Holz ist ein wichtiger Bestandteil des MOLENO®-Bausystems.
Holz ist ein wichtiger Bestandteil des MOLENO®-Bausystems.
© Sandra Sitzmann/ ZÜBLIN Timber

Seriell bauen, bezahlbar wohnen

14. September 2026
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Mehr Wohnraum, weniger Zeit- und Kostendruck: Wie serielles Bauen neue Wege für den Wohnungsbau eröffnet.

Deutschland braucht dringend mehr Wohnungen. Etwa 1,4 Millionen Wohnungen fehlen nach Angaben der Studie „Sozialer Wohn-Monitor“. Gleichzeitig steigen Baukosten und energetische Anforderungen, während Fachkräfte in der Bauwirtschaft knapp werden.

Für Entscheiderinnen und Entscheider in deutschen Kommunen ist der Wohnungsmangel längst eine zentrale Herausforderung. Sie stehen mit in der Verantwortung, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen und freie öffentliche Grundstücke sinnvoll zu entwickeln. Gleichzeitig müssen eigene Bauvorhaben wie Kitas, Schulen oder Verwaltungsgebäude realisiert werden. Angespannte Haushalte, knappe Personalressourcen in den Bauämtern sowie langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren setzen diesem Engagement jedoch Grenzen.

Was serielles Bauen leisten kann

Vor diesem Hintergrund rückt serielles Bauen zunehmend in den Fokus. Es basiert auf standardisierten, digital geplanten Prozessen. Wände, Decken, Bäder oder Treppenhäuser werden industriell vorgefertigt und just in time auf die Baustelle geliefert. Das verspricht kürzere Planungs- und Bauzeiten, höhere Termin- und Kostensicherheit sowie eine gleichbleibende Qualität durch die Fertigung im Werk. Zeit- und Kostendruck sind für Bauträger und öffentliche Auftraggeber nämlich oft ausschlaggebende Kriterien. Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist MOLENO®, ein Holz-Hybrid-Bausystem des STRABAG-Tochterunternehmens ZÜBLIN. Ein Leistungspaket, das Planung, Umsetzung und Fördermittelmanagement bündelt, soll zusätzlich den Verwaltungsaufwand für Kommunen reduzieren.

Holz trifft Beton

MOLENO® setzt dabei auf eine Kombination aus zwei Baustoffen. Geschosshohe Außenwandelemente aus Vollholz beziehungsweise Brettsperrholz werden im werkseigenen ZÜBLIN-Timber-Werk in Aichach präzise vorgefertigt. Die Elemente werden inklusive Dämmung, Fenstern und fertiger Fassade sowie mitunter auch mit Jalousien geliefert. Beton kommt dort zum Einsatz, wo hohe Tragfähigkeit oder besonderer Brand- und Schallschutz gefragt sind, etwa bei Deckenelementen, tragenden Innenwänden oder Treppenhauskernen. Jedes Element wird werkseitig geprüft und dokumentiert. Die Hybridbauweise soll so die Ökobilanz von Holz mit den bauphysikalischen Stärken von Beton verbinden. 

Badmodul
Das vorab integrierte Badmodul spart Bauzeit und -kosten. © Sandra Sitzmann/ ZÜBLIN Timber

Damit unterscheidet sich MOLENO® bewusst von starren Modulkonzepten. Das System ist für Gebäude von zwei bis acht Geschossen ausgelegt und lässt sich rasterlos einsetzen, sodass unterschiedliche Grundrisse, Fassaden und architektonische Lösungen möglich bleiben. Das gilt für den Wohnungsbau ebenso wie für Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude.

Planung mit digitaler Unterstützung

Ein zentraler Baustein ist ein KI-gestützter Konfigurator, der Grundstück und Bebauungsplan analysiert, geltende Landesbauordnungen berücksichtigt und in kurzer Zeit zahlreiche städtebauliche Nutzungsvarianten samt Kosten, Wohnungsmix und Förderfähigkeit durchrechnet. In den frühen Planungsphasen kann das die Vorplanung spürbar beschleunigen; für die Ausführungsplanung übernimmt anschließend ein technischer Konfigurator, ergänzt durch BIM-5D-Methoden zur Kosten- und Terminsteuerung.

Wirtschaftlichkeit steht im Fokus

Für den Bereich bezahlbarer Wohnraum ist vor allem die wirtschaftliche Seite relevant. ZÜBLIN beziffert das Einsparpotenzial gegenüber konventionellem Massivbau mit bis zu 20 Prozent geringeren Baukosten pro Quadratmeter, unter anderem durch witterungsunabhängige Fertigung und Bauzeiten von teils nur acht bis zwölf Monaten vom Rohbau bis zur Übergabe. Hinzu kommt ein Flächengewinn. Weil die Vollholz-Außenwände schlanker ausfallen als klassische Wandaufbauten, lässt sich bei gleicher Grundfläche bis zu fünf Prozent mehr nutzbare Wohnfläche realisieren. Das ist für geförderten Wohnungsbau, bei dem jeder Quadratmeter kalkuliert wird, ein relevanter Faktor.

Auch die Förderfähigkeit spielt eine Rolle. Die Gebäude sind auf den KfW-40-Standard sowie auf Zertifizierungen wie DGNB oder QNG ausgelegt. ZÜBLIN bietet dabei ein Komplettpaket an, das neben Planung und Bauumsetzung auch die Recherche und Beantragung von Fördermitteln umfasst. Das entlastet kommunale und private Bauherren, die diesen Aufwand sonst selbst tragen müssten.
 

Die Holz-Fertigteilaußenwände werden präzise eingesetzt. © Sandra Sitzmann/ ZÜBLIN Timber
Die Holz-Fertigteilaußenwände werden präzise eingesetzt. © Sandra Sitzmann/ ZÜBLIN Timber

Erfolg in der Praxis

Wie sich die Vorteile des Systems in der Praxis zeigen, lässt sich am Wohnbauprojekt Hangweide in Kernen im Remstal ablesen. Dort entstanden 34 geförderte Wohnungen zwischen 34 und 90 Quadratmetern, davon acht barrierefrei, nach KfW-40-Standard mit Photovoltaikanlage und Luft-Wasser-Wärmepumpe. Vom Spatenstich bis zur Übergabe vergingen rund elf Monate, zwei Monate früher als geplant. Das Projekt ist Teil der IBA Stadtregion Stuttgart 2027, in deren Rahmen auf dem Areal insgesamt 650 Wohnungen für rund 1.300 Menschen entstehen sollen.

Angesichts des anhaltenden Wohnraummangels und knapper kommunaler Ressourcen kann serielles Bauen einen wichtigen Beitrag leisten. Systeme wie MOLENO® zeigen, dass sich Geschwindigkeit, Wirtschaftlichkeit und architektonische Qualität nicht ausschließen müssen.

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