Ein roter Modell-Regionalzug steht auf einem kurzen Gleis, das vor einem Stapel Euro-Münzen endet.
Ein roter Modell-Regionalzug steht auf einem kurzen Gleis, das vor einem Stapel Euro-Münzen endet.
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Schienenverkehr

Trassenpreise 2027: Droht das Aus für Regionalzüge auf dem Land?

Die Zahl steht seit Wochen fest, jetzt kommt die politische Wucht dazu: Um 7,7 Prozent will die DB-Netztochter DB InfraGO die Trassenpreise für Regionalzüge im kommenden Jahr anheben, so steht es in ihrem Entgeltantrag. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter, derzeit Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, rundet auf und warnt: „Wir müssen jetzt acht Prozent Steigerungen für das kommende Jahr auffangen. Das ist Geld, das keiner hat“, sagte er der Bild-Zeitung. Droht die massive Ausdünnung des Regionalverkehrs im ländlichen Raum?

Das Wichtigste in Kürze

  • DB InfraGO will die Trassenpreise im Schienenpersonennahverkehr 2027 um durchschnittlich 7,7 Prozent anheben (Antrag, Stand 5. Oktober 2026). Für 2028 stehen rechnerisch weitere 15 Prozent im Raum.
  • Die Bundesnetzagentur entscheidet über die Entgelte 2027 bis spätestens Mitte Dezember. Fahrplanwechsel ist am 13. Dezember 2026.
  • Auslöser: Der Europäische Gerichtshof hat am 19. März 2026 die deutsche Trassenpreisbremse (1,8 Prozent pro Jahr) gekippt.
  • Schon für 2026 belasten neu genehmigte Entgelte den Nahverkehr mit rund 400 Millionen Euro zusätzlich (Bundesnetzagentur).
  • Die Regionalisierungsmittel des Bundes steigen nur um 3 Prozent pro Jahr.
  • In Sachsen haben kommunal getragene Zweckverbände bereits Zugstreichungen ab Dezember angekündigt.
  • Die Verkehrsministerkonferenz berät am 21. und 22. Oktober in Hohenschwangau.

Was sind Trassenpreise und warum steigen sie 2027?

Trassenpreise sind eine Art Schienenmaut. Jedes Eisenbahnunternehmen zahlt sie an DB InfraGO, wenn es das Netz nutzt. Im Regionalverkehr landen die Kosten am Ende bei denen, die die Züge bestellen: bei den Ländern und den Aufgabenträgern, in vielen Ländern also bei Verkehrsverbünden und Zweckverbänden von Kreisen und Städten.

Bisher schützte eine gesetzliche Bremse den Nahverkehr. Die Entgelte durften nur um feste 1,8 Prozent pro Jahr steigen. Am 19. März 2026 erklärte der Europäische Gerichtshof diese Formel für unvereinbar mit EU-Recht (Rechtssache C-770/24). Die Folge zeigte sich im Juli: Die Bundesnetzagentur genehmigte die Entgelte für 2026 neu, im Nahverkehr bei DB InfraGO um 9 Prozent höher als zuvor. „In Summe wird der SPNV um rund 400 Mio. EUR zusätzlich belastet“, heißt es in der Mitteilung der Behörde vom 22. Juli.

Für 2027 hat DB InfraGO nun 7,7 Prozent beantragt. Für 2028 stellt das Unternehmen in seinem vorläufigen Antrag sogar rechnerisch 15 Prozent im Nahverkehr in den Raum, verweist aber auf noch offene Punkte bei der Förderung durch den Bund.

Zum Vergleich: Die Regionalisierungsmittel, mit denen der Bund den Nahverkehr der Länder mitfinanziert, wachsen laut Regionalisierungsgesetz bis 2031 jährlich um 3 Prozent.

Die Schere geht auf.

Abbestellungen im Regionalverkehr: Sachsen ist kein Einzelfall

Wie das konkret aussieht, zeigt Sachsen. Dort sind kommunal getragene Zweckverbände Aufgabenträger für den Schienennahverkehr. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) beziffert die Zusatzkosten allein für dieses Jahr auf 8,8 Millionen Euro, der Verkehrsverbund Mittelsachsen auf 5,3 Millionen Euro, berichtet der MDR. Zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember sollen Fahrten entfallen, etwa auf der RB 45 am Wochenende zwischen Döbeln und Elsterwerda. Die S3 soll nur noch bis Tharandt statt bis Freiberg fahren. Für die RB 71 zwischen Pirna und Sebnitz ist sogar eine Komplett-Streichung möglich.

„Ohne finanzielle Unterstützung des Landes oder rasche Entscheidungen für neue Trassenpreise auf Bundesebene bleibt uns jedoch keine andere Wahl“, sagte VVO-Geschäftsführer Burkhard Ehlen.

Der Zweckverband Mittelsachsen macht das Dilemma der kommunalen Ebene in seiner Mitteilung deutlich: Er finanziere den Zugverkehr fast vollständig aus den Zuweisungen der Regionalisierungsmittel. „Es existieren keine alternativen Finanzierungsmöglichkeiten.“

Auch Schleswig-Holstein hat schon gekürzt. 2024 bestellte das Land Fahrten in Randzeiten ab, nach Angaben von Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen weniger als 1,5 Prozent aller Verbindungen. Das werde diesmal nicht reichen, warnt Madsen nun laut Welt: Vor zwei Jahren hätten sich Abbestellungen noch auf Nacht und Wochenende beschränken lassen.

Verkehrsminister fordern Geld vom Bund

Die Länder verlangen, dass der Bund die Mehrkosten ausgleicht. Schon im August hatte die Verkehrsministerkonferenz einstimmig eine „vollständige finanzielle Kompensation“ gefordert, etwa über höhere Regionalisierungsmittel. Saarlands Mobilitätsministerin Petra Berg brachte es damals auf den Punkt: „Ein Deutschlandticket in der Tasche, aber kein Zug am Gleis wäre ein Offenbarungseid.“

Bernreiter beziffert die Belastung laut dem Nachrichtenportal Nius auf „mehrere Hundertmillionen Euro“ und erhebt einen Vorwurf an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil: „Leider stellt sich Berlin momentan taub. Wir fordern ein Gespräch mit dem Bundesfinanzminister. Dieser Gesprächswunsch wurde bisher abgelehnt.“ Eine Stellungnahme des Finanzministeriums dazu liegt bislang nicht vor.

„Wenn der Bund nicht endlich seine im Koalitionsvertrag festgeschriebene Trassenpreisreform auf den Weg bringt, werden Abbestellungen bundesweit unvermeidbar sein.“

Claus Ruhe Madsen, Verkehrsminister Schleswig-Holstein, 

Die Bild-Zeitung spricht von „Tausenden“ gefährdeten Regio-Verbindungen. Eine belastbare bundesweite Zahl gibt es dafür bislang nicht.

Trassenpreisreform: Berlin bleibt die Antwort schuldig

Natürlich lässt sich einwenden: Das Schienennetz muss bezahlt werden, und bisher trugen Fern- und Güterverkehr die Lasten der Nahverkehrsbremse mit. Genau das war der Kern des EuGH-Verfahrens. Darum geht es den Ländern aber gar nicht. Sie verlangen ein anderes System.

Die Reform ist im schwarz-roten Koalitionsvertrag angekündigt. Den ursprünglichen Starttermin 1. Januar 2027 halten Allianz pro Schiene, VDV, mofair und Die Güterbahnen inzwischen für nicht mehr erreichbar. Sie fordern ein Grenzkostenmodell spätestens zum Fahrplan 2028 und einen Dialog mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger. Der Bundesverband SchienenNahverkehr spricht von „Mehrbedarfen in Milliardenhöhe“.

Brisant: Die Trassenpreise 2027 stehen erst kurz vor dem Fahrplanwechsel fest. Wer Verkehrsverträge plant, plant also ins Blaue.

Was Kommunen jetzt konkret tun können

  1. Betroffenheit klären. Fragen Sie beim Aufgabenträger oder Verkehrsverbund nach, welche Linien im Kreis bei Kürzungen zuerst auf der Liste stünden. Erfahrungsgemäß sind das Randzeiten, Wochenenden, Ferienverkehre und Verstärkerzüge.
  2. Pendlerdaten auf den Tisch. Schulwege, Ausbildungsverkehr, Schichtarbeit: Zahlen aus dem eigenen Rathaus sind das stärkste Argument gegen die Streichung einer Fahrt.
  3. Kreistag und Landtag einbinden. Resolutionen und Anfragen an die Landesregierung erhöhen den Druck vor der Verkehrsministerkonferenz am 21. und 22. Oktober.
  4. Alternativen vorbereiten. Wo eine Fahrt wegfällt, braucht es Bus, Rufbus oder On-Demand-Angebot. Wer das früh plant, verhindert Lücken im Takt.
  5. Kommunizieren. Bürger erfahren von Abbestellungen oft erst aus dem neuen Fahrplan. Informieren Sie früh, gemeinsam mit dem Verbund.

Fazit: Die Rechnung landet in der Fläche

Der Mechanismus ist einfach. Die Schienenmaut steigt mit 7,7 Prozent mehr als doppelt so schnell wie die Bundesmittel für den Nahverkehr. Die Länder reichen die Lücke weiter, und am Ende entscheidet ein Zweckverband, ob der letzte Zug am Abend noch fährt. Berlin entscheidet, die Region streicht, die Pendler warten.

Ob die Verkehrsminister in Hohenschwangau mehr erreichen als einen weiteren Appell, ist offen. Die entscheidende Frage stellt sich ohnehin anderswo: Ist dem Bund der Regionalzug im ländlichen Raum noch etwas wert?

Häufige Fragen zu den Trassenpreisen 2027

Was sind Trassenpreise?

Trassenpreise sind Gebühren, die Eisenbahnunternehmen für die Nutzung des Schienennetzes an den Netzbetreiber DB InfraGO zahlen. Sie werden von der Bundesnetzagentur genehmigt. Im Regionalverkehr tragen am Ende die Länder und Aufgabenträger die Kosten.

Um wie viel steigen die Trassenpreise 2027 im Regionalverkehr?

DB InfraGO hat für den Schienenpersonennahverkehr 2027 eine durchschnittliche Erhöhung um 7,7 Prozent beantragt. Die endgültige Genehmigung der Bundesnetzagentur soll bis spätestens Mitte Dezember 2026 vorliegen.

Warum steigen die Trassenpreise so stark?

Der Europäische Gerichtshof hat am 19. März 2026 die deutsche Trassenpreisbremse gekippt, die den Anstieg im Nahverkehr auf 1,8 Prozent pro Jahr begrenzte. Seitdem werden die Entgelte nach den tatsächlichen Kosten des Netzes berechnet.

Werden Regionalzüge gestrichen?

Teilweise ja. In Sachsen haben Verkehrsverbünde Kürzungen zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 angekündigt. Die Verkehrsminister der Länder warnen vor weiteren Abbestellungen, falls der Bund die Mehrkosten nicht ausgleicht.

Was können Kommunen tun?

Kommunen können beim Aufgabenträger ihre Betroffenheit klären, Pendlerdaten liefern, über Kreistag und Landtag Druck machen und für wegfallende Fahrten frühzeitig Bus- oder On-Demand-Alternativen planen.

Fotocredits: Symbolbild (per Grok-Bot)