Spontanpartys können für Kommunen zur Belastung werden
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Spontanpartys – Fluch oder Segen?

Gemeinsam etwas trinken, reden, lachen und feiern - das ist ein Bedürfnis, dem besonders jüngere Menschen oft im öffentlichen Raum nachgehen. Müll, Lärm und Jugendschutz können dabei zum Problem für Kommunen werden. Doch sollte den Jugendlichen ihr Spaß verboten werden?

Eine kleine Gruppe Jugendlicher trifft sich am Freitag nach der Schule, um gemeinsam etwas zu trinken und zu feiern. Über den Abend kommen Freunde und Freunde von Freunden dazu. Es entsteht eine Feier hunderter Jugendlicher. Eine schöne Zeit für die Heranwachsenden, ein Dorn im Auge vieler Kommunen. Denn diese spontanen Partys können einige Probleme mit sich bringen. Von Beschwerden der Anwohner wegen Lärmbelästigung, Müllbergen, die häufig zurückgelassen werden bis hin zu verschiedenen Sicherheitsrisiken, nicht zuletzt für die Jugendlichen selbst, gibt es für Kommunen einiges zu beachten.

Regelmäßig Spontanpartys in Heidenheim

Eine Kommune, die sich derzeit intensiv mit Spotanpartys beschäftigt, ist die Kreisstadt Heidenheim an der Brenz. Hier versammelt sich freitagabends eine Gruppe von bis zu 300 Jugendlichen am Ufer der Brenz vor einem Supermarkt. Im letzten Sommer kam es wiederholt zu Beschwerden von Anwohnern, weil die Jugendlichen laut seien, viel Müll hinterließen und teils in die angrenzenden Vorgärten urinierten. Bürgermeisterin Simone Maiwald versucht nun die Sorgen der Bürger auszuräumen. Sie sagt jedoch auch:

Ich bin der Meinung, dass solche Treffen junger Leute zum städtischen Leben dazugehören. Das ist ein ganz normales Bedürfnis Jugendlicher, aber wir müssen bei so großen Gruppen natürlich auch Präsenz zeigen.

Maiwald zu Spontanpartys
Simone Maiwald, Bürgermeisterin von Heidenheim

Deshalb hat die Stadt einige Maßnahmen ergriffen. So wurden mehrfach Streetworker zu den Jugendlichen geschickt. Sie sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sie gesprächsbereit sind und es sich nicht um eine auffällige Gruppe handelt. Wenn die Jugendlichen nach 22 Uhr laut sind, werden sie vom Ordnungsamt gebeten, den Platz zu verlassen. Sie hätten sich dabei noch nie verweigert, erzählt Maiwald.

Müll ist das Hauptproblem

„Das einzige Problem, das wir bisher nicht in den Griff bekommen, ist der Müll.“ Die Mülleimer auf dem Platz seien am Freitagabend schnell voll. Es gebe zwar einen großen Unterflurcontainer nahe dem Platz, doch der werde von den Jugendlichen nicht genutzt. Auch extra zu diesem Zweck am Platz aufgehängte Mülltüten konnten nicht helfen. „Wenn man die Jugendlichen am frühen Abend darum bittet, den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen, sind sie kooperativ“, sagt Maiwald. „Doch dann – vermutlich mit zunehmendem Alkoholkonsum – funktioniert es doch nicht.“ Deshalb schickt die Stadt jeden Samstagmorgen einen Extratrupp von der Stadtreinigung zum Platz vor dem Supermarkt. Nun soll die Müllsituation samstagmorgens mit Fotos dokumentieren und daraus eine Filmsequenz gemacht werden, die den Jugendlichen die Konsequenzen ihres Handelns vor Augen führt. Die Anwohner hat die Bürgermeisterin bereits zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen. Sie hat mit ihnen über ihre Beschwerden gesprochen und einige Sorgen ausräumen können. Der Dialog soll offen bleiben. Wann immer die Anwohner neuen Gesprächsbedarf sehen, könne ein neues Treffen ausgemacht werden. Für die Jugendlichen soll auf der anderen Seite mehr Programm geschaffen werden. „Die Situation gibt mir Anlass, unser Angebot für Jugendliche zu überprüfen“, sagt Maiwald. „Es scheint einen höheren Bedarf zu geben, als wir derzeit decken können.“

Jugendlichen öffentliche Veranstaltungen bieten - Aber wie?

Doch große Veranstaltungen für Jugendliche anzubieten, ist für kleinere Kommunen oft ein Problem. „Kommunen wissen bei Veranstaltungen für Jugendliche, wie Festivals, oft nicht, wie sie vorgehen sollen“, erklärt auch Franziska Pollin, Projektleiterin Popularmusikszene beim LAG Soziokultur Brandenburg. „Sie machen sich Sorgen über den Immissionsschutz oder haben Bedenken bezüglich der Brandgefahr.“ Wenn Kommunen mit der Genehmigung überfordert seien, kämen die Veranstaltungen häufig gar nicht zustande. „Die meisten Kommunen wissen nicht, dass sie sich etwa bei uns Hilfe holen können“, sagt Pollin. „Wenn sich Veranstalter oder auch Kommunen an uns wenden, setzen wir uns gerne auch mal mit Bürgermeistern, Umweltdezernenten, Veranstaltern und allen anderen involvierten Parteien zusammen und versuchen gemeinsam eine Lösung zu finden. Es müssen nur auch alle bereit sein, ihre Hausaufgaben zu machen.“

WET-Festival ist für Sindelfingen ein Segen

WET-Festival

Und das lohnt sich, ist sich Christian Kaipert, Amtsleiter Sport und Bäder in Sindelfingen, sicher. In diesem Sommer wird die 65.000-Einwohner-Stadt erstmals das WET-Festival ausrichten, bei dem tausende Feierlustige im Freibad zu Techno-Rhythmen tanzen. „Damit können wir etwas für unsere Jugendlichen tun und gleichzeitig mehr Bekanntheit für unser wunderschönes Freibad bekommen“, sagt Kaipert. Bevor die Stadt die Veranstaltung genehmigte, holte sie zunächst ein Lärmschutzgutachten vom Veranstalter ein und ließ sich ein Sicherheitskonzept vorlegen. „Der Veranstalter ist sehr professionell und wir haben keine Bedenken, das Festival stattfinden zu lassen“, sagt Kaipert. Auch die Stadt musste natürlich vorher prüfen, ob sie das nötige Personal hat und ein eigenes Sicherheitskonzept erarbeiten. In der Kommunikation nach außen sei man immer sauber und synchron vorgegangen und habe den Sindelfingern deutlich gemacht, dass das Festival eine große Chance für die Kommune ist. Daher habe es kaum Bedenken gegeben. „Es ist ein schönes Format und wir hoffen, dass wir es beibehalten können.“

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