Hitzeaktionspläne und Maßnahmen gegen Trockenheit - was Kommunen tun, um die Wasserversorgung zu gewährleisten und Waldbrände zu verhindern
Hitzeaktionspläne und Maßnahmen gegen Trockenheit - was Kommunen tun, um die Wasserversorgung zu gewährleisten und Waldbrände zu verhindern
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Notfallpläne

Trockenheit und Waldbrände: Erste Kommunen verbieten Garten-Bewässerung

Unter dem Stichwort Wetterextreme lassen sich wohl gleich zwei aktuellen Diskussionen in Kommunen zusammenfassen. Da ist einerseits die Trockenheit und die Gefahr von Waldbränden und auf der anderen Seite die Sorge vor Stromausfällen durch Energieknappheit und massiv gestiegene Kosten. Von Grillverbot bis Hitzeschutzplänen - was Kommunen gerade tun - ein Überblick:

Es ist nur eine kleine Maßnahme gegen die Trockenheit, aber sie macht deutschlandweit Schlagzeilen: Jena hat wegen der Trockenheit seinen Bürgern verboten, Gießkannen mit Wasser aus Flüssen und Bächen der Stadt zu befüllen. Auch Pumpen zum Bewässern des Gartens dürfen vorerst nicht mehr laufen. Und weitere Städte und Gemeinden haben schon Allgemeinverfügungen zu Wasserentnahmen angekündigt oder umgesetzt. In Thüringen haben schon mehrere Städte ihren Bürgern Regeln im Umgang mit den Gewässern verordnet. Wer dort etwa zum Bewässern des Gartens eine Erlaubnis für eine Pumpe hatte, darf das nun vorerst nicht mehr tun. Aus der Saale darf ebenfalls kein Wasser mehr entnommen werden. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt hat für diese Woche ebenfalls eine Allgemeinverfügung angekündigt. Grund seien die niedrigen Regenmengen in den Monaten April und Mai und die anhaltende Bodentrockenheit. Im Weimarer Land wurde bereits Anfang Juni die Entnahme von Wasser aus oberirdischen Gewässern generell untersagt - auch das Abschöpfen mit Gefäßen. Einzige Ausnahme ist das Tränken von Vieh. Ähnliches droht in Baden-Württemberg. Die dortige Landesanstalt für Umwelt erklärte am Wochenende, der derzeitige Wasserstand in den Bächen und Flüssen sei außergewöhnlich niedrig für die Jahreszeit. 

In anderen Regionen Deutschlands ist die Gefahr der Wasserversorgung hingegen noch kein Thema. Der Südwestrundfunk etwa hatte am Wochenende eine Umfrage unter Kommunen gemacht. Das Ergebnis: Trotz der hohen Temperaturen sieht man hier keine Gefahr für die Wasserversorgung.  Laut den Kommunen ist des demnach aktuell nicht notwendig, die Bürger zum Wassersparen aufzurufen. Stattdessen appelliere man, Wasser verantwortungsbewusst zu verbrauchen. Darauf werde auch in den kommunalen Einrichtungen geachtet.

Trockenheit führt zu riesigen Waldbränden - Kommunen beugen mit Verordnungen vor 

Die tropischen Temperaturen vor allem in Mitteldeutschland haben in den vergangenen Tagen die Waldbrandgefahr massiv steigen lassen. In Treuenbrietzen in Brandenburg mussten mehrere Ortsteile wegen eines Flächenbrandes evakuiert werden - inzwischen ist der Brand unter Kontrolle, nachdem es am Montagfrüh angefangen hat zu regnen. Der Großbrand drohte sich in Richtung der Stadt Beelitz auszuweiten. Heute früh gab Bürgermeister Bernhard Knuth aber Entwarnung: "Es brennt auf 200 Hektar, aber die Flammen breiten sich nicht weiter aus", sagte er am Morgen. Anwohner mehrerer Straßen wurden aber ebenfalls bereits in Sicherheit gebracht. Evakuierungspläne für eine Klinik in Beelitz-Heilstätten wurden vorbereitet, müssen nun aber offenbar nicht umgesetzt werden. Notunterkünfte wurden in Turnhallen, Pensionen und auf Spargelhöfen eingerichtet.

Wegen solcher Ereignisse fordert der Deutsche Wetterdienst auch mehr Warnung durch die Kommunen. Der Metereologe Andreas Mazarakis erkärte am Wochenende, er sehe die Kommunen in der Pflicht, Menschen rechtzeitig vor Hitze zu warnen. Hitzeaktionspläne seien eine gute Grundlage, um auf kommunaler Ebene reagieren zu können. Die Städte seien oft nicht informiert und vorbereitet, sagte er der Badischen Zeitung. So müssten Städte und Gemeinden ihre Bürger etwa darauf hinweisen, dass sie besonders viel trinken sollen, Sonne meiden und Aktivitäten reduzieren müssten.  

Anderswo haben Kommunen schon reagiert: Wegen der hohen Waldbrandgefahr etwa haben viele Orte im Landkreis Main-Spessart ein Feuerverbot ausgesprochen. Das hat auch Auswirkungen etwa auf das Grillen, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Denn viele Kommunen schränken darüber auch das Grillen massiv ein. So darf der Grill mancherorts – etwa in den Orten der Verwaltungsgemeinschaft Marktheidenfeld – nur auf feuerfestem Untergrund stehen. In der Stadt Lohr gilt ein Feuerverbot für das gesamte Stadtgebiet, dass auch für Lagerfeuer auf privaten Grundstücken gilt. Ausgenommen von diesem Verbot sind allerdings Holzkohle-, Gas- und Elektrogrills im privaten Bereich innerorts. Im Interview äussert sich beim BR etwa der Bürgermeister von Karlstadt, Michael Hombach: "Im Rathaus sorgen wir uns um die angrenzende Natur: Wir haben ja rund um das Stadtgebiet von Karlstadt Naturschutzgebiete, die bekannt sind für ihre Trockenrasen", sagt der Bürgermeister. Auf keinen Fall dürfe dort achtlos eine Zigarette weggeworfen werden. Selbst die Splitter einer kaputten Glasflasche könnten unter Umständen einen Brand auslösen.

Auch in anderen Regionen - etwa im Rhein-Neckar-Kreis wurden Feuerstellen und Grillplätze in der Rheinebene gesperrt. Allerorten weisen die Forstämter auf die geltenden Rauchverbote hin. 

Ärztekammer fordert nationalen Hitzeaktionsplan für Deutschland 

Der Präsident der Bundesärztekammer geht noch einen Schritt weiter - er will generelle Hitzeaktionspläne in Kommunen gesetzlich verankern. In Wien etwa oder auch in Frankreich, Spanien und Italien gebe es solche Hitzeschutzpläne. Das zuständige Ministerium für Umwelt und Naturschutz verweist derweil auf seine Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen. Die Verantwortung liege hier eindeutig bei den Kommunen. Das Ministerium hatte im Jahr 2017 zusammen mit den Ländern einen Leitfaden erarbeitet. Acht Kernelemente werden darin genannt. Es beginnt mit Tipps zur Koordinierung über die Bereiche Information und Kommunikation bis zu Hinweisen für besondere Risikogruppen, etwa Ältere Menschen. Im Weiteren geht das Papier auch auf Möglichkeiten bei der langfristigen Stadtplanung ein.  Das Papier mit den Handlungsempfehlungen finden Sie HIER zum Herunterladen. 

Hitzeaktionsplan - die Handlungsempfehlungen des Ministeriums zum Herunterladen

Abkühlung wird schwieriger - Kommunen drosseln Temperaturen in Schwimmbädern 

Zeitgleich mit der Hitzewelle geht die Diskussion um Maßnahmen durch die drohende Energiekrise in Kommunen weiter. Nachdem Russland am Freitag seine Gasausfuhren nach Deutschland um 60 Prozent gedrosselt hat, haben Freibäder wie etwa in Köln die Wassertemperatur gesenkt, um Energie zu sparen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund befürchtet im Sommer eine Schließung von Freibädern. Auch Immobilienwirtschaft und Kommunen bereiten sich darauf vor, Heizungen und Warmwasser zwangsweise zu drosseln. Kommunale Wohnungsunternehmen bereiten sich laut einem Bericht der Zeitung Welt auf eine mögliche Drosselung von Heizungen und Warmwasser vor. Die Kommunenvertreter hatten ihren Mitgliedsgemeinden zuvor geraten, "konkrete Einsparpläne" zu prüfen. Dazu gehörten etwa die Absenkung der Temperaturen in Verwaltungsgebäuden, die Reduzierung der Temperatur in Schwimmbädern aber auch eine Festlegung, wo eine Temperaturabsenkung nicht möglich ist, etwa in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. 

Die Zeitung Welt zitiert unter anderem die Wohnungsgesellschaft Berlinovo mit den Worten: „Als Eigentümer können wir trotz bereits vertraglich realisierter Gaseinkäufe nicht garantieren, dass unsere Mieter ausreichend mit Heizenergie versorgt werden“. Im „Fall der Fälle“ käme es auf die „Abschaltreihenfolge“ an. „Hier sind die Wohnungsmieter soweit geschützt, als sie zuletzt von einer Abschaltung mangels Gasverfügbarkeit betroffen wären“, heißt es von Berlinovo.

In Sachsen haben zahlreiche kommunale und private Anbieter unterdessen schon Konsequenzen aus der Gasknappheit gezogen. So teilt der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen mit, dass zahlreiche seiner Mitglieder sich dazu entschlossen hätten, die Heizungen während des Sommers komplett abzustellen.