Landregionen müssen gefördert werden, damit die Demokratie funktioniert, so der DIW

Studie fordert Stärkung der ländlichen Räume

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schreibt der Politik ins Buch, mehr für die ländlichen Räume in Deutschland zu tun. Eine Studie des DIW ergab, dass die AfD vor allem in Wahlkreisen mit Zukunftssorgen punktet.

Das DIW hat sich anhand sämtlicher Wahlkreise in Deutschland ein Bild über die Situation der AfD gemacht. Das Ergebnis bringt einige spannende Punkte zum Vorschein. Weniger ein Ost-West Gefälle ist zu erkennen, als vielmehr ein Gefälle zwischen Regionen mit Zukunftssorgen und solchen, die boomen.

ländliche Räume und die AfD - die Details

DIW-Präsident Marcel Fratzscher zitiert heute im Deutschlandfunk folgende Eckpunkte aus der Studie: - Die AfD punktet in Wahlkreisen, in denen besonders viele Ältere Menschen leben - Die AfD gewinnt in Regionen, in denen es wenig Industrie und wenige große Arbeitgeber gibt - Die AfD hat die besten Ergebnisse in den Wahlkreisen, in denen die wirtschaftliche Unsicherheit besonders hoch ist - Die AfD gewinnt jedoch beiweitem nicht nur Arbeitslose, sondern vor allem Männer, die "Zukunftssorgen" haben - etwa Angst um ihren Arbeitsplatz oder ihre Rente. Im Ergebnis fasst die Studie zusammen, spielt der Ausländeranteil in einer Region keine Rolle für die Ergebnisse. Nahezu ausschließlich das Umfeld und die Zukunftsperspektiven einer Region sind ausschlaggebend. "Die Frustration von Menschen ist der Grund. Als Sündenbock für die eigenen Ängste müssen dann Ausländer herhalten", so Fratzscher.

DIW fordert Investitionsprogramm für ländliche Räume

Die Politik in Bund, Ländern und Kommunen sei gut beraten, die weniger verdichteten Räume der Wahlkreise in den Blick zu nehmen, heißt es in der Studie. Dabei komme es nicht nur auf einen Ost-West Vergleich an, es gebe auch immer stärker ein Nord-Süd Gefälle. Konkret schlagen die Forscher vor, in strukturschwachen Regionen öffentliche Investitionen zur Absicherung der Grundversorgung zu stärken, also die Infrastruktur auszubauen. Ländliche Räume bräuchten vor allem gute Schulen, damit junge Menschen bleiben und nicht abwanderten. Aber auch die Situation von Krankenhäusern in ländlichen Regionen solle die Politik stärker in den Fokus nehmen. Vor allem sei es aber wichtig, genau in diesen Regionen neue Unternehmen anzusiedeln.

Kommunenvertreter fordern mehr Engagement für ländliche Räume

Auch beim Deutschen Städte- und Gemeindebund stößt die Studie des DIW auf offene Ohren. Ihr Hauptgeschäftsführer, Gerd Landsberg erklärte wörtlich: "In Deutschland haben wir eine zunehmende Spreizung zwischen reichen und armen Kommunen und Regionen. Diese Entwicklung steht vielerorts in direkter Beziehung zu den Auswirkungen des demografischen Wandels. Wir entfernen uns zunehmend von dem Auftrag des Grundgesetzes, der vorsieht, dass die Lebensverhältnisse in ganz Deutschland gleichwertig sein sollen. Hier muss die Politik entschlossen gegensteuern, um dem Gefühl abgehängt zu sein entgegenzuwirken und Radikalisierungstendenzen wirksam zu bekämpfen. Dazu gehört das Bekenntnis, die Daseinsvorsorge - von der ärztlichen Versorgung über eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur bis zu einem funktionsfähigen ÖPNV  - flächendeckend zu gewährleisten. Die neue Bundesregierung muss ein Aktionsprogramm zur Stärkung der ländlichen und abgehängten Regionen auflegen. Behörden, aber auch Wirtschaftsstrukturen, müssen dort gestärkt werden. Notwendig sind Hoffnungssignale für die Menschen vor Ort, die ihnen vermitteln, dass sie nicht vergessen sind und dass man sich auch in der „großen Politik“ um sie kümmert. Wichtig ist es, nicht allein Geld zu verteilen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, so dass die Stärken, die es in jeder Region gibt weiterentwickelt werden können. Die Kommunen stehen bereit, ein solches Programm mitzutragen und auszugestalten."

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