Weinkönigin Ninorta Bahno © Trierischer Volksfreund / Roland Morgen

Weinkönigin aus Syrien als Zeichen der Integration

Die Syrerin Ninorta Bahno ist die erste geflüchtete Frau, die in einer deutschen Stadt Weinkönigin ist. Im Interview mit KOMMUNAL spricht sie über den Rebensaft und wie sie Botschafterin für Integration sein will.

Die 25-jährige Syrerin Ninorta Bahno ist Triers neue Weinkönigin. Vor mehr als dreieinhalb Jahren floh sie mit ihrer Schwester vor dem damals beginnenden Bürgerkrieg nach Deutschland. Am Mittwochabend (3. August) wurde sie offiziell zur Weinkönigin der Stadt Trier von den Olewiger Winzern gekürt. KOMMUNAL: Glückwunsch zur Wahl zur Weinkönigin, Frau Bahno! Wie kam es, dass Sie Weinkönigin geworden sind und was bedeutet es für Sie, Weinkönigin zu sein? Ninorta Bahno: Der Vorsitzende der Vereinigung Trier-Olewiger Winzer, Peter Terges, wollte ein besonderes Zeichen für die Integration von Flüchtlingen setzen. Er sprach Jutta Albrecht an, die in der Flüchtlingsarbeit engagiert ist. Diese wiederum fragte mich. Letztes Jahr konnte ich schon das Olewiger Weinfest kennen lernen, da ich dort als Dolmetscherin tätig war. Ich habe mir die Sache überlegt und mich entschieden, das Amt zu übernehmen, weil ich so eine Botschafterin für die Integration und für das Zusammenleben in meinem neuen Heimatland werden kann. KOMMUNAL: Wann hatten Sie das erste Mal Kontakt mit Wein? Ninorta Bahno: Auf einer Familienfeier in meinem Heimatland Syrien. KOMMUNAL: Was begeistert Sie an Wein? Ninorta Bahno: Mit Wein verbinde ich frohe und glückliche Stunden, die ich in meiner Heimat im Kreise meiner lieben Familie verbracht habe. Denn bei familiären Feiern wurden bei uns immer besondere Tropfen des edlen Getränks ausgeschenkt. KOMMUNAL: Wie haben Ihre Familie und Ihre Freunde auf die Wahl zur Weinkönigin reagiert? Ninorta Bahno: Alle haben sich über meine Entscheidung gefreut und mir ihre Unterstützung angeboten. Sie finden es einen wichtige Schritt, um mehr über die deutsche Kultur zu lernen und meine Integration zu beschleunigen! KOMMUNAL: Sie selbst sind Christin. Aber in Syrien leben viele gläubige Muslime, die finden, man dürfe keinen Alkohol trinken. Was denken Sie darüber? Ninorta Bahno: Ich komme aus einer sehr toleranten Stadt in Syrien, in der die verschiedenen Religionen bis zum Ausbruch des Krieges friedlich zusammenlebten. Jeder soll seine Religion so leben wie er will.

Ninorta Bahno bei der Krönung zur Weinkönigin © Trierischer Volksfreund / Klaus Kimmling

KOMMUNAL: Sie hatten in Syrien Jura studiert und wollten Richterin werden. Im Jahr 2012 sind Sie mit Ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen. Wie sind Sie nach Deutschland gekommen? Ninorta Bahno: Ich bin über die Türkei auf dem Landweg nach Deutschland geflohen. KOMMUNAL: Was sind Ihre beruflichen Pläne in Deutschland? Ninorta Bahno: Zuerst möchte ich ein Praktikum für eine Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen bei der Agentur für Arbeit abschließen und danach, wenn es alles gut klappt, werde ich natürlich meine Ausbildung ebenfalls bei der Bundesagentur für Arbeit absolvieren. KOMMUNAL: Schon vor Tausenden Jahren wurde in Syrien Wein angebaut. Doch welche Rolle spielt Wein in Ihrem Heimatland Syrien? Ninorta Bahno: Da Wein in der Hauptsache nur von den Christen angebaut und getrunken wird, hat der Wein keine große Bedeutung mehr in meinem Heimatland Syrien. Durch den Bürgerkrieg natürlich jetzt überhaupt nicht mehr. Die Fragen stellte Andreas Maisch.

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