Die Unterbringung von Flüchtlingen in Heimen ist nicht unumstritten. © Norafotos/fotolia.com

Wissenschaftler: Flüchtlingsheime sind „integrationsfeindlich“

Di, 21.10.2014

Kay Wendel meint, dass die Übergriffe auf Asylbewerber in mehreren Unterkünften in NRW hätten vermieden werden können. Er verlangt ein unabhängiges Beschwerde-Management in Flüchtlingsheimen.

Ist die Unterbringung von Flüchtlingen in Heimen ein Hindernis für die Integration? Diese These vertritt der Wissenschaftler Kay Wendel in seiner Studie, die er im Auftrag der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl erstellt hat.

Die Bundesländern agieren völlig unterschiedlich

Der Forscher arbeitet für den Flüchtlingsrat Brandenburg. In seiner Expertise ist er zum Ergebnis gekommen, dass die einzelnen Bundesländer in den vergangenen Jahren sehr unterschiedlich auf die gestiegenen Flüchtlingszahlen reagiert haben. Während Rheinland-Pfalz über 90 Prozent der Flüchtlinge in Wohnungen unterbringt, gilt dies in Sachsen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz für gerade mal 30 Prozent der Flüchtlinge.

Verstärken Gemeinschaftsunterkünfte Konflikte?

Wendel ist überzeugt, dass eine Unterbringung in Flüchtlingsheimen keine ideale Lösung ist. Die Stadt Köln habe die Erfahrung gemacht, dass Gemeinschaftsunterkünfte mit mehr als 80 Bewohnern ungünstig für das Zusammenleben sind. Konflikte würden dadurch verstärkt, die Integration behindert.

Was fehlt, sind Konzepte für die Unterbringung

Wendel kritisiert, dass einige Bundesländer und Landkreise sich auf den Bau neuer Großunterkünfte konzentrieren. Diese seien integrationsfeindlich und produzierten Folgeprobleme, mit denen die Kommunen überfordert seien. Was fehle, seien Unterbringungskonzepte. Darüber hinaus machte sich Wendel dafür stark, dass die Landesregierungen verbindliche Mindeststandards verabschieden, die auch durch eine Heimaufsicht und ein Monitoring kontrolliert werden. Ebenso wichtig sei die Schaffung von unabhängigen Beschwerdestellen, an die Flüchtlinge sich bei Problemen wenden können. Ein solches Beschwerdemanagement hätte schlimme Vorkommnisse wie die Übergriffe von Wachleuten auf Flüchtlinge verhindern können, sagte der Politikwissenschaftler. Die vollständige Studie können Sie hier nachlesen und/oder herunterladen: Laendervergleich_Unterbringung_2014-09-23_01

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