettePunkt. „Uns war auch wichtig zu wissen, dass das System nicht zu Ende entwickelt ist, sondern weiterentwickelt wird, damit es lebendig bleibt.“

Städte müssen die Systeme nicht selbst aufbauen

Mit diesen Vorstellungen fand NettePunkt im Start-Up ReBos seinen Partner. Zusammen mit Dillingen und Babenhausen gehört Nettetal zu den ersten Kommunen, die das System nutzen. Der Kunde bekommt hier eine Kundenkarte mit QR-Code, kann aber stattdessen auch eine App herunterladen über die dann Bonuspunkte auf- und abgebucht werden. Doch die wichtigste Komponente, die das System von vielen anderen unterscheidet, ist die Online-Plattform. Hier kann sich jeder Kunde registrieren und sein Punktekonto selbst verwalten. „Das sorgt für eine stärkere Bindung der Kunden an die Karte“, sagt Michael Hamdorf von ReBos. Auf der Plattform hat jedes teilnehmende Geschäft seine eigene Seite, auf der es sich vorstellen und Angebote bewerben kann.

Einzelhandel und Kunden profitieren gleichermaßen

Bei der Registrierung kann der Kunde darüber hinaus einen Newsletter abonnieren, über den er wöchentlich auf sein Kaufverhalten zugeschnittene Sonderangebote der teilnehmenden Einzelhändler erhält. In Nettetal sind mittlerweile über 5.000 Kunden für den Newsletter registriert und die Öffnungsrate liegt im Durchschnitt bei 80 Prozent. „Für die Einzelhändler ist das System eine deutliche Verbesserung“, sagt Clemens Rütten, der zweite Vorstandsvorsitzende von NettePunkt. „Sie können durch den Newsletter ohne Zusatzkosten wöchentlich Werbung machen.“ Dazu kommen in Nettetal noch viele kleine Aktionen, die mit der NetteCard verbunden sind. So gibt es jedes Jahr eine Weihnachtsverlosung. Der Gewinner bekommt Bonuspunkte auf seine Karte gebucht. Unkompliziert online. Und auch Gutscheine bekommen die Nutzer über die NetteCard. Einige ortsansässige Unternehmen und Vereine nutzen diese Gutscheine bereits im Rahmen steuerfreier Sachzuwendungen. Die Mitarbeiter eines großen Unternehmens in Nettetal bekommen so zu Weihnachten NetteCard-Gutscheine und ein Fußballverein vergibt die Gutscheine als Gewinne bei seinem jährlichen Turnier.

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​Den Kontakt zu ReBos stellten die Stadtwerke im April 2017 her. Sie waren es auch, die die Erstinvestition leisteten. „Die Stadtwerke haben großes Interesse daran, Händler für die Kommune zu gewinnen“, erklärt Hamdorf. „Sie investieren und holen das Geld durch die Minimierung des Leerstands wieder rein.“ Im September 2017 startete die modernisierte NetteCard dann. 35 Händler haben sich angeschlossen. Je nach den Leistungen, die ein Händler nutzen möchte, zahlt er einen kleinen monatlichen Betrag. Darüber hinaus muss er nur dafür sorgen, dass in seinem Laden WLAN vorhanden ist. Ein Tablet für die Abwicklung wird von NettePunkt zur Verfügung gestellt. Das System hat sich schnell bewährt. Und wird von NettePunkt und den Stadtwerken stetig weiter beworben. Die Stadtwerke machen Plakataktionen und NettePunkt ist bei allen Veranstaltungen in der Stadt anwesend, um auf die NetteCard aufmerksam zu machen. Zudem entsteht derzeit eine Broschüre für Einzelhändler mit der noch mehr Geschäfte in der Stadt für die NetteCard angeworben werden sollen.

Schulungsbedarf nicht ignorieren

Die Modernisierung verspricht für die Geschäfte und den Vorstand von NettePunkt einige Vereinfachungen. Früher musste jeden Monat ein Mitglied von NettePunkt in die Geschäfte gehen und die Geräte auslesen, damit eine manuelle Abrechnung gemacht werden konnte. Diese Abläufe funktionieren jetzt automatisiert. Die Händler bekommen dadurch auch nicht mehr monatlich, sondern täglich einen Bericht mit ihrer Abrechnung. Derzeit fällt dafür jedoch Arbeit an anderer Stelle an. Für einige Händler war der Umstieg auf das neue System schwierig. Mit ihren Fragen gehen sie dann auf den Vorstand von NetteCard zu. „Nach wie vor holen viele Händler nicht das volle Potential für sich aus dem System raus“, sagt Cremers. „Deshalb werden wir bald eine Umfrage durchführen, um den Schulungsbedarf einschätzen zu können.“ Der Vorstand hofft, die Probleme mit einem Infoabend lösen zu können. Die Einführung der NetteCard hat auch in der Stadt viele Akteure enger vernetzt. Nettetal ist eine aus einer Gebietsreform in den 1970er-Jahren entstandene Stadt. Drei ihrer Stadtteile haben einen Ortskern mit Einkaufsstraßen. Jeder Ortsteil hatte früher seine eigenen Aktionen für den Einzelhandel und zusätzlich gab es noch die Stadtwerke, die ihr eigenes Bonussystem geführt haben. Für die NetteCard sind all diese Stellen zusammengekommen. „Die Ortsteile sind durch das gemeinsame Kartensystem enger zusammengewachsen“, sagt Cremers. „Die Karte ist für das Wir-Gefühl sehr wichtig.“

Fazit: Mit ihren Bemühungen liegen die Mitglieder von NettePunkt genau auf der Linie, die auch das Bundesbauministerium und der Handelsverbands Deutschland empfehlen. In der Grundlagenstudie „Online-Handel – Mögliche räumliche Auswirkungen auf Innenstädte, Stadtteil- und Ortszentren“ rät das Ministerium dazu Online- und Offline-Einzelhandel zu verbinden. Da es sich für kleine stationäre Geschäfte nicht lohne einen eigenen Online-Auftritt aufzubauen, sei es sinnvoll auf Plattformen für Einzelhändler der Region zurückzugreifen. Das Ministerium rät Städten und Gemeinden dazu, entsprechende Plattformen aufzubauen, wenn sie in der Region noch nicht vorhanden sind.

 

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