Oberbürgermeister Feser, Bingen am Rhein
Thomas Feser ist Oberbürgermeister von Bingen am Rhein
© AdobeStock

Porträt

Der Burgherr von Bingen am Rhein

Bingen am Rhein ist Austragungsort für das Forum KOMMUNAL 202. Die Veranstaltung bietet kommunalen Entscheidern ab heute, 26. August, an zwei Tagen spannende Vorträge, Workshops und Diskussionen. Es geht um Krisenmanagement, Katastrophenschutz, Fördermitteln, Fachkräftemangel, aber auch um kommunaler Sicherheit und Verwaltungsmodernisierung. Bingens Oberbürgermeister Thomas Feser wird ein Grußwort sprechen. Unser Bürgermeister des Monats!

Die Burg Klopp, auf einem Hügel über der Weinstadt Bingen gelegen, ist der Dienst- und Amtssitz von Oberbürgermeister Thomas Feser. Weit über das Rheintal blickt er von hier, bis zum Mäuseturm und dem Binger Loch, einer einst für die Schifffahrt gefährlichen Engstelle des Mittelrheintals. „Das ist der schönste Anblick, den man sich als Bürgermeister wünschen kann“, sagt Feser. Die Rechnungen, die regelmäßig vor ihm liegen, sind es nicht. Denn der historische Verwaltungssitz kostet die Stadt Geld. „Wir haben einen riesigen Investitionsstau“, sagt der Bingener Oberbürgermeister. Die Sandsteine, die regelmäßig von der alten Burg abbröckeln, müssten in Handarbeit ersetzt werden. Dazu kommen utopische Heizkosten in jedem Winter. „So ein altes Gemäuer bekommen Sie kaum warm.“ 

Bingen setzt auf den Tourismus und die Bundesgartenschau

Trotzdem ist die Stadt stolz auf ihre Burg: Denn wo sonst sitzt ein Oberbürgermeister schon mitten in einer Touristenattraktion? Zumal Bingen auf den Tourismus setzt. 2008 war man Gastgeber der Landesgartenschau in Rheinland-Pfalz, 2029 will man sich an der Bundesgartenschau im Mittelrheintal beteiligen. „Wir haben durch die Landesgartenschau einen wirklich großen Sprung gemacht“, sagt Feser. Rund 2,8 Kilometer Rheinufer wurden dadurch neu entwickelt: Wo früher alte Hafenanlagen und Industriebrachen waren, findet sich heute ein Kulturufer. Eine Visitenkarte der Stadt ist neu entstanden. Auch die Teilnehmer des Forum KOMMUNAL 2026, das Ende August in Bingen stattfindet, werden das erleben können: Denn das Konferenzhotel liegt direkt an der Rheinpromenade.  Auf ähnliche Effekte hofft der Oberbürgermeister auch durch die Bundesgartenschau.

Weg zur Burg Klopp soll attraktiver werden

„Wir wollen das Umfeld unserer Burg neu gestalten“, kündigt er an. „Vieles ist hier in die Jahre gekommen.“ Durch die Innenstadt soll es eine Zuführung hin zur Burg mit einem begleitenden Blumenflor geben. „Bei einer Gartenschau entsteht in der Regel etwas Bleibendes, worauf man aufbauen kann“, sagt Feser. „Natürlich muss man am Ball bleiben, und die Grünanlagen dann auch weiterhin pflegen – aber der Ort wird als Tourismusziel wieder bekannter, es kommen Menschen in die Stadt.“ 

Mir macht Gestalten Spaß.“

Thomas Feser, Oberbürgermeister von Bingen

Was ihn an seinem Amt reizt? „Mir macht Gestalten Spaß“, betont er. Politisch geprägt wurde er in der katholischen Jugendarbeit. Der Stadtjugendring, der Kreisjugendring und der Landesjugendring haben ihn geprägt. Als Student – Feser ist Erzieher und Sozialpädagoge – hörte er eine Vorlesung des CDU-Politikers Heiner Geissler und lernte die katholische Soziallehre kennen. Das motivierte den heutigen Oberbürgermeister zu einem Engagement in der Kommunalpolitik. Christliche Werte sind ihm bis heute wichtig. 

Bingen am Rhein mit der Burg

Auch Bingen machen Vorschriften aller Art zu schaffen. In Rheinland-Pfalz gibt es etwa schon seit den 1970er Jahren ein Kindertagesstätten-Gesetz. Doch im Laufe der Jahre wurde es, so Feser, immer weiter verschlimmbessert. Mittlerweile schreibt es vor, dass für jedes Kind, das eine Kita aufnimmt, zehn Quadratmeter Außenfläche zu schaffen seien. „Das ist total überbordend und in einer Stadt wie Bingen ist das kaum zu schaffen.“ Andere Probleme dagegen gehe das Gesetz nicht an. „Es wäre wichtig, dass alle Kinder mit Migrationshintergrund wenigstens ein Kitajahr absolvieren“, sagt er. „Viele Kinder können bei ihrer Einschulung kein einziges Wort Deutsch.“  Das sei für die Integration ein riesiges Problem. 

Aus Krankenhaus soll Poliklinik werden

Ein anderes Problem haben die Binger hingegen gelöst. Vor einiger Zeit ging in Bingen das „Heilig-Geist-Hospital“, ein Krankenhaus der Grundversorgung, in die Insolvenz. „Wir hatten vier Millionen Euro Defizit“, erinnert sich Feser. Es habe die ausreichende Unterstützung von Bund und Land gefehlt und die Fallzahlen reichten nicht mehr aus. Er sieht die Krankenhausreform des Bundes kritisch. „Medizinische Versorgung ist Daseinsvorsorge, da braucht es nicht zwingend eine schwarze Null.“  Es würden ja auch die Feuerwehr und der ÖPNV keine schwarzen Zahlen schreiben. 

In Bingen gibt es jedoch neue Hoffnung: Aus dem Krankenhaus soll eine Poliklinik werden – ein ambulantes Zentrum, aber mit einer Notaufnahme und 60 Betten für akute Fälle. 

In Bingen am Rhein treffen sich vom 25. bis 27. August kommunale Entscheider und Entscheiderinnen aus ganz Deutschland zum Forum KOMMUNAL.