Die kommunalen Schulden sind auf einem Höchststand

Schulden: So tief steckt Ihre Kommune in der Kreide

Mehr als 3500 Euro - mit dieser Summe steht jeder Deutsche statistisch betrachtet allein über seine Stadt oder seinen Landkreis in der Kreide. Schockierende Zahlen durch ein neues Rechenverfahren!

Wir wissen es alle - nichts ist für die Zufriedenheit der Menschen vor Ort so wichtig, wie die Infrastruktur in der eigenen Stadt oder Gemeinde. Vom Schulgebäude über die Schwimmhalle bis zur Straße und zum Wasserwerk - das Leben spielt sich in den Kommunen ab. Entsprechend macht es einen erheblichen Unterschied, ob ein Bürger in einer "reichen" oder "armen" Kommune zu Hause ist. Das Statistische Bundesamt hat nun ausgerechnet, dass jeder Einwohner über seine Stadt oder seinen Landkreis mit exakt 3509 Euro in der Kreide steht. Da sind - wie beschrieben - die Schulden der Länder und des Bundes noch gar nicht erfasst.

Schulden- Berechnung von Destatis wertet sauberer aus

Das Statistische Bundesamt hat sich bei seiner Berechnung bewusst nicht nur auf die Kassenkredite und die Investitionskredite der Kommunen konzentriert. Mit eingeflossen sind neben den Kernhaushalten auch die Extrahaushalte, alle Fonds, Betriebe und Einrichtungen. Das erscheckende Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Schulden entfallen auf Kommunale Unternehmen! "Es ist gut, diese Kredite zu berücksichtigen, denn letztlich fallen sie den Steuerzahlern auf die Füße", kommentiert Joachim Papendieck vom Bund der Steuerzahler in Hessen die Berechnung in einem Interview.

Bei den Schulden sind die regionalen Unterschiede enorm

Ist der Durschnittsbewohner einer Kommune in Bayern mit knapp 2300 Euro verschuldet - rein statistisch zumindest - so sind es in Bremen fast 34.000 Euro. Überhaupt liegen die Stadtstaaten ganz weit vorne. Berlin kommt auf 20.500 Euro, Hamburg auf 20.300 Euro. Die Flächenländer Baden-Württemberg, Sachsen, Niedersachsen und Brandenburg hingegen schneiden mit Werten unter 3000 Euro relativ gut ab. Einzig das Saarland (6900 Euro) und Hessen (5400 Euro) liegen ebenfalls sehr schlecht im Ranking. Schaut man auf einzelne Städte, werden die Unterschiede noch deutlicher. Pirmasens in Rheinland-Pfalz zum Beispiel - die kreisfreie Stadt mit ihren 40.000 Einwohnern bringt es nach der Berechnung der Statistiker auf eine Pro Kopf Verschuldung von 11.500 Euro. Ähnlich die Stadt Kaiserslautern, mit 11.400 Euro. Setzt man die Zahl ins Verhältnis zu dem verfügbaren Einkommen je Kopf von knapp 20.000 Euro im Jahr, wird deutlich, wie hoch die Verschuldung ist. Denn es handelt sich eben ausschließlich um die städtischen Schulden.

Diese Ausgaben führen in die Schulden - Falle

Mit Abstand größter Ausgabeposten sind die sozialen Leistungen. Das beginnt bei Wohnbeihilfen für Sozialhilfeempfänger und auch die Integration der Flüchtlinge reißt große Löcher in die angespannten Kassen. Bundesweit geben die Kommunen pro Jahr 65 Milliarden Euro für Sozialleistungen aus. Die Zahlen zeigen, dass viele der Haushaltsprobleme nicht hausgemacht sind. Städte mit hohen Armutsquoten, hoher Arbeitslosigkeit und strukturschwache Regionen führen das Negativ-Ranking an. Auf der anderen Seite der Skala liegen vor allem Kommunen in Bayern. In Kempten beträgt die kommunale Pro-Kopf-Verschuldung 375 Euro, in Memmingen sind es 1400 Euro und in Aufbeuren und Amberg 1500 beziehungsweise 1600 Euro. Dazu noch mal im Vergleich: Darmstadt 15.000 Euro oder Mainz 11.000 Euro. Noch dramatischer sieht es in den Stadtstaaten mit über 20.000 Euro bzw. in Bremen 34.000 Euro aus. Wobei hier häufig keine saubere Trennung zwischen kommunalen und Landesschulden möglich ist.

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