Hier ist das Glück zu Hause: das Wohnprojekt am Südring in Hattingen
Das Wohnprojekt am Südring ist ein Glücksort in Hattingen.
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Lebenswerte Kommune

Bürgermeister stellen Glücksorte in ihrer Kommune vor

Was macht eine Kommune liebens- und lebenswert? Wir haben sechs Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gebeten, von einem Ort, einer Idee oder einer Tradition zu erzählen.

Melanie Witte-Lonsing, Bürgermeisterin in Hattingen, 53.000 Einwohner, NRW 

Melanie Witte-Lonsing, Bürgermeisterin Hattingen

Generationsübergreifendes Wohnen am Südring in Hattingen

"Wenn ich an einen Glücksort in Hattingen denke, fällt mir das Wohnprojekt am Südring ein. Vor 15 Jahren entstand hier ein Mehrgenerationenhaus, das bis heute zeigt, wie gut Gemeinschaft funktionieren kann. 21 Erwachsene und sieben Kinder sind damals gemeinsam eingezogen. Heute leben hier Menschen zwischen 13 und 86 Jahren. Die Kinder von damals sind inzwischen Jugendliche oder junge Erwachsene geworden. Trotz einzelner Veränderungen ist die Hausgemeinschaft nahezu unverändert geblieben. 

Wohnprojekt Hattingen

Das Haus gehört der Hattinger Wohnungsgenossenschaft hwg. Gemeinsam mit dem Verein „Projekt Wohnen Hattingen“ entstand ein Wohnprojekt für Menschen, die ihr Leben und auch das Älterwerden gemeinsam gestalten wollten. Der Verein hat das Gebäude gemietet und vermietet die Wohnungen an seine Mitglieder weiter. Dank der damals günstigen Baukosten und niedrigen Zinsen liegt die Kaltmiete bis heute bei 8,60 Euro pro Quadratmeter. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen – dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit, damit jede Stimme zählt. Jeden Freitag kommen Menschen aus der Nachbarschaft zum offenen Café. Auch das Fahrradreparaturcafé bringt regelmäßig Besucher an den Südring. So öffnet sich die Hausgemeinschaft für das Viertel und viele kommen miteinander ins Gespräch. Herzstück des Hauses ist der große Gemeinschaftsraum. Hier treffen sich die Bewohner jede Woche, diskutieren, feiern und treffen gemeinsame Entscheidungen.  Es fällt schnell auf, wenn jemand fehlt – dann wird nachgefragt. Man passt aufeinander auf. Welch ein Glück."

Helmut Voit, Bürgermeister der Gemeinde Nagel, 1.600 Einwohner, Bayern

Helmut Voit, Bürgermeister der Gemeinde Nagel

Kräuterfest am See in unserer Gemeinde Nagel 

"Alle zwei Jahre wird unser Kräuterfest zum Treffpunkt für Einheimische und Gäste. Zahlreiche Händler bieten dann Kräuter, regionale Spezialitäten und Handwerk an, dazu gibt es ein abwechslungsreiches kulinarisches Angebot. Das Fest ist einer der Höhepunkte des Jahres. Nagel ist eine ländlich gelegene Gemeinde mit rund 1.700 Einwohnern und liegt im Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge. Die artenreichen Wiesen mit ihren Wildkräutern prägen unsere Region seit Jahrhunderten. Bärwurz, Geflecktes Johanniskraut und Scharfgarbe wachsen hier neben der alten Heilpflanze Arnika.  In unserem Gemeindegebiet stehen besonders viele Naturflächen unter Schutz. 

Kräuterfest in Nagel

Die Nagler Vereine gestalten das Fest maßgeblich mit, die Gemeinde unterstützt bei der Vorbereitung sowie beim Auf- und Abbau. Außer den Personalkosten für die Bauhofmitarbeiter entstehen der Gemeinde keine weiteren Kosten – ein Einsatz, der sich jedes Mal aufs Neue lohnt. Zwischen 4.000 und 8.000 Besucher genießen den Tag am Nagler See. Ob Erholung, Baden, sportliche Aktivitäten, eine Kahnfahrt oder Kaffee und Kuchen – hier findet jeder seinen persönlichen Lieblingsplatz." 

Olaf Müller, Bürgermeister von Apolda, 23.000 Einwohner, Thüringen

Olaf Müller, Bürgermeister Apolda

Jugendclub "Tomate in Alpolda als Treffpunkt und Talentschmiede

"Seit 30 Jahren gehört der Jugendclub „Tomate“ zu Apolda. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist er ein Ort, an dem sie Musik machen, kreativ sein und ihre Ideen verwirklichen können – ohne dass sich jemand über Gitarren oder Schlagzeug beschwert. Im Haus am Park an der Herressener Promenade treffen sie sich montags bis freitags. Mehr als 80 Bands haben sich in dieser Zeit hier gegründet, darunter die über Thüringen hinaus bekannte Metal-Band „Die Apokalyptischen Reiter“. Heute proben im Klub „Static Collapse“ und weitere tolle Nachwuchsbands. Unsere Bands sorgen bei vielen Veranstaltungen regional und überregional für Stimmung. In der Hobbywerkstatt werden Instrumente gebaut, aber auch Fahrräder repariert.

Jugendclubleiter Matthias Wille

Die Jugendlichen haben bereits zwei Fotobände veröffentlicht. Ein dritter ist geplant. Er soll Apolda früher und heute aus derselben Perspektive zeigen, wie mir Matthias Wille erzählt hat. Er leitet und betreut den Club nun schon seit 28 Jahren. Im Sommer trifft man sich an der kleinen Strandbar zum Grillen. Wer mag, spielt Dart, Schach, Kicker oder Tischtennis. Außerdem werden Sportturniere organisiert, getöpfert, Fahrradtouren unternommen und Ferienfreizeiten angeboten. Die Stadt unterstützt den Club, finanziert wird er vom Landkreis Weimarer Land und das Trägerwerk Soziale Dienste Thüringen betreibt ihn.  Wie sehr der Jugendklub in Apolda geschätzt wird, zeigt, dass Unternehmer beim Apoldaer Zwiebelmarkt zuletzt 3.650 Euro für die „Tomate“ gespendet haben."

Kathleen Bartels, Bürgermeisterin der Stadt Grabow, 5.600 Einwohner,  Mecklenburg-Vorpommern

Kathleen Bartels, Bürgermeisterin von Grabow

Freibad in Grabow seit 1975

"An heißen Sommertagen gibt es für viele Grabower und Familien aus der Umgebung nur ein Ziel: unser Waldbad. Die Frühschwimmer ziehen ihre Bahnen, Kinder sausen die breite Rutsche hinunter, Jugendliche treffen sich auf dem Beachvolleyballfeld und auf den Liegewiesen findet jeder sein Lieblingsplätzchen. Der Duft von Sonnencreme und Pommes liegt in der Luft. 

Seit der Eröffnung im Jahr 1975 haben Generationen von Grabowerinnen und Grabowern hier schwimmen gelernt, ihre ersten Sprünge ins Wasser gewagt und unbeschwerte Ferientage verbracht. Viele kommen heute mit ihren eigenen Kindern oder Enkeln zurück. Am Kiosk trifft man sich auf ein Eis oder eine Portion Pommes – oft bleibt man länger als geplant.

Freibad Grabow



In den vergangenen Jahren haben wir das Waldbad behutsam modernisiert – mit barrierefreien Zugängen, moderner Technik sowie einer nachhaltigen Beheizung durch Solarenergie und ein Blockheizkraftwerk. Dabei war uns wichtig, den vertrauten Charakter des Bades zu erhalten. Natürlich kostet ein Freibad Geld. Für uns ist es aber eine Investition in Lebensqualität, Begegnung und die vielen Sommererinnerungen, die hier entstehen.

Den ganzen Sommer über ist im Waldbad etwas los. Schwimmkurse, Schwimmwettkämpfe, der Triathlon oder das Kindertagsfest laden zu einem Besuch ein. Wenn sich am Abend die Liegewiesen langsam leeren, freuen sich viele schon auf den nächsten Badetag."

Dimitrios Axourgos, Bürgermeister im westfälischen Schwerte, 48.000 Einwohner, NRW

Dimitrios Axourgos, Bürgermeister von Schwerte

Tanztee für Seniorinnen und Senioren in Schwerte

"Gemeinsam tanzen, lachen und Zeit miteinander verbringen: Der Tanztee für Seniorinnen und Senioren gehört für mich zu den schönsten Veranstaltungen in Schwerte. Seit 2024 laden wir dazu einmal pro Quartal in die Rohrmeisterei ein. Viele Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheit, bekannte Gesichter wiederzusehen oder neue Kontakte zu knüpfen. Bei Kaffee und Kuchen kommen die Menschen miteinander ins Gespräch, schunkeln und viele singen mit.

Tanzveranstaltung Schwerte

Für viele ältere Menschen ist der Tanztee ein fester Termin, auf den sie sich freuen und den sie nicht mehr missen möchten.

Beim Karnevals-Tanztee wird das schönste Kostüm prämiert, ein DJ legt auf und eine Fotobox sorgt für lustige Erinnerungsfotos. Im Sommer gibt es eine Sommerparty, im Oktober wird auch am Weltseniorentag getanzt. In der Adventszeit schaffen Weihnachtslieder eine besondere Stimmung. Entstanden ist die Veranstaltungsreihe aus dem „Runden Tisch gegen Einsamkeit“, der nach Möglichkeiten suchte, Menschen zusammenzubringen.

Früher Pumpstation der Trinkwasserversorgung der Stadt, ist die Rohrmeisterei heute ein lebendiges Kultur- und Bürgerzentrum. Möglich gemacht hat diese Entwicklung auch die Bürgerstiftung Rohrmeisterei. Sie setzt sich dafür ein, dass das historische Gebäude dauerhaft als Ort der Begegnung erhalten bleibt."

Alfons Mußhoff, Bürgermeister der Stadt Unkel, 5.000 Einwohner, Rheinland-Pfalz:

Alfons Mußhoff, Bürgermeister Unkel

Bürgerpark in Unkel als Glücks-Ort

"Als sich die Verbandsgemeinde Unkel vor einigen Jahren entscheiden musste, ob sie das Freibad oder das Hallenbad erhalten will, war das eine schwere Entscheidung. Denn beides konnte sich die Verbandsgemeinde finanziell nicht leisten. Dass das Freibad schließen musste, hat viele Menschen enttäuscht. Umso mehr freut es mich, was aus dem Gelände nach der Übertragung auf die Kulturstadt Unkel geworden ist: Der Bürgerpark ist ein Ort, an dem das Glück in Unkel zu Hause ist. Auf der Skaterbahn treffen sich Kinder und Jugendliche, Familien picknicken im Grünen, Ehrenamtliche pflegen den Gemeinschaftsgarten oder planen Feste.

Bürgerpark Unkel

Getragen wird der Park von Gemeinsam für Vielfalt e. V., einem Verein, der 2017 aus dem Kontaktkreis Flüchtlinge hervorgegangen ist, einem ökumenischen Netzwerk zur Unterstützung Geflüchteter. Bis heute liegt ihm der interkulturelle Austausch am Herzen, ebenso wie Barrierefreiheit, damit wirklich alle mitmachen können. Unterstützt wird der Verein von einem Netzwerk aus Vereinen und Initiativen aus Unkel und Umgebung. Einmal im Jahr gehört die Bühne beim Kinderfest den Jüngsten, es gibt einen Tag der Artenvielfalt, dazu kommen gelegentlich Konzerte, bei gemeinsamen Kochabenden können sich neue und alteingesessene Unkeler kennenlernen.  Mit Dachbegrünungen und Sonnensegeln soll der Bürgerpark klimafit gemacht werden. Gefördert wird dies mit 600.000 Euro aus dem kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz. An diesem Ort können Menschen glücklich sein, weil alle willkommen sind und sich alle mit ihren Ideen und Fähigkeiten einbringen können."

Fotocredits: Garten Wohnprojekt in Hattingen: RuhrkanalNEWS/Holger Grosz Kräuterfest Nagel: Gemeinde Nagel Jugendclub Tomate: Privat Tanztee Schwerte: Gabriele Stange Bürgerpark Unkel: Vera Rduch