Konzepte
Hitzeschutz an Gebäuden: Was Kommunen tun können
Hitzeschutz schon bei der Planung bedenken
Kommunen verfügen über ein breites Instrumentarium, um der starken Erhitzung in der Innenstadt entgegenzuwirken. Mit am wirksamsten sind hierbei konkrete Vorgaben bei der Bauplanung. Geht es um die Ausweisung von Neubaugebieten, können Kommunen über den Bebauungsplan verbindliche Vorgaben für Bauherren festsetzen. Dazu zählen:
- Klare Vorgaben von extensiven oder intensiven Dachbegrünungen ab einer bestimmten Dachneigung, um direkt am Gebäude einen Kälteeffekt durch Verdunstung zu erreichen
- Die Festlegung einer niedrigeren Grundflächenzahl, um möglichst wenig Fläche versiegeln zu lassen
- Der Schutz bestehender Großbäume auf dem Baugrundstück, damit bereits ausgewachsene Bäume weiterhin Schatten werfen und Kühlleistung bringen können.
Auch über die Freiflächengestaltungssatzungen können Kommunen gezielt Einfluss nehmen, etwa durch
- Regelungen zur Verschattung
- Das Verbot von Schottergärten und damit von Flächen, die sich tagsüber stark aufheizen und die Wärme nachts an das Gebäude abgeben
- Eine Vorgabe von Mindestanteilen von begrüntem Freiraum auf privaten Baugrundstücken und eine Pflicht zur Bepflanzung von unbebauten Flächen auf dem Baugrundstück mit Tiefwurzlern oder Sträuchern.
Bauliche Maßnahmen für besseren Hitzeschutz bei Neubauten
Auch an den Gebäuden selbst kann mit baulichen Maßnahmen viel für den Hitzeschutz getan werden. Bewährte technischen Methoden sind hierbei:
- Die Umsetzung des sogenannten Schwammstadt-Prinzips: Dies bedeutet, dass Niederschlagswasser nicht in die Kanalisation abgeleitet, sondern vor Ort gespeichert wird. Dieses Wasser steht den Pflanzen bei Hitze zur Verdunstungskühlung zur Verfügung.
- Die Einplanung von baulichem Schatten, zum Beispiel durch überstehende Dächer, Balkone oder außenliegenden automatisierten Sonnenschutz
- Die Wahl von hellen Materialien, da helle Fassaden, Dächer und Pflasterbeläge das Sonnenlicht reflektieren, statt die Wärme zu speichern
- Die Ausrichtung der Gebäude zur Hauptwindrichtung, um eine Querlüftung zu ermöglichen.
Nachrüstung und Sanierung im Bestand
Gerade im Bestand ist die Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen besonders wichtig, da die Hitze hier durch oftmals dichte Bebauung besonders intensiv werden kann. Verschiedene Maßnahmen können im Bestand zur Reduzierung der Hitze beitragen:
- Der Rückbau asphaltierter Plätze und Wege im öffentlichen und privaten Raum und die Ersetzung durch versickerungsfähigere Beläge wie etwa Rasengittersteine
- Die nachträgliche Begrünung von Flachdächern und Fassaden an Bestandsgebäuden, um eine Isolations- und Kühlungswirkung zu unterstützen
- Die Verschattung des öffentlichen Raums, etwa durch die Nachpflanzung von großkronigen Stadtbäumen und das Anbringen von Sonnensegeln über Fußgängerzonen und Spielplätzen
- Die Kopplung kommunaler Sanierungszuschüsse an den Einbau von Hitzeschutzmaßnahmen

Erfolgreicher Hitzeaktionsplan in der Stadt Worms
Auch wenn der Hitzeschutz angesichts des Klimawandels in allen Kommunen immer stärker an Bedeutung gewinnt, gibt es Städte und Gemeinden, die schon jetzt besonders stark von der Erhitzung betroffen sind. Hierzu zählt auch die Stadt Worms. „Unsere Stadt liegt im unteren Rheingraben und erwärmt sich sehr schnell und sehr stark“, sagt Marco Elischer, der in Worms als Klimaschutz-Manager den Hitzeaktionsplan mitaufgebaut hat.
Der Plan wurde 2022 vom Stadtrat verabschiedet mit dem Ziel, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung bei extremen Hitzewellen zu wahren. Dabei ging es in einem ersten Schritt darum, die besonders betroffenen Risikogebiete ebenso wie Risikogruppen in der Stadt zu identifizieren. „Dazu zählen natürlich die Pflegeheime und die Kitas, außerdem haben sich Stadtteile herauskristallisiert, die besonders von der Hitze betroffen sind“, so Elischer. In einem weiteren Schritt wurde ein Frühwarnsystem erarbeitet, das direkt an die offiziellen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes gekoppelt ist. Darüber hinaus wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, um auf möglichst vielen Ebenen gegen die Hitze gewappnet zu sein. Dieser Katalog beinhaltet neben Hitzeschutzmaßnahmen an Gebäuden auch viele weitere Aspekte.
Konkrete Maßnahmen und intensive Netzwerkarbeit
Vier Jahre später sind die ersten Ergebnisse des Hitzeaktionsplans in Worms bereits seit Längerem deutlich sichtbar. So wurde die Rathausfassade begrünt und wurden in der Innenstadt zwei Trinkbrunnen installiert. Außerdem gibt es „Urban-Gardening“-Bereiche und wurden verschiedene sogenannte „grüne Zimmer“ eingerichtet als bepflanzte Oasen mitten in der Stadt, in denen sich die Bürger im Schatten erholen können. Als mindestens ebenso wichtig wie diese konkreten Maßnahmen aber hat Elischer die Netzwerkarbeit erlebt, die bis heute weiterwirkt. „Einerseits sind die Einflussmöglichkeiten der Kommune überschaubar“, so der Klimaschutzmanager. Andererseits aber könne durch Netzwerkarbeit und Vorbildfunktion viel erreicht werden. Das erklärte Ziel in Worms war es, „das Wissen in die Stadt bringen, wie man eine Anpassung an das Klima schaffen kann und dabei „möglichst viele Multiplikatoren an den verschiedensten Stellen und Institutionen zu erreichen“, wie er sagt.
Deshalb wurden nicht nur die Verwaltungsmitarbeiter miteingebunden und sensibilisiert, sondern auch die Mitarbeiter in den Pflegeheimen ebenso gezielt angesprochen wie die Erzieherinnen in den Kitas. Sie wurden dazu motiviert, regelmäßig die Temperaturen zu erfassen, die Schichtpläne zu überarbeiten und notwendige Beschattungsräume zu dokumentieren. „Ein Hitzeschutzkonzept funktioniert nur dann, wenn alle zusammenarbeiten und ihre Erfahrungswerte und Ideen einbringen“, betont Elischer. Dazu brauche es seitens der Kommune eine konstante Stelle, bei der die verschiedenen Stränge zusammenlaufen und gemeinsame Maßnahmen koordiniert werden.

