Ende der Klima-Hybris
Klimaziele gekippt: Kommunen ziehen die Notbremse
Es war die große Zeit der kommunalen Klimaversprechen. Fridays for Future füllte die Straßen, Stadträte riefen den Klimanotstand aus und eine Kommune nach der anderen wollte schneller klimaneutral werden als der Bund. 2030, 2035 – Hauptsache ambitioniert. Die Frage, ob die Ziele technisch erreichbar, rechtlich überhaupt durchsetzbar und vor allem bezahlbar waren, wurde dagegen nicht immer mit derselben Leidenschaft gestellt.
Jetzt holt die Realität die Beschlüsse ein.
Immer mehr Kommunen verschieben ihre Klimaziele, relativieren sie oder stellen sie ausdrücklich unter Finanzierungsvorbehalt.
Zwar bleibt eine energetische Sanierung, die dauerhaft Energiekosten spart, auch dann vernünftig, wenn das Rathaus nicht mehr behauptet, die gesamte Stadt werde 2035 klimaneutral. Aber zwischen wirtschaftlichem Klimaschutz und einem politisch ausgerufenen kommunalen Weltrettungsdatum liegt ein ziemlich großer Unterschied.
Klimaneutralität 2035: Kommunen ziehen die Notbremse
Besonders deutlich wird der neue Kurs in Greifswald. Noch im Jahr 2022 hatte die Bürgerschaft beschlossen, die Stadt bis 2035 klimaneutral zu machen. Am 2. März 2026 wurde daraus ganz offiziell das Jahr 2045.
Der Beschluss trägt einen bemerkenswert nüchternen Titel: „Greifswalder Klimaschutzziele realistisch anpassen“. Mit 22 gegen 18 Stimmen änderte die Bürgerschaft das bisherige Ziel. Greifswald strebt nun an, ab 2045 klimaneutral zu sein. Ausdrücklich gilt das auch für die kommunale Wärmeplanung; bestehende Konzepte sollen gegebenenfalls angepasst werden.
Das Interessante daran: Greifswald steigt damit keineswegs aus dem Klimaschutz aus. Die Stadt investiert weiter in Fernwärme, Solarthermie und andere Projekte. Erst Anfang 2026 wurde Greifswald sogar als „Energie-Kommune des Jahres 2025“ ausgezeichnet.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen Klimaschutz und Klima-Symbolpolitik: Eine Stadt kann sinnvolle Projekte umsetzen, ohne sich gleichzeitig an ein Zieljahr zu ketten, das sie aus eigener Kraft kaum erreichen kann.
Die Botschaft aus Greifswald lautet deshalb nicht: Wir tun nichts mehr. Sie lautet: Wir versprechen nicht mehr etwas, dessen Erfüllung weitgehend von Bund, Land, Energieversorgung, Gebäudeeigentümern und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt.
Magdeburg streicht das Klimaziel 2035
Noch deutlicher ist die Kehrtwende in Magdeburg.
Dort beschloss der Stadtrat Ende April diesen Jahres die „Aufhebung bzw. Anpassung des Stadtratsbeschlusses zur Klimaneutralität der Landeshauptstadt Magdeburg bis zum Jahr 2035“. Inzwischen nennt die Stadt selbst 2045 als Zieljahr.
Damit verschwindet eine jener Jahreszahlen, die in der Hochphase der kommunalen Klimapolitik gerne beschlossen wurden.
Besonders bemerkenswert ist die finanzielle Dimension. Künftige Klimaschutzmaßnahmen in Magdeburg sollen nur noch ohne zusätzliche Belastung des städtischen Haushalts umgesetzt werden.
Das klingt fast revolutionär – dabei handelt es sich um etwas, das früher einmal unter dem Begriff Haushaltsdisziplin lief.
Denn Magdeburg hat genügend andere Probleme. Der Haushalt für dieses Jahr in der Stadt sieht zwar Erträge von rund 967 Millionen Euro vor - aber auch Ausgaben in Höhe von 1,04 Milliarden. Gleichzeitig muss die Stadt Schulen, Straßen, Nahverkehr, Feuerwehr, soziale Einrichtungen und ihre übrige Infrastruktur finanzieren.
In einer solchen Situation darf die Frage erlaubt sein, ob eine freiwillige kommunale Klimamaßnahme wirklich wichtiger ist als eine kaputte Schule oder eine marode Brücke.
Mehr noch: Diese Frage muss gestellt werden.
Schwerin: Erst Klimanotstand, dann kam die Wirklichkeit
Schwerin liefert vielleicht das anschaulichste Beispiel dafür, was bei vielen kommunalen Klimazielen schiefgelaufen ist.
Die Stadt hatte 2020 den Klimanotstand ausgerufen und ihr Ziel der Klimaneutralität auf 2035 vorgezogen. Gleichzeitig investierte Schwerin rund 70 Millionen Euro in die Modernisierung seiner Heizkraftwerke. Seit 2024 erzeugen dort neue Gasturbinen Strom und Wärme. Damit sich diese Investitionen rechnen, müssen die Anlagen viele Jahre betrieben werden.
2035 klimaneutral werden und gleichzeitig gerade erst modernisierte Gaskraftwerke langfristig betreiben – man muss kein Energiewissenschaftler sein, um den kleinen Widerspruch zu entdecken.
Im November 2025 zog die Stadtvertretung die Konsequenz und verschob das Klimaziel um zehn Jahre auf 2045.
Inzwischen plant auch der offizielle Schweriner Wärmeplan mit einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis spätestens 2045. Der Stadtrat bestätigte den Plan Ende Juni 2026.
Noch aufschlussreicher ist allerdings die Vorgeschichte. Mitarbeiter der Schweriner Verwaltung räumten später ein, das Ziel 2035 sei fachlich bereits bei seiner Verabschiedung äußerst unwahrscheinlich gewesen. Nach ihren Angaben war zuvor weder geprüft worden, ob das Ziel technisch erreichbar war, noch gab es eine Kostenschätzung oder einen Finanzierungsvorschlag.
Man muss diesen Satz zweimal lesen.
Ein politisches Ziel mit Milliardenfolgen wird beschlossen. Die Prüfung, ob es funktioniert und was es kostet, kommt später.
Das war weniger Finanzplanung als kommunalpolitisches Wunschkonzert.
Bottrop nimmt 2045 ins Visier
Auch Bottrop richtet seine Klimastrategie inzwischen offiziell auf 2045 aus. Der aktuelle „Masterplan Klimastadt“ nennt Klimaneutralität bis 2045 als oberstes Ziel. Ebenso arbeitet die kommunale Wärmeplanung mit dem Zielszenario 2045.
Dabei ist Bottrop gerade ein gutes Beispiel dafür, dass die Verschiebung einer Jahreszahl nicht das Ende sinnvoller Klimapolitik bedeutet. Die ehemalige Kohlestadt hat über Jahre Energieeffizienzmaßnahmen erprobt und ihren Gebäudebestand modernisiert.
Nur folgt daraus eben nicht zwingend, dass die Stadt sich selbst zehn Jahre strengere Vorgaben auferlegen muss als der Bund.
Das Entscheidende sollte sein, welche Maßnahme funktioniert und was sie kostet – nicht, welches Datum schöner auf eine Hochglanzbroschüre passt.
Dresden: 2035 trifft auf die Wärmeplanung 2045
In Dresden zeigt sich die wachsende Diskrepanz zwischen politischer Ambition und praktischer Infrastrukturplanung besonders deutlich.
Der Stadtrat hatte beschlossen, im neuen Energie- und Klimaschutzkonzept Klimaneutralität bis 2035 darzustellen. Alternativ sollte ein Szenario für 2040 geprüft werden. Dieses Ziel führt die Stadt auf ihren Klimaschutzseiten weiterhin.
Bei der konkreten kommunalen Wärmeplanung sieht die Sache anders aus: Dort beschreibt Dresden ein Zielszenario, nach dem die Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral werden soll. Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit werden ausdrücklich als Kriterien genannt.
Der politische Kalender sagt also 2035, die technische Infrastrukturplanung teilweise 2045.
Vielleicht ist genau das die neue kommunale Realität: Die Wirklichkeit interessiert sich erstaunlich wenig für alte Ratsbeschlüsse.
Jena prüft plötzlich, ob 2035 überhaupt realistisch ist
Auch Jena gehörte zu den ambitionierten Städten. Der Stadtrat hatte 2023 den Klima-Aktionsplan „Jena klimaneutral bis 2035“ beschlossen.
Doch schon bei der kommunalen Wärmeplanung wurde das große Versprechen deutlich vorsichtiger formuliert.
Die Stadt erklärte bei der Vorstellung des Plans ausdrücklich, spätestens bei der Fortschreibung solle geprüft werden, „ob das Ziel einer klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2035 realistisch ist“. Gleichzeitig stellt Jena klar, dass die Wärmeplanung keine rechtliche Verpflichtung für Hauseigentümer schafft.
Auch das ist bemerkenswert: Aus dem politischen Ziel wird ein Ziel unter Realitätsvorbehalt.
Genau so hätte man vielleicht anfangen sollen.
Erst prüfen, was technisch möglich ist. Dann die Kosten ermitteln. Dann feststellen, wer überhaupt zuständig ist. Und anschließend ein Ziel beschließen.
Nicht andersherum.
Mannheim: Klimaneutral 2030 – aber nur 40 Prozent geschafft
Mannheim hatte sich eines der ambitioniertesten Ziele Deutschlands gesetzt: Klimaneutralität bis 2030.
Die Stadt hält diesen Anspruch auf verschiedenen Seiten weiterhin hoch. Doch die eigene Evaluation vom Juni 2026 zeigt, wie gewaltig die Lücke ist. Gegenüber 1990 sind die Treibhausgasemissionen nach den aktuell verfügbaren Daten bislang um rund 40 Prozent gesunken. Das operative Ziel für 2030 wird inzwischen mit einer Reduktion um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 beschrieben.
Oberbürgermeister Christian Specht formuliert zugleich einen Satz, der zum neuen Leitmotiv kommunaler Klimapolitik werden könnte: Man müsse gezielter dort investieren, wo „mit jedem Euro möglichst viel CO₂“ eingespart werde.
Genau darum geht es.
Nicht maximale politische Ambition pro Pressemitteilung, sondern maximale Wirkung pro Euro.
Mannheim räumt in seinem eigenen Klimamonitoring außerdem ein, dass die Stadt auf manche Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet „wenig bis kaum Einfluss“ hat. Die dadurch entstehende Differenz wird sogar ausdrücklich als „Zielerreichungslücke“ bezeichnet.
Deutlicher kann eine Kommune die Grenzen kommunaler Klimapolitik kaum beschreiben.
Köln hält an 2035 fest – und plant Wärme für 2045
Köln gehört bisher noch nicht zur Gruppe der Städte, die ihr Gesamtziel offiziell kassiert haben. Der Rat hält formal an Klimaneutralität bis 2035 fest. Dafür müssten die Treibhausgasemissionen gegenüber 2019 massiv sinken.
Doch auch hier wird die Kluft zwischen Beschluss und Wirklichkeit sichtbar.
Köln muss unter anderem seinen Gebäudebestand sanieren, rund 200 Kilometer Fernwärmeleitungen verlegen und Busse, Müllwagen, Kehrmaschinen sowie Rettungswagen umstellen. Der zuständige Umweltdezernent erklärt selbst, dass dies innerhalb der vorgesehenen Zeit ohne weitere Fördermittel nicht durch den städtischen Haushalt finanzierbar sei.
Hinzu kommt ein ziemlich ernüchternder Befund: Selbst wenn Köln sämtliche städtischen Gebäude energetisch sanieren würde, könnten damit laut Gutachten nur rund ein Prozent der gesamten Kölner Emissionen eingespart werden.
Während das politische Gesamtziel weiterhin 2035 lautet, plant die im März 2026 fertiggestellte kommunale Wärmeplanung den Übergang zu einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung bis 2045.
Gleichzeitig beziffern die Stadtwerke Köln ihren Investitionsbedarf bis 2035 für Energie- und Wärmewende, Verkehr, Bäder und digitale Infrastruktur auf rund zwölf Milliarden Euro.
Zwölf Milliarden Euro sind kein Symbol. Das ist Geld.
Der Geburtsfehler vieler Klimaziele aus der Fridays-for-Future-Zeit
Warum geraten diese Ziele jetzt reihenweise ins Wanken?
Weil viele von ihnen in einer außergewöhnlichen politischen Stimmung entstanden.
2019 und 2020 erreichten die Klimaproteste ihren Höhepunkt. Kommunen riefen den Klimanotstand aus und wollten demonstrieren, dass sie schneller handeln als Bund und Länder. Damals haben rund 2.500 Städte und Gemeinden eigene Klimaschutzkonzepte beschlossen. In einigen Anträgen unter der Überschrift "Klimanotstand ausrufen" war sogar ausdrücklich die Rede davon, man folge den Zielen von Greta Thunberg, machte sich also mit einer Person gemein, die spätestens seit dem Jahr 2023 immer wieder als Antisemitin kritisiert wurde, sich auf die Seite der palästinensisch besetzten Gebiete stellte, Israel massiv kritisierte und Vorwürfe eines Völkermords im Gazastreifen erhebt.
Ambition wurde zum politischen Gütesiegel.
Doch Ambition ist noch keine Machbarkeitsstudie.
Schwerin zeigt exemplarisch, was passieren kann, wenn eine Jahreszahl beschlossen wird, bevor technische Voraussetzungen und Finanzierung geklärt sind. Köln beschloss ebenfalls erst das Ziel und ließ anschließend untersuchen, wie es erreicht werden könnte.
Selbst das Umweltbundesamt warnt vor unrealistischen kommunalen Klimazielen
Interessanterweise kommt die Kritik an überambitionierten kommunalen Zieljahren keineswegs nur von Klimaskeptikern.
Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass Kommunen Treibhausgasneutralität nicht allein erreichen können. Die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen könnten es Städten sogar erschweren oder unmöglich machen, klimaneutral zu werden, bevor der Bund dieses Ziel erreicht.
Das Amt empfiehlt deshalb, kommunale Klimaziele stärker an den tatsächlichen Einflussmöglichkeiten einer Kommune auszurichten. Statt abstrakte kommunale CO₂-Budgets herunterzurechnen, sollten Städte ihre konkreten Einsparpotenziale betrachten.
Mit anderen Worten: Auch das Umweltbundesamt sagt nicht, ein Stadtrat könne das Weltklima per Mehrheitsbeschluss steuern.
Kommunen können ihre Gebäude sanieren. Sie können Stadtwerke beeinflussen. Sie können planen, beraten, Flächen bereitstellen und Infrastruktur schaffen.
Aber sie können weder die Bundesgesetzgebung festlegen noch private Eigentümer beliebig zum Investieren zwingen. Sie bestimmen nicht den nationalen Strommix, nicht die Weltmarktpreise für Energie und schon gar nicht die Emissionen in China, Indien oder den USA.
Deutschlands Anteil am weltweiten CO₂-Ausstoß bleibt klein
Zur Wahrheit gehört auch die internationale Größenordnung.
Deutschland verursachte 2024 nach Daten der EU-Emissionsdatenbank EDGAR rund 580 Millionen Tonnen fossiles CO₂. Weltweit waren es knapp 39,6 Milliarden Tonnen. Das entspricht rund 1,4 Prozent.
Nach Daten des Global Carbon Budget lag Deutschlands Anteil an den weltweiten fossilen und industriellen CO₂-Emissionen 2024 bei rund 1,48 Prozent. China kam auf knapp 32 Prozent, Indien auf gut acht Prozent.
Deutschland kann das Weltklima nicht alleine steuern. Eine einzelne deutsche Kommune erst recht nicht.
Wer deshalb in einer finanziell notleidenden Stadt enorme Summen ausgibt, nur um formal zehn Jahre früher „klimaneutral“ zu sein als der Bund, muss sich die Frage nach Kosten und Wirkung gefallen lassen.
Das ist kein Angriff auf den Klimaschutz. Das ist Mathematik.
Kommunen haben 31,9 Milliarden Euro Defizit
Und dann wäre da noch diese Kleinigkeit namens Geld.
Deutschlands Kommunen haben das Jahr 2025 mit einem Finanzierungsdefizit von 31,9 Milliarden Euro abgeschlossen. Es war das höchste kommunale Defizit seit der Wiedervereinigung. 7,5 Prozent der kommunalen Ausgaben waren nicht mehr durch reguläre Einnahmen gedeckt.
Gleichzeitig beziffert das KfW-Kommunalpanel 2026 den wahrgenommenen Investitionsrückstand der Städte, Gemeinden und Landkreise auf 231 Milliarden Euro. Allein bei Schulen fehlen demnach rund 68,9 Milliarden Euro. Straßen bilden ebenfalls einen der größten Problemblöcke. 44 Prozent der Kommunen bewerten ihre Finanzlage bereits als mangelhaft, neun von zehn erwarten eine weitere Verschlechterung.
Ein Euro kann nur einmal ausgegeben werden.
Wer Millionen in eine Maßnahme steckt, die nur deshalb vorgezogen wird, damit ein politisch gesetztes Klimaziel 2035 erreicht wird, kann diesen Euro nicht gleichzeitig für ein Schuldach, eine Feuerwehrwache, eine Brücke, einen Kindergarten oder eine kaputte Straße verwenden.
Fördermittel ändern daran übrigens wenig. Auch gefördertes Geld ist kein Geld aus dem Zauberkasten. Es stammt ebenfalls vom Steuerzahler – und häufig muss die Kommune einen Eigenanteil aufbringen sowie die späteren Betriebs- und Folgekosten tragen.
Klimaanpassung statt kommunaler Weltrettung
Kommunen sollten dort handeln, wo sie tatsächlich etwas bewirken können.
Dazu gehören Hochwasserschutz, Regenrückhaltung, leistungsfähige Kanalisation, Trinkwasserversorgung, Hitzeschutz, Katastrophenschutz und eine klimaangepasste Stadtentwicklung. Auch energetische Maßnahmen können sinnvoll sein – wenn sie sich wirtschaftlich rechnen.
Wer ein marodes Schuldach ohnehin erneuern muss, sollte selbstverständlich prüfen, ob Dämmung oder Photovoltaik sinnvoll sind. Wer durch moderne Gebäudetechnik dauerhaft Heizkosten spart, schont den Haushalt langfristig.
Aber funktionierende Fahrzeuge vorzeitig auszutauschen, intakte Anlagen abzuschreiben oder wirtschaftlich zweifelhafte Projekte allein deshalb durchzuziehen, weil irgendwo das Jahr 2035 steht, ist etwas anderes.
Die entscheidende Frage muss wieder lauten:
Was kostet die Maßnahme – und was bringt sie?
Für größere kommunale Klimaprojekte sollte deshalb transparent ausgewiesen werden, wie hoch die Gesamtkosten über die Lebensdauer sind, wie viele Tonnen CO₂ tatsächlich eingespart werden, was eine vermiedene Tonne kostet und welche Alternativen mit demselben Geld möglich wären.
Das wäre Klimapolitik mit Taschenrechner.
Das Ende der kommunalen Klima-Hybris ist überfällig
Wer heute ein unrealistisches kommunales Klimaziel korrigiert, versagt nicht.
Er übernimmt Verantwortung.
Denn ein Stadtrat ist nicht dafür gewählt, möglichst spektakuläre Jahreszahlen in Resolutionen zu schreiben. Er ist dafür gewählt, mit begrenztem Geld möglichst vernünftige Entscheidungen für seine Stadt zu treffen.
Die Klimaziele der Fridays-for-Future-Jahre entstanden vielfach in einer Zeit, in der politische Begeisterung größer war als die Bereitschaft, unangenehme Fragen über Kosten, Zuständigkeiten und technische Machbarkeit zu stellen.
Diese Zeiten ändern sich.
Greifswald hat sein Ziel auf 2045 verschoben. Magdeburg hat 2035 aufgegeben. Schwerin plant inzwischen mit 2045. Bottrop setzt auf 2045. Dresden, Jena, Mannheim und Köln zeigen auf unterschiedliche Weise, wie weit politische Zieljahre und tatsächliche Infrastrukturplanung auseinanderliegen.
Das ist keine Katastrophe.
Die Katastrophe wäre, wider besseres Wissen an unerreichbaren Beschlüssen festzuhalten und Milliarden auszugeben, nur damit niemand zugeben muss, dass eine politische Entscheidung aus dem Jahr 2020 falsch war.
Kommunen brauchen keinen Wettbewerb darum, wer sich das früheste Datum auf die Rathausfassade schreiben kann.
Sie brauchen funktionierende Schulen, sichere Brücken, intakte Straßen, leistungsfähige Feuerwehren, bezahlbare Energie und solide Haushalte.
Klimaschutz dort, wo er sinnvoll und wirtschaftlich ist? Selbstverständlich.
Aber weniger Symbolpolitik auf Kosten kaputter Schulen, maroder Brücken und leerer kommunaler Kassen?
Unbedingt.
