Personenwahl
Uni Düsseldorf: Konservative und Liberale Politiker sind attraktiver als Linke Politiker
Schlechte Nachricht für alle, die glaubten, bei Wahlen gehe es ausschließlich um Haushaltszahlen, Straßensanierung und solide Sacharbeit: Attraktive Politiker haben nach wissenschaftlichen Untersuchungen bessere Wahlchancen. Eine aktuelle Debatte geht sogar noch weiter: Konservative und Liberale schneiden beim Schönheitsvergleich teilweise besser ab als Linke. Für Bürgermeister und Kommunalpolitiker steckt hinter dem augenzwinkernden Thema eine erstaunlich ernsthafte Erkenntnis.
Wer schön ist, hat es auch an der Wahlurne leichter
Wahlforscher beschäftigen sich seit Jahren mit dem sogenannten „Beauty Premium“ in der Politik. Der Befund ist erstaunlich stabil: Attraktiv wahrgenommene Kandidaten erzielen häufig bessere Wahlergebnisse. Untersuchungen zeigen diesen Effekt nicht nur bei Bundestags- oder Europawahlen, sondern ausdrücklich auch bei Kommunalwahlen.
Der Grund ist ein alter psychologischer Trick unseres Gehirns: der Halo-Effekt. Wer attraktiv wirkt, dem schreiben Menschen unbewusst auch andere positive Eigenschaften zu. Schöne Menschen erscheinen häufiger kompetent, sympathisch, erfolgreich und vertrauenswürdig. Das Wahlprogramm hat zu diesem Zeitpunkt möglicherweise noch nicht einmal die Chance bekommen, sich zu verteidigen.
Sind Konservative tatsächlich schöner?
Für besondere Heiterkeit sorgt nun eine Auswertung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Sie hat Daten der Universität Düsseldorf erhoben. Demnach wurden konservative Politiker in mehreren internationalen Untersuchungen attraktiver bewertet als linke Konkurrenten. Im Europäischen Parlament soll der gemessene Unterschied zwischen Konservativen und Sozialdemokraten besonders deutlich gewesen sein.
Deutschland macht die Geschichte allerdings etwas komplizierter – und damit wissenschaftlich interessanter.
Bei einer Bewertung der Direktkandidaten zur Bundestagswahl 2025 landeten die FDP-Kandidaten beim Aussehen vorne. Danach folgten Union, Grüne und SPD. Auf den hinteren Plätzen lagen BSW, AfD und Linkspartei. Die einfache Schlagzeile „rechts schön, links weniger schön“ hält dem deutschen Parteienangebot also nur begrenzt stand.
Und obwohl die FDP-Kandidaten als am attraktivsten angesehen werden, hat ihre Partei bei der gleichen Wahl den Einzug in den Bundestag klar verpasst und kein einziger der Direktkandidaten bekam ein Mandat.
Für Bürgermeister wird es besonders interessant
Für die kommunale Ebene ist ein anderer Befund viel wichtiger.
Der Attraktivitätseffekt fällt dort besonders ins Gewicht, wo Menschen unmittelbar Personen wählen. Forschungen zeigen, dass Aussehen bei Direktkandidaten und in stärker personenbezogenen Wahlsystemen eine größere Rolle spielen kann. Der Effekt ist ausdrücklich auch bei lokalen und kommunalen Wahlen nachgewiesen worden.
Das dürfte keinen Bürgermeister völlig überraschen.
Kommunalwahlen sind wesentlich persönlicher als Bundestagswahlen. Man kennt den Kandidaten vom Feuerwehrfest, vom Wochenmarkt, aus der Zeitung – oder inzwischen vom Handy. Das Wahlplakat zeigt keinen abstrakten Landesverband, sondern einen Menschen.
Und genau da wird das vermeintlich oberflächliche Thema plötzlich ziemlich praktisch.
Das perfekte Wahlfoto ersetzt trotzdem kein Rathausprogramm
Die Konsequenz lautet nun selbstverständlich nicht, dass Bürgermeister vor der nächsten Wahl kollektiv einen Termin beim Schönheitschirurgen buchen sollten.
Attraktivität bedeutet zudem weit mehr als perfekte Gesichtszüge. Ein freundlicher Gesichtsausdruck, gepflegtes Auftreten, gute Fotos, selbstbewusste Körpersprache und ein professioneller Auftritt beeinflussen ebenfalls, wie Kandidaten wahrgenommen werden.
Hinzu kommt Social Media. Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung zur Bundestagswahl 2021 bestätigt sowohl einen Zusammenhang zwischen Attraktivität und Wahlerfolg als auch zwischen Sichtbarkeit in sozialen Medien und dem Abschneiden von Kandidaten.
Für Kommunalpolitiker heißt das ziemlich nüchtern: Wer auf dem Wahlplakat aussieht, als sei das Foto morgens um 6.20 Uhr nach einer achtstündigen Haushaltsberatung aufgenommen worden, verschenkt möglicherweise Stimmen.
Das mag man oberflächlich finden. Der Wähler bleibt davon offenbar trotzdem nicht völlig unbeeindruckt.
Erst Inhalte – aber bitte ordentlich fotografiert
Am Ende bleibt die beruhigende Nachricht: Schönheit gewinnt nicht automatisch Wahlen. Parteibindung, politische Themen, Bekanntheit, Amtsbonus und persönliche Glaubwürdigkeit spielen weiterhin eine wesentlich größere Rolle.
Aber das Äußere kann den entscheidenden ersten Eindruck liefern.
Deshalb sollten Bürgermeister und Kommunalpolitiker aus der Forschung nicht lernen, eitler zu werden. Sie sollten lernen, politische Kommunikation professionell zu behandeln.
Ein gutes Foto macht aus einem schlechten Kandidaten noch keinen guten Bürgermeister.
Aber ein schlechtes Foto kann aus einem guten Bürgermeister erstaunlich schnell jemanden machen, dem man lieber nicht die Gemeindekasse anvertrauen möchte.
Und falls Sie nun vor der nächsten Kommunalwahl erstmals freiwillig zum Friseur gehen: Sagen Sie einfach, die Wissenschaft habe Sie geschickt.
