Ehrenamt
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Ein Hoch auf das Ehrenamt!

Do, 11.04.2019

Ehrenamtskarten gibt es in Deutschland viele – die attraktivsten Angebote gibt es dort, wo Land und Kommunen kooperieren. Einige gute Beispiele im Überlick.

Die eine hilft im Sportverein. Ein anderer betreut Sterbende im Hospiz. Eine ist bei der Feuerwehr, und wieder ein Anderer unterstützt Kinder aus der Nachbarschaft bei deren Hausarbeiten. Für den Alltag ist das Ehrenamt in den Kommunen essentiell. In kleinen Dörfern, aber auch in großen Städten würde wohl vieles zusammenbrechen, würden nicht immer wieder Menschen Teile ihrer Freizeit für das Gemeinwohl opfern. Knapp 15 Millionen Menschen haben sich in Deutschland im vergangenen Jahr ehrenamtlich engagiert, sagt die Allensbacher Markt- und Werbeanalyse.

Ehrenamtskarten sollen freiwilliges Engagement fördern

Längst ist es nicht mehr nur der jährliche Empfang des Bürgermeisters für die freiwillig Engagierten. Immer öfter sind es auch Ehrenamtskarten, die den Helfern besondere Vorteile bieten. Zum Beispiel in Halle an der Saale. Seit 2016 verleiht die Stadt eine Ehrenamtskarte an Bürger, die sich mindestens vier Stunden pro Woche oder 200 Stunden im Jahr ehrenamtlich engagieren. „Die Stadt Halle (Saale) möchte das bürgerschaftliche Engagement ihrer Bürger fördern und wertschätzen“, sagt Oberbürgermeister Bernd Wiegand im Gespräch mit KOMMUNAL. Der Stadtrat habe deswegen eine „Richtlinie zur Förderung und Anerkennung bürgerschaftlichen Engagements" beschlossen. Darauf und auf den Empfehlungen eines Engagementbeirates basierend habe die Stadt deshalb die Ehrenamtskarte eingeführt. „Zur Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements lädt der Oberbürgermeister anlässlich des Internationalen Tages des Ehrenamtes zu einer Anerkennungsveranstaltung ein“, sagt Wiegand. „Im Rahmen der Veranstaltung werden die Ehrenamtskarten an die Ehrenamtlichen vergeben.“ Insgesamt 500 Ehrenamtskarten verleiht Halle an der Saale im Jahr.

So funktioniert die Karte in Halle

„Die Ehrenamtskarte berechtigt den Inhaber und eine Begleitperson zum kostenfreien Besuch einer Veranstaltung.“ Dazu gehören Konzertbesuche oder Tickets für den halleschen Bergzoo oder ein Fußballspiel des Halleschen Fußballclubs, erklärt der stellvertretende Stadtsprecher, Peter Godazgar. Die Kosten für die Karte, für den Flyer, der die Karte bewirbt und die Anerkennungsveranstaltung belaufen sich pro Jahr auf etwa 15.000 Euro. Um die Karte zu erhalten, ist die schriftliche Nominierung durch die Organisation erforderlich, bei der die ehrenamtliche Tätigkeit geleistet wird. Und weil sich in Halle an der Saale weit mehr als 500 Menschen ehrenamtlich engagieren, ist nach jeder Vergabe ein zweijähriges Aussetzen angesagt, bevor der betreffende Ehrenamtliche wieder in den Genuss der städtischen Ehrenamtskarte kommen kann.

So fördert Rheinland-Pfalz das Ehrenamt

Bundesweit betrachtet, ist Halle an der Saale allerdings mittlerweile eher ein Ausnahme- als ein Regelfall. Denn in den meisten Bundesländern wird die Vergabe von Ehrenamtskarten und Ehrenamtspässen mittlerweile zentral vom Land gesteuert. So auch in Rheinland-Pfalz. Dort gibt es seit 2014 eine landesweite Ehrenamtskarte, an der sich derzeit 128 Kommunen beteiligen. Der Vorteil des Modells liegt auf der Hand: Nicht nur in der eigenen, kleinen Gemeinde erhält der Ehrenamtliche eine Vergünstigung - sondern vielleicht auch im Nachbarort bei einem Angebot, das es in der eigenen Kommune gar nicht gibt. Insgesamt sind es derzeit über 600 Angebote, aus denen Ehrenamtliche als Dank für ihre Tätigkeit wählen können. Anfang März etwa führte die Vebandsgemeinde Hagenbach die Ehrenamtskarte ein. „Die Ehrenamtskarte ist ein weiterer Schritt, die wichtige Arbeit der Ehrenamtlichen und der Vereine mit deren Aktiven tatkräftig zu unterstützen“, sagte Bürgermeister Reinhard Scherrer. „Das Ehrenamt hat die Unterstützung aller im Interesse der Bürger verdient.“

In Hagenbach selbst können Ehrenamtliche nun unter sechs eigenen Vergünstigungen wählen. Dazu zählen Ermäßigungen bei Veranstaltungen der Stadt, zehn Prozent Rabatt auf Kurse der örtlichen Volkshochschule. Und auch auf die Nutzung der Grillhütten in Hagenbach und den zur Verbandsgemeinde zählenden Ortsgemeinden Neuburg und Scheibenhardt gibt es zehn Prozent Rabatt. Doch dank der landesweiten Kooperation erhalten Ehrenamtliche aus Hagenbach eben auch freien Eintritt in alle Sonderausstellungen der Kaiserpfalz in Ingelheim oder eine Eintrittskarte für den Zoo in Kaiserslautern zum halben Preis. Beantragt werden kann die Ehrenamtskarte in Rheinland-Pfalz von allen Engagierten, die mindestens 14 Jahre alt sind, und sich mindestens fünf Stunden pro Woche irgendwo ehrenamtlich einbringen.

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Die Ehrenamtskarte in Rheinland-Pfalz basiert auf einer engen Kooperation von Land und Kommunen. In einem Leitfaden der Staatskanzlei für teilnehmende Kommunen wird neben einem Beschluss der kommunalen Gremien festgelegt, dass jede an der Ehrenamtskarte beteiligte Stadt oder Gemeinde mindestens zwei Angebote für die Inhaber der Karte schaffen muss. „Dabei sollte darauf geachtet werden, dass damit ein attraktiver Vorteil verbunden ist und eine angemessene Wertschätzung ausgedrückt wird“, heißt es in dem Leitfaden. Die Kommune muss sodann die Anträge der Ehrenamtlichen entgegennehmen, prüfen und zur Ausstellung der Karte an die Staatskanzlei weiterleiten. Die dort produzierte Karte wird dann von der Kommune an die jeweiligen Engagierten übergeben. Dass die landesweite Ehrenamtskarte dazu führt, dass gerade kleine Kommunen von externen Nutzern überfrachtet würden, sei dagegen kaum zu befürchten: Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen, wo eine ähnliche Karte von mittlerweile mehr als 250 Kommunen seit über zehn Jahren angeboten wird, habe ergeben, dass die meisten Nutzer die Karte in der Nähe ihres Wohnorts einsetzen.

„Freiwilliges Engagement muss sich voll entfalten können“

Ein wieder anderes Prinzip gilt dagegen in Berlin und Brandenburg. Hier haben sich beide Bundesländer auf eine gemeinsame Karte geeinigt, die Vergünstigungen in beiden Bundesländern bietet. Beantragt wird sie direkt bei den Ländern - in Berlin bei der Senatskanzlei, in Brandenburg bei der Staatskanzlei. „Freiwilliges Engagement muss sich voll entfalten können“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke , als er bei einem gemeinsamen Fototermin mit Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller im Januar 2017 in der Berliner Landesvertretung des Landes Brandenburg die gemeinsame Karte vorstellte. Die Bedingungen sind ähnlich wie in anderen Ländern: Interessierte, die sich im Jahr 200 Stunden ehrenamtlich engagieren, können die Karte mit einem Formular bei der jeweiligen Landesregierung beantragen. Doch die Zentralisierung der Karte sorgt auch für eine Zentralisierung der Rabatte: Schon seit dem Start der Karte nämlich sind Ehrenamtliche, die in der Peripherie des Landes Brandenburg wohnen, gezwungen, weite Reisen zu unternehmen, wollen sie überhaupt von der Karte profitieren.

Im Landkreis Prignitz, ganz im Nordwesten des Landes gelegen, gibt es nicht ein einziges Angebot für die Inhaber der Landeskarte. Und auch in den Landkreisen Havelland und Elbe-Elster ist das Angebot mit zwei beziehungsweise drei Partnern eher dünn gesät. Hier scheint es sich also zu rächen, dass die Kommunen bei dem länderübergreifenden Angebot weitgehend außen vor gelassen sind – immerhin kennen Bürgermeister und Gemeinderäte die attraktiven Angebote ihrer Region wohl besser, als mancher Beamte einer Landesbehörde.

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