Fachkräfte
So finden Kommunen Auszubildende
Mitarbeitende gehen in die Schulen
Auch wenn sie nicht, so wie die Deutsche Bahn, mal eben einen Sonderzug einsetzen können: Wer einen Auszubildenden beschäftigen will, muss sich als Gemeindeverwaltung heute aktiv darum kümmern, und unter Jugendlichen für sich werben.
„Wir nehmen mittlerweile im ganzen Saarland an Ausbildungsmessen teil“, berichtet Thomas Wunn, Personalchef in der Stadtverwaltung St. Ingbert. Vor einigen Jahren sei das noch nicht nötig gewesen. Stellenausschreibungen würden nicht mehr nur in kommunalen Portalen, sondern auch in den sozialen Netzwerken Instagram und Facebook veröffentlicht. „Unsere Mitarbeiter gehen zu Workshoptagen an die Schulen, und berichten dort, welche Berufe man alles bei der Stadtverwaltung erlernen kann.“ Denn viele Jugendliche wüssten zwar, dass unter den 27 Ausbildungsplätzen in der Stadt im Saarland Stellen für zukünftige Verwaltungsfachangestellte oder Beamtenanwärter seien. „Es gibt bei uns aber auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Gärtner, Bauzeichner oder Erzieher zu machen.“
"Wir nehmen mittlerweile im ganzen Saarland an Ausbildungsmessen teil."
Auch im badischen Karlsruhe tut man sich schwerer als früher, Auszubildende für die Kommune zu gewinnen. „Die Generation Z bringt neue Erwartungen an uns als Ausbilderin und Arbeitgeberin mit“, sagt Florian Kaute, Sprecher der Karlsruher Stadtverwaltung. „Themen wie Sinnhaftigkeit, persönliche Entwicklung, Wertschätzung und eine gute Begleitung spielen dabei eine wichtige Rolle.“ Man bemühe sich deswegen seit einiger Zeit darum, die Ausbildung stärker als bisher an den Bedürfnissen junger Menschen auszurichten. Zu Beginn jedes Ausbildungsjahres gibt es unter dem Motto „Start it right“ Einführungstage für die neuen Azubis: Auf einer Stadtrallye lernen sie Karlsruhe kennen, bei gemeinsamen Mittagessen knüpfen sie Kontakte untereinander. Im Rahmen eines Patenprogramms kümmern sich ältere Auszubildende um die Anfänger. „Unsere Erfahrung zeigt deutlich: Wer jungen Menschen zuhört, sie aktiv einbindet und ihnen echte Perspektiven bietet, kann auch heute erfolgreich Nachwuchskräfte gewinnen und langfristig für sich begeistern“, sagt Kaute.
Angebot an Auszubildende übersteigt Nachfrage
Doch Karlsruhe ist mit über 300.000 Einwohnern eine Großstadt und St. Ingbert mit rund 35.000 Einwohnern immerhin eine Mittelstadt. Was ist mit dem ländlichen Raum und eher dörflichen Kommunen? Wie finden sie neuen Nachwuchs für ihre Arbeitsplätze? Auch im ländlichen Raum gibt es mittlerweile eine Konkurrenz um junge Leute. „Das Angebot an Ausbildungsplätzen übersteigt in unserer Gegend klar die Nachfrage“, stellt Karin Gansloser fest. Sie ist Bürgermeisterin in der rund 1600 Einwohner zählenden Gemeinde Schlat in Baden-Württemberg. „Angehende Azubis sind in einer sehr privilegierten Situation.“
In kleinen Orten kennt man sich. Wenn die Gemeinde als Arbeitgeber einen guten Ruf hat, profitiert sie davon auch bei der Suche nach Auszubildenden. Schlat ist dafür ein Beispiel: Hier werden vor allem Auszubildende für den Kindergarten gesucht. „Wir hatten in den vergangenen Jahren keine Probleme, neue Auszubildende zu finden“, betont Gansloser. „Das verdanken wir dem guten Ruf unseres Kindergartens und unseres Teams.“
Auch Schlat setzt auf Benefits für seine Mitarbeiter. „Die Auszubildenden erhalten damit die Benefits, die unsere Mitarbeitenden ebenfalls erhalten“, sagt die Bürgermeisterin. Dazu gehören in der Gemeinde die Nutzung eines JobRads, Steuerfreibeträge in Form von Sachbezugskreditkarten, eine Gesundheitskarte mit Zusatzleistungen zur gesetzlichen Versicherung und die Möglichkeit einer betrieblich unterstützten Altersvorsorge. Und dass die Gemeinde als Arbeitgeber nach Tarif bezahle, trage auch zur Attraktivität der Ausbildungsplätze bei.
In anderen Teilen des Landes profitieren Kommunen sogar von der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung. In der 12.200 Einwohner zählenden Stadt Wernau am Neckar ist das die Krise der Industrie im Stuttgarter Raum. „Wir
Kommunen bieten sichere und zukunftsorientierte Ausbildungsplätze mit guten Übernahmechancen“, sagt die Wernauer Bürgermeisterin Christiane Krieger. „Trotzdem ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig auf die vielfältigen Berufsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst aufmerksam zu machen.“ Dazu gehört es aus Sicht der Bürgermeisterin, dass man Schülerinnen und Schülern als Stadt Praktika im Rathaus ermöglicht und hierzu auch gezielt mit den Schulen vor Ort kooperiert.
„Dabei können wir den Schülerinnen und Schülern die breit gefächerten Aufgaben in unserer Verwaltung zeigen und Werbung für unsere Ausbildungsplätze machen“, sagt Krieger. „Wenn es dann auch noch die Möglichkeit gibt, dass die Jugendlichen nicht nur mitlaufen, sondern auch das eine oder andere selbst machen dürfen, kommt das meiner Erfahrung nach gut an.“ Wenn es Auszubildende im Haus gebe, die mit ihrer Entscheidung für eine Ausbildung bei der Kommune zufrieden sind, schade das natürlich auch nicht.

„Wir setzen bei der Suche nach Auszubildenden stark auf Mundpropaganda."
Auch diese Bürgermeisterin setzt auf persönliche Kontakte. Wenn sie in ihrer Stadt – etwa im Rahmen der Jugendbeteiligung – Kontakt mit Jugendlichen hat, weist Christiane Krieger immer wieder darauf hin, dass Wernau auch Ausbildungsplätze zu vergeben hat. „Ich bin überzeugt, dass diese „Mundpropaganda“ – zumindest für Kommunen unserer Größe und Struktur – ein sehr wirksames Werbemittel ist“, sagt Krieger.
Mittlerweile ist in allen Rathäusern in Deutschland klar: Würden sie nicht ausbilden, müssten sie mühevoll nach Fachkräften oder Quereinsteigern suchen und das auf einem ohnehin schon angespannten Arbeitsmarkt.

