Teufel von Esslingen
Die Teufelsstatue wurde am 4. Oktober auf dem Platz vor dem Esslinger Rathaus enthüllt.
© Luna Kloess/Homepage der Stadt Esslingen

Kunst im öffentlichen Raum

Morddrohungen und Sachbeschädigung wegen Teufelsfigur

Eine Teufelsfigur auf dem Rathausplatz sorgt in Esslingen für Empörung. Tausende fordern, dass sie entfernt wird. Nach Mordaufrufen und Sachbeschädigung kündigte die Stadt Strafanzeigen an.

Wer auf dem Platz vor dem Esslinger Rathaus unterwegs ist, der kommt an einer Begegnung mit dem Teufel nicht vorbei. Spitze Zähne, Hörner, ein Pferdefuß - wen die bronzene große Figur darstellen will, ist unübersehbar. Der Künstler Tim Bengel kommt nicht von ungefähr auf die Darstellung: Er greift mit seiner Skulptur eine alte Esslinger Sage auf: Der Teufel wollte auf dem Markt einen Apfel kaufen, doch eine schlaue Marktfrau verkaufte ihm stattdessen eine rote Zwiebel.  Als der Teufel herzhaft hineinbiss, bemerkte er den Betrug. Wutentbrannt verfluchte er die Esslinger als „Zwieblinger“ und verschwand aus der Stadt. Der Spitzname ist bis heute geblieben. An die Sage erinnert seit Jahrhunderten auch eine steinerne Teufelsfigur an der Esslinger Frauenkirche.

Esslinger Teufelsfigur bringt viele Esslinger in Rage

Doch als leibhaftige Figur auf dem prominenten Platz der baden-württembergischen Kreisstadt geht der Teufel vielen Esslingern zu weit. So sollen sich Eltern darum sorgen, mit ihren Kindern an der furchteinflüssenden Figur vorbeizugehen. In einer Petition im Internet fordern mittlerweile rund 5800 Unterzeichner: Teufelsstatue vom Esslinger Rathaus entfernen. Der Protest richtet sich an Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Die Anfang Oktober aufgestellte Figur dürfe dort nicht länger stehen. Das Kunstwerk wurde als Geschenk der Sektkellerei Kessler bei den Feierlichkeiten zum 1250-jährigen Stadtjubiläum enthüllt.  "Ein christlich geprägtes Land, ein Weihnachtsmarkt-Stadtzentrum, Familien mit Kindern - die goldene Teufelsfigur sendet Signale, die viele Esslinger nicht mit ihrer Identität verbinden können", heißt es in der Petition. Kunst dürfe provozieren - aber auf einem zentralen Platz sollte sie niemanden ausschließen oder verletzen, so die Initiatoren der Petition.

Was stört die Protestierenden am meisten an der Teufelsfigur?

In der Petition werden religiöse Bedenken genannt. Mehr als 4000 Unterzeichner stimmten der Aussage zu: "Ich würd lieber ne Statue von Jesus sehen." 

Man habe jetzt den Teufel in die Stadt geholt, statt die Heldin der Esslinger Sage  - die schlaue Marktfrau von einst - zu ehren.

Was fordern die Unterzeichner der Petition?

  • Die Teufelsstatue soll vom Rathaus entfernt werden. Statt dessen soll eine neue Figur - die Marktfrau - aufgestellt werden.
  • Künftig soll Kunst im öffentlichen Raum vorher breit mit der Bevölkerung diskutiert werden.

Morddrohungen, Beleidigungen, Sachbeschädigung

Die Auseinandersetzung um die Teufelsfigur ist längst eskaliert: Oberbürgermeister Matthias Klopfer erhielt im Internet sogar Morddrohungen. Inzwischen ermittelt die Polizei. In der Nacht zum 10. Oktober besprühten Unbekannte die Skulptur mit schwarzer Farbe. Die Stadt Esslingen kündigte an, strafbare Äußerungen konsequent anzuzeigen und eine Videoüberwachung am Standort des Kunstwerks zu prüfen. Die Figur wurde inzwischen fachgerecht gereinigt. Die Figur wurde inzwischen fachgerecht gereinigt. Gleichzeitig betont die Stadt, dass es auch zahlreiche positive Rückmeldungen gebe. 

Künstler und Oberbürgermeister überrascht von Reaktionen

Der Künstler Tim Bengel hat mit den hochemotionalen Reaktionen wohl nicht gerechnet. „Mir geht es darum, dass diese Geschichte auch in den kommenden Generationen Teil der Esslinger Stadtidentität bleibt“, sagt er. „Daher habe ich mich bewusst entschieden, den Teufel als Bösewicht zu zeigen – aber nicht als Held, sondern als Unterlegenen. Die Skulptur zeigt ihn in seinem Moment der Schwäche, überragt von einer Zwiebel und überlistet von den Esslingerinnen und Esslingern.“  Auch Oberbürgermeister Klopfer hätte nicht mit dem Aufruhr gerechnet. „Ich bin überzeugt, dass diese Skulptur ein neuer Blickfang in Esslingen wird, ein identitätsstiftendes Zeichen, das uns stets daran erinnert, dass wir Esslingerinnen und Esslinger uns nicht so leicht unterkriegen lassen", meinte er noch anlässlich der Enthüllung der Teufelsfigur.