Klassische Kaffebecher liegen immer wieder auf Straßen oder Wiesen herum - zum Ärger der Kommunen!

Mehrwegbecher anstatt Wegwerfbecher!

Coffee-to go ist voll im Trend. Der Verkauf boomt und spült Cafès und Tankstellen ordentlich Gewinn ein. Doch es gibt auch eine Schattenseite: Die Pappbecher landen auf der Straße, verstopfen die Mülleimer am Wegrand und treiben die Entsorgungskosten in die Höhe. Eine Lösung? Probieren mehrere Kommunen gerade aus.

    Ohne Kaffee? Ohne mich! Unter diesem Motto leben die meisten Deutschen. 87 Prozent trinken an sieben Tagen in der Woche das aromatisch-herbe Gebräu. Darauf verzichten? Wollen die Deutschen nicht mal, wenn sie unterwegs sind – und bestellen sich ihr Lieblingsgetränk bei Starbucks, Mc Donalds, an der Tanke oder dem Bäcker. Mittlerweile wird jeder vierte Liter Kaffee außer Haus getrunken, das schätzt der Deutsche Kaffeeverband. Das Geschäft mit Kaffee? Boomt! Genauso wie der Müll, der dadurch entsteht: Rund 320.000 Papp-Kaffeebecher verbrauchen wir pro Stunde und viele schmeißen den Becher nach dem Trinken achtlos weg. So landen die Kaffeebecher auf Wiesen, an Straßenrändern oder verstopfen die Papierkörbe in den Straßen. Deshalb suchen viele Städte nach Möglichkeiten, den Müll zu reduzieren. Eine Alternative bietet RECUP. Das Münchner Start-Up produziert Mehrwegbecher aus Kunststoff und verteilt sie an Cafès, Bäckereien oder Kioske, die mitmachen. Und das ist aus kommunaler Sicht auch dringend nötig: Denn normale Einwegbecher machen bis zu 17 Prozent des herumliegenden Mülls aus. Damit zerstört der Anblick leerer Kaffeebecher das Stadtbild und wird auch noch in der Entsorgung teuer. Allein die Uni Tübingen gab 2015 rund 16.000 Euro für das Einsammeln von Pappbechern aus. Durch das Pfandsystem hingegen soll der Müll reduziert werden.  

Mehrwegbecher um den Müll zu reduzieren

Wie das Konzept funktioniert? Ganz einfach: Die Becher werden für 1€ Pfand an die Kaffeetrinker ausgegeben, die die Becher für die Zeit des Verzehrs leihen und anschließend ungespült bei den Cafés zurückgeben können, wo sie im Austausch ihren Euro Pfand zurückerhalten. Kaffeeanbieter geben die Mehrwegbecher nicht nur aus, sondern sammeln sie auch wieder ein und spülen sie. So kann der Kaffee beispielsweise in München am Bahnhof geholt, auf der Zugfahrt ausgetrunken und in Augsburg zurückgegeben werden.   Doch: Was sind genau die Vorteile des Pfandsystems? KOMMUNAL hat bei Iris Vilsmaier, Sales-Managerin bei RECUP nachgefragt: „Mehrwegbecher sind viel umweltfreundlicher als Einwegbecher – das haben wir in einer Studie mit dem Amt für Umwelt und Energie untersucht. Denn die Becher sind aus Polypropylen. Das Material ist nicht nur extrem haltbar, sodass die Becher bis zu 500 Mal benutzt werden können. Sondern es ist auch leicht zu recyceln. Im Gegensatz zu anderen Materialien wie etwa Bambus muss das Material nicht mit künstlichen Klebern und Weichmachern gemischt werden. Diese Stoffe stehen in Kritik, weil sie die Gesundheit der Verbraucher schädigen, indem sie den Hormonhaushalt im Körper negativ beeinflussen.“ Und auch von den Kosten könnte sich RECUP für die Cafès lohnen: Ein ganz normaler Pappbecher kostet circa 8 Cent. Spart ein Cafè 15 Becher am Tag an fünf Tagen in der Woche, hat es die Teilnehmergebühr schon fast wieder drin. So lohnt sich der Einsatz von den Mehrwegbechern schon nach wenigen Anwendungen. Für die Cafès ist es außerdem von Vorteil, dass die Kunden ihr Pfand zurückgeben wollen und dafür extra wieder ins Geschäft kommen müssen. Denn bei der Gelegenheit kaufen sie vielleicht einen neuen Kaffee oder nehmen sich noch ein Stück Kuchen mit. Zusammenfassend lässt sich also sagen: „Die Unternehmen können ihren Umsatz steigern, etwas zum Umweltschutz beitragen und sich gleichzeitig als nachhaltiges Cafè repräsentieren“, weiß Iris Vilsmaier.   Sie wollen mehr über die Öko-Bilanz der Mehrwegbecher erfahren? Finden Sie hier: tabelle recup

Es wird vor Mehrwegbechern gewarnt, aber...

Die Vorteile liegen also auf der Hand. Doch wie sieht es mit den Nachteilen aus? In Freiburg sind laut Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsgesellschaft 28.000 Kaffee-Cups im Umlauf – doch es hapert am Rücklauf der Becher. Auch ein Blick in die regionalen Zeitungen zeigt, dass das Pfandsystem immer wieder kritisiert wird. So warnen der Deutsche Kaffeeverband, Hygieneämter und Landesämter für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz landauf landab vor hygienischen Mängeln. Denn dadurch dass die Käufer die Becher in einer Tasche tragen, ins Auto legen oder mit dreckigen Händen anfassen, können die Cups in Kontakt mit Bakterien kommen. Beim Einschenken können sich die Bakterien jedoch an Kaffeemaschinen und Schankanlagen übertragen. Aber ist diese Kritik überhaupt gerechtfertigt? Das Unternehmen findet nicht: „Klar, droht eine Verkeimung, wenn man mitgebrachte Kaffeebecher wieder auffüllt. Aber das ist überhaupt nicht der Sinn des Pfandsystems: Vielmehr sollen die Kunden ihren alten Becher abgeben und ihren frischgebrühten Kaffee in einem Becher bekommen, den das Cafè vorher längst gereinigt hat“, erklärt Vilsmaier. Eine weitere Kritik kommt von vielen Umweltschützern, die sich an dem Plastik des Bechers stören. „Wir können die Verwunderung darüber, dass der Becher aus Plastik ist und gleichzeitig umweltfreundlich sein soll sehr gut nachvollziehen. Momentan ist das Material Polypropylen jedoch die nachhaltigste Alternative. Denn bei der Herstellung der Becher wird nur wenig Energie verbraucht und die Recyclingfähigkeit des Materials ist sehr gut. Dabei ist das Material derzeit die nachhaltigste Option für ein Pfandsystem, denn es übersteht viel mehr Spülgänge, als beispielsweise Bambusbecher, und verbraucht weniger Energie als Keramikbecher, die bei der Herstellung aufwendig gebrannt werden müssen. Dennoch nehmen wir uns die Kritik sehr zu Herzen und sind auf der Suche nach anderen Materialien wie etwa Biokunststoffen“, erklärt Iris Vilsmaier. Trotz der Kritik kommt der Mehrwegbecher in ganz Deutschland sehr gut an. Denn ein Euro Pfand kann sich zwar jeder leisten. „Dennoch ist es so viel Geld,  dass man nicht darauf verzichten will und den Becher einfach wegwirft“, erklärt Vilsmaier das Konzept. Und genau diesen Vorteil haben mittlerweile viele Städte erkannt und das Pfandsystem eingeführt. Darunter sind Großstädte wie Hamburg und Berlin, aber auch kleinere Städte wie Wasserburg am Inn, Greifswald, Eckernförde und die Insel Sylt. Während die Cafès in großen Städten vor allem durch die hohe Laufkundschaft profitieren, sind es in den ländlichen Regionen viele Bäcker und Tankstellen, die viel Kaffee verkaufen.   

Was tun, wenn eine Kommune den Mehrwegbecher einführen will?

„In Wasserburg am Inn haben wir uns für das Pfandsystem entschieden, weil unser Haushaltsmüll zu einem großen Teil aus leeren Pizzaschachteln und Coffe-to-go-Bechern bestand. Das wollten wir ändern“ erklärt der Klimaschutzmanager der Stadt Wasserburg Josef Allio. Er erfuhr durch mehrere Zeitungsberichte von dem Pfandsystem und sah darin die Chance, an Entsorgungskosten zu sparen. „Wir haben erst bei den Händlern nachgefragt, ob sie Interesse an den Mehrwegbechern haben und kurz darauf eine Info-Veranstaltung im Rathaus gehalten, zu der auch ein Vertreter von RECUP kam und offene Fragen geklärt hat. Allen war eigentlich relativ schnell klar, dass Wasserburg am Inn mitmachen will, weshalb wir schon nach ein paar Monaten den ersten RECUP mit individuellem Design in der Hand hielten“, erinnert sich der Klimaschutzmanager. Und tatsächlich machen in der 13.000 großen-Einwohnerstadt immer mehr Cafès mit. „Falls eine Kommune das Pfandsystem ebenfalls einführen will, würde ich ihr einen Tipp unbedingt mitgeben: Und zwar immer mit dem Wirtschaftsförderverband zusammenzuarbeiten. Einfach, um von den guten Kontakten und dem guten Standing zu profitieren“, schließt Allio ab.   

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