Klärschlamm
Anton Belovodchenko
Klärschlamm

Kostenrisiko Klärschlamm

Fr, 01.03.2019
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Mehr als 9.900 Millionen Kubikmeter Abwasser werden in Deutschland jährlich gereinigt. Zurück bleibt der Klärschlamm. Etwa 1,85 Millionen Tonnen waren es im Jahr 2012. Die am 3. Oktober 2017 in Kraft getretene Novelle der Klärschlammverordnung zwingt die Kommunen nun dazu, ihre Verwertungskonzepte zu überdenken.

Die wichtigsten Inhalte der Novelle

Im Sinne eines nachhaltigen Umwelt- und Ressourcenschutzes wird zukünftig die bodenbezogene, also die landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms, weitgehend verboten. Ab 2029 ist die bodenbezogene Verwertung von Klärschlamm nur noch für Abwasserbehandlungsanlagen mit einer Ausbaugröße von bis zu 100.000 Einwohnerwerten zulässig, ab 2032 nur noch für Anlagen mit einer Ausbaugröße von bis zu 50.000 Einwohnerwerten. Innerhalb einer Übergangsfrist von 12 bis 15 Jahren muss zudem der im Klärschlamm enthaltene Phosphor zurückgewonnen werden.

 

Problematiken und Herausforderungen für die Kommunen

Die Kommunen stehen derzeit vor einem Entsorgungsnotstand: Neben den Regelungen der Klärschlammnovelle sorgen einerseits die strengeren Bodengrenzwerte dafür, dass im Straßen- und Landschaftsbau der Einsatz von Klärschlamm – etwa für Lärmschutzwälle – zurückgehen wird. Andererseits fällt mit der Stilllegung der Kohlekraftwerke eine weitere Verwertungsmöglichkeit weg. Die Entsorgungspreise schießen gerade in die Höhe und es wird ein zusätzlicher Anstieg erwartet. 

Aktuell werden etwas mehr als die Hälfte der 1,85 Millionen Tonnen Klärschlamm verbrannt. Die 23 deutschen Monoverbrennungsanlagen zur Klärschlammverwertung haben eine Gesamtkapazität von etwa 620.000 Tonnen. Um der Entsorgungsproblematik entgegen zu wirken, sind derzeit weitere Neubauprojekte geplant. Allerdings gibt es zahlreiche Kläranlagen, die weit von der nächsten Monoverbrennungsanlage entfernt liegen, sodass die betroffenen Kommunen hohe Transportkosten in Kauf nehmen müssen. 

 

Klimaneutrale Lösungen auf dem Vormarsch

Um ökologische Ziele auch abseits von großen Ballungszentren zu erreichen und LKW-Kilometer sowie C02-Emissionen einzusparen, werden zukünftig wohl dezentrale Lösungen ins Auge gefasst werden, die es ermöglichen, den Klärschlamm dort zu verarbeiten, wo er entsteht. Es gibt klimaneutrale Trocknungsverfahren, wie etwa jene des Unternehmens Thermo-System-GmbH, die vor Ort zum Einsatz kommen. Sie entziehen der Klärschlammmasse Feuchtigkeit und reduzieren das Volumen dadurch um zwei Drittel. Aus 120 LKW-Ladungen werden 40 und der ökologische Fußabdruck verkleinert sich deutlich. Durch die Nutzung solarer Energie sind die Verfahren nachhaltig und energieeffizient. Auch Abwärme aus beliebigen Abwärmequellen lässt sich einsetzen, um die Trocknungsleistung zu steigern. Das Endprodukt ist optimal verwertbar – der Heizwert von Trockenschlamm ist vergleichbar mit jenem von Braunkohle. 

 

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