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  3. Demografischer Wandel: So planen Kommunen für alle Generationen
Mehrere Generationen einer Familie gehen bei Sonnenuntergang durch eine Wiese
Die veränderte Bevölkerung lässt Kommunen neu planen.
© Adobe Stock

Demografischer Wandel

Demografischer Wandel: So planen Kommunen für alle Generationen

von Rebecca Piron
Stellvertretende Chefredakteurin | KOMMUNAL
23. Oktober 2026
Ländliche Kommunen stecken im Dilemma: Für immer mehr ältere Menschen fehlt barrierefreier Wohnraum, für immer weniger Kinder rechnet sich kaum noch eine Kita oder Schule. Wer beides getrennt denkt, verliert doppelt. Beispiele zeigen, wie Kommunen dennoch sinnvoll planen können.

In Bezau im Bregenzerwald steht ein Schulhaus, das keines bleiben muss. Die Gemeinde mit rund 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern hat Kindergarten und Schule in einem Gebäude in der Ortsmitte verschränkt und die Geschosse so geschnitten, dass dort später auch eine Arztpraxis oder Verwaltungsräume einziehen können. Der Grund: Niemand weiß, wie viele Kinder im Ort 2045 betreuungspflichtig sein werden.

Das Dilemma kleiner Kommunen

Diese Unsicherheit ist das Dilemma vieler kleiner Kommunen. Nach der aktuellen Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung wächst die Zahl der Menschen ab 67 Jahren bis 2045 um 13,2 Prozent. Zentral gelegene Regionen wachsen um durchschnittlich sieben Prozent, sehr periphere verlieren 17 Prozent. Und 55 Prozent der Menschen werden 2045 allein oder zu zweit wohnen.

Hiddenhausen: „Jung kauft Alt“ statt neuer Baugebiete

Wer daraus weiter Einfamilienhausgebiete am Ortsrand ableitet, bestellt Kanal, Straße und Winterdienst für eine Generation, die nach Prognosen im ländlichen Raum kleiner ausfallen wird. Hiddenhausen in Nordrhein-Westfalen hat deshalb die unbequeme Entscheidung getroffen: kein neues Baugebiet mehr, stattdessen Zuschüsse für Altbaugutachten und für den Kauf alter Häuser im Ortskern. Das Programm „Jung kauft Alt“ wurde vielfach prämiert und bundesweit kopiert. Die Rechnung: Wer im Alter aus dem zu groß gewordenen Haus in den Ortskern zieht, hat Arzt und Laden zu Fuß erreichbar und macht zugleich ein Familienhaus frei.

Funktionen in der Ortsmitte bündeln

Der zweite Hebel liegt ebenfalls in der Mitte. Feilitzsch in Oberfranken kaufte ein Anwesen von 1871 und machte daraus ein Zentrum neben Rathaus und Feuerwehr, in dem Einkauf, Treffpunkt und Dienstleistungen zusammenliegen. In der Steinwald-Allianz fährt ein begehbarer Lkw als mobiler Dorfladen 42 Ortschaften in 17 Kommunen an, 30 Minuten pro Ortschaft und Woche. Einzeln trägt sich keines dieser Angebote mehr, gebündelt schon. Das gilt für Gebäude genauso wie für Geschäfte: Wer Kita, Laden und Verwaltung getrennt denkt, zahlt dreimal für Räume, die im schlechtesten Fall leer stehen.

Ländliche Räume schrumpfen

  • Um 17 Prozent schrumpfen ländliche Räume in Deutschland bis 2045.

Quelle: Prognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (siehe Text)

9 Tipps für alle Generationen

1. Erst rechnen, dann planen

Die Folgekosten jedes Baugebiets über 30 Jahre durchrechnen. Rechtfertigen prognostizierte Zuzüge die Investition in Kanal, Straße und Winterdienst?

2. Innen vor außen

Hiddenhausen zeigt: Entweder Leerstandsprogramm oder neues Baugebiet. Sonst subventioniert die Gemeinde beides gegeneinander.

3. Kommunale Programme an Förderlandschaft andocken

„Jung kauft Alt“ adressiert Familien, kommunale Zuschüsse für Altbaugutachten senken die Hemmschwelle davor. Beides zusammen ergibt ein attraktives Angebot.

4. Leerstandskataster vor Förderprogramm

Ohne Kenntnis, welches Haus wann frei wird und wem es gehört, fördert die Kommune ins Blaue.

5. Nutzungsoffen bauen

Jeder Neubau für Kinder sollte so geschnitten sein, dass er in 15 Jahren Arztpraxis, Verwaltung oder Wohnen aufnehmen kann und umgekehrt.

6. Funktionen bündeln statt Gebäude addieren

Laden, Café, Bürgerbüro, Pflegeberatung und Paketstation in einem Haus in der Ortsmitte befruchten sich gegenseitig.

7. Barrierefreiheit im Bestand und öffentlichen Raum zusammendenken

Eine barrierefreie Wohnung nützt wenig, wenn der Weg zum Laden über einen Bordstein ohne Absenkung führt.

8. Kleine, zentrale Wohnungen bauen, nicht nur Pflegeplätze

Ein Haus am Ortsrand macht die Teilhabe für Menschen im Alter deutlich schwerer. Wohnungen im Ortskern sind besser geeignet und machen beim Umzug Häuser für Familien frei.

9. Vorhandene Angebote sichtbar machen

Viele Kommunen haben gute generationengerechte Angebote, die schlicht niemand kennt.

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  • Innenentwicklung Jung kauft Alt Ortskern Wohnen im Alter Ländlicher Raum Demografischer Wandel Stadtentwicklung

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