Mobilitätswende
Mobilität: So schaffen Kommunen neue Wege

Mobilitätswende: Radschnellweg und Schulwegpläne
Lange hat Klaus Schindling - letztendlich erfolgreich - für die Anbindung seiner Kommune an den Radschnellweg FRM 3 von Wiesbaden nach Frankfurt am Main gekämpft. Teil des Projektes: der Umbau des Bahnhofs zu einem barrierefreien Bahnhof. Um die Nahmobilität mehr und mehr auf das Rad zu verlagern, wurde ein Arbeitskreis Radverkehr gegründet und für diesen Bereich ein Manager angestellt. Aber auch die Fußgänger hat Hattersheim im Blick. Klaus Schindling unterstreicht: "Menschen, die gerne zu Fuß gehen, brauchen eine größere Lobby. Es kann nicht sein, dass ältere Menschen nicht mehr gerne zu Fuß unterwegs sind, weil junge Menschen auf Rad und Scootern wie die Wilden unterwegs sind." Damit die Schulkinder sicher zu ihrer Schule gelangen, gibt es in Hattersheim mittlerweile Schulwegepläne und mit gelben Fußabdrücken belegte Straßen, die den Kindern den Weg weisen.

Kritischer Punkt: die Deutsche Bahn
Kritisch sieht der Bürgermeister die Rolle der Bahn in Sachen Mobilitätswende: "Die Bahn könnte ein wichtiger Baustein für die Mobilitätswende sein. Werbung dafür macht die Bahn derzeit aber nicht. Im Nahverkehr müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, dass Fahrräder in S-Bahnen anscheinend unerwünscht sind." Generell blickt Klaus Schindling positiv in die Zukunft. Er hofft, dass die Zeit bald reif sei für ein breites Umdenken in Sachen Mobilität. "Wir arbeiten nicht dogmatisch gegen das Auto als individuelles Fortbewegungsmittel. Das wäre gerade im ländlichen Raum - wir haben ja auch jeden Tag ein Rendezvous mit der Realität - nicht durchsetzbar. Aber ein Auto pro Familie - mit E-Antrieb - sollte schon das große Ziel sein. Genauso wie eine Nahmobilität, die auch ohne Autos funktioniert." Da sei man sich im Stadtrat, sagt er, über alle Fraktionen hinweg einig.
Lünen setzt auf Radwege - auch außerhalb der eigenen Stadtgrenzen
Auch im westfälischen Lünen setzt man in Sachen Mobilität verstärkt auf emissionsfreie Fortbewegungsmittel. Das Problem, sagt der Technische Beigeordnete Arnold Reeker, sitze bei den Menschen mal wieder "zwischen den Ohren". Mit dem Auto sozialisiert würden viele ihr Verhalten nur ungerne ändern. Die Leidensfähigkeit sei bei vielen Bürgerinnen und Bürger in Bezug auf das Auto immer noch extrem hoch. Dabei sei Lünen eine sehr kompakte Stadt, in der man vieles zu Fuß oder per Rad erledigen könne. "Dennoch machen die Kilometer zwei bis fünf etwa 50 Prozent des Verkehrsaufkommens aus. Besonders die Zeit zwischen 7.30 und 8 Uhr mit dem Bringverkehr an den Schulen sind ein echtes Problem", erklärt Arnold Reeker. Und er fügt an: "Anders als früher kennen die Kinder ihre Stadt nicht mehr. Da braucht es viel Überzeugungsarbeit bei den Eltern, damit die Kinder wenigstens die letzten 300 bis 500 Meter wieder zu Fuß oder per Rad zur Schule kommen."

Wie in Hattersheim baut man auch in Lünen auf neue Radwege. Der im Bau befindliche IGA-Radweg etwa verknüpft die touristischen Angebote und Naherholungsräume des Zukunftsgartens in Lünen mit den Nachbarkommunen. Er soll auch nach Ende der Internationalen Gartenausstellung 2027 das Angebot für den Alltags- und Freizeitradverkehr zwischen den Städten verbessern. Dementsprechend gibt es in Lünen auch immer mehr Fahrradständer und in der Nähe der Schulen werden temporäre Schulstraßen eingerichtet, die für jeweils zwei Stunden für PKWs gesperrt werden. Auch Kooperationen mit Unternehmen sind angedacht, aber hier, sagt Arnold Reeker, gebe es ein Problem: "Wir haben in Lünen viele Ein- und Auspendler, die noch auf das Auto angewiesen sind. Dennoch wollen wir das Thema betriebliches Mobilitätsmanagement weiter vorantreiben."

Lünen: Das integrierte Mobilitätskonzept 2035
Neun Bausteine umfasst das noch nicht finalisierte "Integrierte Mobilitätskonzept 2035" der Stadt Lünen. Das oberste Ziel: Für jedes Fortbewegungsmittel soll ein Anteil von 25 Prozent erreicht werden: zu Fuß, per Rad, mit ÖPNV und mit dem Auto. Im Fokus stehen:
- der Fußverkehr,
- der Radverkehr,
- der öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV),
- der motorisierter Individualverkehr (MIV),
- der Logistik- und Güterverkehr,
- Bauteile der Neuen Mobilität wie Sharing-Angebote, Elektromobilität und innovative Mobilitätsformen,
- das Mobilitätsmanagement,
- die Öffentlichkeitsarbeit (Information, Kommunikation und Bewusstseinsbildung),
- das Straßenraummanagement.
Umfragen in Sachen Mobilität zeigen Arnold Reeker die Probleme aber immer wieder auf: "Die Menschen wollen eine grünere und damit auch eine kühlere Stadt. Aber wenn es um das eigene Auto geht, dann werden die Verhandlungen zäh und kleine Maßnahmen sorgen für eine Menge Verärgerung. Aber wir bleiben in Sachen Mobilitätswende hartnäckig am Ball, treiben sie in kleinen Schritten immer weiter voran. Schnelle Erfolge sind in diesem Bereich ohnehin nicht zu erwarten."


